Virtuelle Netzwerke in VMware Player und Workstation, VirtualBox und Virtual PC konfigurieren
Desktop-Virtualisierer eignen sich nicht nur zum Test neuer Systeme oder Anwendungen, auch Netzwerk-Szenarien lassen sich in virtuellen Umgebungen mit weitaus höherem Komfort testen als dies ein physisches Testnetz bieten könnte. Die meisten Typ-2-Hypervisoren, auch kostenlose wie VirtualBox, bieten Netzwerk-Optionen, die geeignet sind, die VMs in diesen Netzen vom Host-Netzwerk zu isolieren – es wäre schließlich kaum wünschenswert, wenn etwa ein virtueller DHCP-Server in das physische Firmennetzwerk hineinfunkt. An der konkreten Gestaltung und den Optionen der Netzwerkmodi gibt es jedoch noch Optimierungspotential.
Virtuelles Netz: Kein funktionierendes DNS vorhanden
Normalerweise richten die Desktop-Virtualisierer bei ihrer Installation eigene DHCP-Server ein, um alle die virtuellen Maschinen mit IP-Adressen zu versorgen, die per NAT mit dem Host-Netzwerk verbunden sind oder in komplett isolierten Subnetzen laufen. Diesen fehlt jedoch ein wichtiges Merkmal: Sie beherrschen kein DNS, genauer gesagt, keine dynamischen Updates. Zwar reichen sie für NAT-Netzwerke den DNS-Cache des Hosts an die VMs weiter, die VMs können jedoch ihren Namen innerhalb ihres virtuellen Netzwerksegmentes nicht registrieren und damit auch nicht verwenden. Professionelle Tests, etwa mit Windows-Testdomänen, sind aber auf eine funktionierende DNS-Infrastruktur angewiesen.
Schlimm ist das alles nicht, denn in einem virtuellen Netzwerk, das diese Anforderungen erfüllen soll, stehen sowieso entsprechende Produkte zur Verfügung, die von sich aus die entsprechenden Dienste bereitstellen. Behandelt man den DHCP-Server des VM-Hosts wie eine beliebigen anderen auch, kann man dann ihn einfach ignorieren und statt dessen den eigenen, von einer VM gelieferten, verwenden, der dann einen anderen IP-Bereich versorgt.
DHCP-Server von VMware, VirtualBox, Virtual PC ausschalten
Übersichtlicher in der Handhabung ist es aber meist, den DHCP-Server des Hosts abzuschalten. Um die entsprechende Konfigurationsoberfläche kommt man sowieso nicht herum – man muss die Konfiguration des virtuellen Netzwerkes einsehen, um dessen Bereich für die Vergabe der festen IP-Adresse zu kennen: etwa für die des eigenen DHCP-Servers oder den Domaincontroller.
VMware Workstation und VMware Player
In VMware Workstation kann man dies im Menü „Edit, Virtual Network Editor“ tun und pro virtuellem Netzwerk dem DHCP-Server ein- oder ausschalten – oder auch den IP-Bereich begrenzen, den er versorgt.
Über einen Trick kann man den Virtual Network Editor auch mit VMware Player verwenden, wenn keine Workstation-Lizenz zur Verfügung steht. VMware Player unterstützt zwar mit seiner GUI nicht das Starten mehrerer VMs, wie dies für ein virtuelles Netzwerk nun einmal essentiell ist, man kann aber per Doppelklick aus dem Explorer heraus die VMX-Dateien starten und erhält so mehrere VMware Player-Instanzen.
Sun VirtualBox
Bei VirtualBox befindet sich der Netzwerk-Editor unter „Datei, Globale Einstellungen, Netzwerk“. Auch hier kann man pro virtuellem Netzwerkadapter den Server deaktivieren oder seinen Bereich begrenzen. Dies geschieht über das kleine Schraubenzieher-Symbol; seine aktuelle Konfiguration verrät ein virtueller Adapter aber jeweils bereits auch schon beim Darüberhalten des Mauszeigers. Das funktioniert allerdings nicht für NAT, nur für Host-only-Netzwerke. Hier ist VirtualBox klar im Nachteil und bietet nicht alle benötigten Optionen, um alle Varianten virtueller Netzwerke zu betreiben.
Windows Virtual PC
Windows Virtual PC macht es ein wenig mühsam, sein virtuelles Netzwerk zu konfigurieren: Man muss manuell die Datei %LOCALAPPDATA%\Microsoft\Windows Virtual PC\Options.xml per Editor bearbeiten und sucht hier nach einem Eintrag „dhcp“. Diesen setzt man in der nächsten Zeile auf „false“. Dazu müssen vorher alle VMs heruntergefahren sein. Falls sich die Datei trotzdem nicht speichern lässt, muss man per Hand den Prozess vpc.exe zwangsweise beenden.
Virtual PC unterstützt das Abschalten des DHCP-Servers ausschließlich für das interne Netzwerk ohne Host-Verbindung, bei der Verwendung von NAT ist er immer eingeschaltet. Virtual PC ist deshalb ebenfalls ein weniger geeignetes Produkt für das Testen virtueller Netzwerke, es richtet sich klar an Heim-Benutzer.
Virtuelles Netz einrichten
Das weitere Vorgehen ist klar: Innerhalb des virtuellen Netzwerk-Segments richtet man als erstes einen Server mit statischer IP-Adresse und DHCP sowie DNS als Rollen ein, der die weiteren VMs versorgen wird. In dessen DHCP-Einstellungen sowie in den Einstellungen seines eigenen Netzwerkadapters muss der Gateway eingetragen sein, wenn NAT funktionieren soll. Im virtuellen Netzwerk-Editor vom VMware findet man die benötigte Angabe pro virtuellem Netz unter „NAT Settings“.




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