Studie: 56% nutzen Applikations-Virtualisierung, nur 4% App-V
Nach einer Umfrage der Brain Force GmbH unter 2000 deutschen und österreichischen Unternehmen ist Applikations-Virtualisierung keine Zukunftsmusik mehr, sondern wird schon von 56 Prozent der Befragten genutzt. 61% sehen darin eine Alternative zur herkömmlichen Softwaredistribution und damit passt sie zum ebenfalls festgestellte Streben der Firmen nach einem zentralisierten und standardisierten Client-Management.
Als Marktführer eruierte die Studie mit 27% Anteil überraschenderweise Citrix XenApp, das neben den altbekannten Funktionen des ehemaligen Presentation Server nun auch das Paketieren und Streaming von Anwendungen an den Client beherrscht. Damit ergänzt Citrix sein nur online verfügbares Terminalmodell um eine offline-fähige Alternative.
Falls die befragten Anwender tatsächlich die App-Virtualiserung von XenApp wie angegeben nutzen, dann ist die Marktführerschaft von Citrix eine Überraschung, weil es eines der am wenigsten leistungsfähigen Produkte in dieser Kategorie bietet (siehe dazu auch die Feature-Matrix von Virtuall (PDF)). Das allgemein als mächtigste Virtualisierungs-Engine eingeschätzt App-V, das Microsoft über den Kauf von Softgrid erworben hat, schneidet mit 4% Anteil unter den befragten deutlich schlechter ab als VMware Thinapp mit 15%.
Eine Erklärung mag dafür mag darin bestehen, dass Unternehmen mit einer Vorliebe für zentralistische Desktop-Modelle zum einem großen Teil ohnehin schon Citrix-Kunden sind und die vorhandenen XenApp-Funktionen zur Anwendungsvirtualisierung als so weit ausreichend empfinden, dass sie auf den Kauf eines separaten Produkts verzichten.
Microsoft glaubt nicht an zentralistische Modelle
Auf der anderen Seite hingegen ist der relativ geringe Anteil von App-V primär das Ergebnis von Microsofts Haltung zu zentralistischen Modellen. Diese drückt sich darin aus, dass die Terminaldienste immer nur als Nische gesehen wurden, die in den meisten Fällen der Erweiterungen von Citrix bedurften. Ähnlich ist nun die Position bei virtuellen Desktops (VDI), wo Microsoft ebenfalls nur eine rudimentäre Lösung anbietet und mit der VECD-Extragebühr die Kosten für VDI nach oben treibt.
App-V durch Software Assurance benachteiligt?
Auch bei App-V ist nur wenig Ehrgeiz von Microsoft zu erkennen, damit eine führende Position zu erreichen. Erst kürzlich stellte virtualiztion.info in Frage, ob Microsoft überhaupt ein Interesse an der Technologie habe, weil außer bei Office 2010 dieser Distributionsmechanismus nicht aktiv unterstützt werde. Die größte Hürde dürfte indes jedoch sein, dass App-V nur als Teil von MDOP ausschließlich an Kunden mit Software Assurance (SA) verkauft wird. Microsofts Versuche, App-V als Lockmittel für SA einzusetzen, werden angesichts der Zahlen aus der Brainforce-Studie offenbar vom langjährigen Partner Citrix unterlaufen. Selbst VMware ThinApp, das in puncto Funktionsumfang nicht mit App-V mithalten kann und wahrlich nicht zum Schnäppchenpreis zu haben ist, verkauft sich weit besser als App-V hinter der SA-Barriere.
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1 Kommentar
Ich habe zu der Studie sowie zu der Interpretation einige Denkanstöße:
Ich teile Herrn Sommergut's Auffassung, dass das Einbetten von App-V für Desktop-PCs und Notebooks in die Software-Assurance sicher nicht vorteilhaft zur Weiterverbreitung von App-V beigetragen hat (App-V ist übrigens in den Remote-Desktop-Services-CALs 2008 - den Nachfolger der TS-CALs - enthalten, kann also dort genutzt werden). Es sieht so aus, als ob für Microsoft App-V in der Tat nur ein Vehikel wäre, um den Verkauf von Software-Assurance anzukurbeln (nebenbei sind die VECD-Lizenzen, die für jeden Zugriff auf "echte" VDI-Desktops notwendig sind, auch mit der Software Assurance der Client-Geräte abgegolten).
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