Open-Source-Hypervisor: KVM gewinnt, Xen ungewiss

KVM LogoNoch vor wenigen Jahren war Xen der Open-Source-Hypervisor, hinter dem die meisten großen Hersteller standen, von IBM, Intel, Red Hat bis Oracle und Sun. Die Entscheidung von Red Hat, nach dem Kauf von Qumranet auf KVM zu setzen, zeigt jetzt Wirkung. Immer mehr Xen-Unterstützer schwenken auf KVM ein, der Teil des Linux-Kerns ist, darunter IBM und selbst Novell.

Eine Untersuchung der Mailing-List-Aktivitäten, die ein guter Anhaltspunkt für das Engagement von Projektbeteiligten sind, ergab, dass neben dem wichtigsten Beiträger Red Hat vor allem die IBM, Intel und Novell kräftig an KVM mitarbeiten. Novell entwickelt sogar auf Basis von KVM unter der Bezeichnung AlacrityVM einen eigenen Hypervisor.

Mike Day, Chief Virtualization Architect bei IBM, versicherte zwar, dass seine Firma Xen in bestehenden Kundeninstallationen weiterhin unterstützten werde, legte sich aber für die künftige Ausrichtung klar auf KVM fest. Seit 2008 habe ihm zufolge IBM nichts mehr zur Weiterentwicklung von Xen beigetragen.

IBM steuert Block Migration zu KVM bei

Die IBM-Aktivitäten bei KVM werden allmählich sichtbar. Das neueste von IBM beigesteuerte Feature ist Block Migration. Es erlaubt eine Live Migration ohne Shared Storage, also ohne SAN - eine Funktion, die Stratus für sein Xen-basiertes Avance selbst entwickelt hat und besonders kleineren Installationen zugute kommt. Block Migration überträgt zuerst den gesamten virtuellen Datenträger auf einen anderen Host und kopiert dann noch die Blöcke, die sich seither verändert haben.

Von Red Hat stammt der neueste Code zur besseren Unterstützung von Windows-Gästen. Dazu zählt vor allem der Balloon-Treiber, mit dem der Speicherverbrauch des Gastsystems dynamisch anpassen lässt. Bisher klappte das unter KVM nur bei Linux-Gästen. Erneuert wurden auch die Block-Treiber für Windows XP.

KVM bei Features gleichauf mit ESX

Insgesamt ist der Entwicklungsstand von KVM mittlerweile beeindruckend. Dieser Vergleich von KVM mit VMware vSphere und Microsoft Hyper-V beschränkt sich zwar nur auf eine Auflistung von Features, gibt aber einen Eindruck davon, wie weit der Open-Source-Hypervisor schon gediehen ist. Bei einigen wichtigen Funktionen ist er Hyper-V schon voraus.

Bei Xen dagegen ist die Situation weniger klar. Seit dem Kauf der Firma Xensource ist Citrix hauptverantwortlich für die Weiterentwicklung des Hypervisors. Allerdings kommt der enge Microsoft-Partner mit dem darauf beruhenden XenServer kaum gegen VMware an und hat in der Vergangenheit mit aggressiver Preispolitik versucht, diesen Zustand zu ändern. Mittlerweile ist XenServer als Open Source verfügbar.

Citrix und Oracle noch hinter Xen

Zwar benötigt Citrix Xen für seinen Client-Hypervisor XenClient und seine Initiative Xen Cloud Platform. Ihr Kerngeschäft definiert die Firma aber als Application Delivery, mit den Hauptprodukten XenApp und XenDesktop. Beide laufen auch auf ESX und Hyper-V, so dass immer wieder Zweifel laut wurden, ob Citrix noch länger in Xen investieren wolle.

Interessant wird sein, wie sich Oracle/Sun positioniert. Das Unternehmen besitzt mittlerweile 3 auf Xen basierende Produkte, Oracle VM, Sun xVM sowie Virtual Iron. Oracle hatte vor einiger Zeit angekündigt, diese Virtualisierungslösungen zusammenzuführen. Angesichts der schwindenden Unterstützung für Xen ist das ein fragwürdiges Unterfangen. Es kommt hinzu, dass es sich bei Oracles Unbreakable Linux um eine umfirmierte Red-Hat-Distribution handelt, die vermutlich bald von der Ausrichtung von Red Hat auf KVM geprägt sein wird.

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