Standby, Ruhezustand, Hibernate - Energie sparen mit Windows 7
Windows bietet ein halbes Dutzend Möglichkeiten, um eine Arbeitssitzung zu unterbrechen oder zu beenden, darunter auch mehrere, um den Rechner in einen Energiesparmodus zu versetzen. Worin besteht aber der Unterschied zwischen den verschiedenen Optionen und welche sollte man bevorzugen?
Die Unübersichtlichkeit bei den Energiesparmodi hat teilweise sprachliche Gründe: Neben den deutschen Begriffen werden häufig auch die englischen verwendet und Bezeichnungen aus dem englischen Windows mit anderen englischen Begriffen "übersetzt". So entspricht Hibernate dem deutschen Ruhezustand, während das Sleep im englischen Windows bei uns Standby heißt. Daran sollte man etwa denken, wenn man das Kommandozeilen-Tool powercfg.exe verwendet, weil seine Parameter die englischen Bezeichnungen enthalten.
Zusätzlich kompliziert wird die Situation dadurch, dass im Startmenü von Windows 7 der Begriff Standby nirgendwo auftaucht, dort wird stattdessen Energie sparen verwendet. Dagegen ist in den erweiterten Einstellungen unter Systemsteuerung => Hardware und Sound => Energieoptionen teilweise von Standby die Rede.
Standby = Energie sparen = Sleep
In diesem Modus wird der Energieverbrauch des Rechners auf Minimum reduziert, so dass der Arbeitsspeicher gerade ausreichend Strom erhält, um die darin enthaltenen Daten zu bewahren.
Vorteile:
- Der PC wechselt sehr schnell in den Schlafzustand, weil Windows dabei den RAM-Inhalt nicht auf Platte schreibt.
- Das Reaktivieren der Maschine geht ebenfalls flott vonstatten.
Nachteile:
- Auch bei einem kurzen Stromausfall gehen alle Daten, die nicht zuvor gespeichert wurden, verloren.
- Der Rechner braucht in diesem Zustand weiterhin Strom und kann bei Notebooks daher über einen längeren Zeitraum den Akku leeren.
Ruhezustand = Hibernate
Wenn der PC in den Ruhezustand versetzt wird, dann schreibt Windows den aktuellen Speicherinhalt in die Datei hyberfil.sys und fährt den Rechner dann herunter. Beim Reaktivieren des Systems (typischerweise durch Betätigen des Netzschalters) wird das Speicherabbild von der Festplatte eingelesen, was deutlich schneller ist als ein Neustart. Außerdem befinden sich alle zuvor offenen Anwendungen im gleichen Zustand wie vor dem Hibernate.
Vorteile:
- Im Ruhezustand verbraucht der PC keinen Strom
- Der Status quo ante kann auch dann wiederhergestellt werden kann, wenn sich etwa der Notebook-Akku geleert hat.
Nachteil:
- Aufgrund der nötigen Schreib- und Lesetätigkeit der Festplatte braucht der Rechner beim Wechsel von und aus dem Ruhezustand länger als bei Standby.
Hybrider Standby-Modus = Ruhezustand + Standby
Windows 7 kennt einen weiteren Energiesparmodus, der aber nirgendwo im Startmenü auftaucht, so dass man nicht auf Anhieb erkennen kann, ob er aktiviert ist. Er kombiniert die Verfahren des Ruhezustands und von Standby, das heißt, der Rechner erhält weiterhin so viel Strom, damit er den Inhalt des RAM behalten kann und zusätzlich wird Speicherinhalt auf die Platte geschrieben.
Um den hybriden Modus einzuschalten, ruft man unter Systemsteuerung => Hardware und Sound => Energieoptionen => Energiesparplaneinstellungen bearbeiten den Dialog Erweiterte Energieeinstellungen ändern auf. Die Option Hybriden Standbymodus zulassen findet sich dort unter Energie sparen.
Obwohl der hybride Standby-Modus vor Datenverlust schützen kann, wenn Notebook-Akkus völlig entladen werden, empfiehlt Microsoft diese Stromsparvariante vor allem für Desktop-Rechner. Auf diesen ist er nach der Installation von Windows 7 standardmäßig aktiviert.
Vorteile:
- Schutz vor Datenverlusten bei Stromausfall
- Schnelles Aufwachen aus dem Energiesparmodus
Nachteile:
- Der Rechner verbraucht weiterhin (wenn auch wenig) Strom
Unerwünschte Nebenwirkungen und Komplikationen
Die Kombination aus mehreren Energiesparmodi sowie Energiesparplänen macht das Stromsparen mit Windows 7 nicht immer einfach. Hier einige Probleme, die auftreten können:
Ruhezustand nicht verfügbar
Wenn im Startmenü von Windows 7 der Ruhezustand nicht vorhanden, kann das mehrere Ursachen haben. Häufig genannt werden die BIOS-Einstellungen (wenn dort unter Power nur "S1" aktiviert wurde) oder die Entfernung des Menüpunkts durch Gruppenrichtlinien. In der Regel ist die Lösung einfacher: Wenn der hybride Standby-Modus aktiviert wurde, zeigt Windows den Ruhezustand nicht mehr an.
Wenn man den Hybriden Standby-Modus abschaltet, dann taucht der Ruhezustand möglicherweise trotzdem nicht im Startmenü auf. In diesem Fall hilft der Befehl
powercfg -hibernate on
der die benötigte Datei hyberfil.sys anlegt.
Hybrider Standby-Modus nicht verfügbar
Wenn im Dialog Erweiterte Energieeinstellungen ändern die Option Hybriden Standbymodus zulassen fehlt, dann kann das daran liegen, dass man zuvor mit
powercfg -hibernate off
den Ruhezustand deaktiviert hat. Dieser Befehl löscht die Datei hyberfil.sys, die auch vom hybriden Modus benötigt wird. Man muss sie also mit
powercfg -hibernate on
wiederherstellen.
Hybrider Standby-Modus lässt sich nicht abschalten
Dieser Eindruck kann entstehen, wenn man diesen Modus in einem Energiesparplan abschaltet hat und ihn später in einem anderen wieder eingeschaltet vorfindet. Wieder Erwarten muss die Möglichkeit für den hybriden Standby-Modus in jedem Energiesparplan ein- oder ausgeschaltet werden, andernfalls ändert sich das Energiesparverhalten des Rechners beim Wechsel zu einem anderen Energiesparplan.




3 Kommentare
Bei der Entscheidung, für welchen Modus man sich entscheidet, sollte man auch berücksichtigen, dass die Hibernationsdatei -- sofern keine Vollverschlüsselung der Systempartition z.B. mit BitLocker oder TrueCrypt eingesetzt wird -- als Arbeitsspeicher-Abbild u.U. ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellen kann. Einige Anwendungen berücksichtigen dies, und überschreiben z.B. eingegebene Kennwörter im Speicher unmittelbar nach deren Auswertung, aber eine Anwendung, die dies nicht tut kann auf diese Weise schnell zu einer fatalen Sicherheitslücke führen.
Ich fände die Relevanz für den Stromverbrauch beim Standby-Modus wichtig bei Notebooks. Plötzlicher Stromausfall ist ja unwahrscheinlich aber "über längere Zeit" wird der Akku geleert. " Je nach Benutzer kann längere Zeit wenige Stunden oder mehrere Tage heißen. Die Notebooks, die ich kenne, verbrauchen zwischen 10 und 25 Watt im Office/Browser Modus und ca. 100 mW im Standby, was theoretisch nicht nur wenige Tage sind - ob das erreicht wird halte ich für fraglich.
Hallo,
ich kann den hyberfile.sys gar nicht herstellen. Powercfg öffnet sich nur ganz kurz und springt dann weg. Vor ein paar Tagen ging das noch. Auch hatte ich schon einen Hyberfile - ich habe den nicht gelöscht? Welche Programme machen sich den da zu schaffen??
Und leider findet man mit Google keine Antwort - ich kann mir aber nicht vorstellen, daß ich der Erste bin mit diesem Problem?? ;-)
Servus, Till
Kommentar hinzufügen