VMware und SUSE Studio, rBuilder: virtuelle Maschinen zusammenstellen statt installieren

rbuilder TeaserDer herkömmliche Weg zum Image einer virtuellen Maschine führt wie eine Installation auf einem physikalischen System über das Setup des Betriebssystems und dem Einrichten der Anwendungen. Alternativ kann man vorgefertigte Images, so genannte Virtual Appliances, aus dem Web herunterladen und auf die eigenen Bedürfnisse anpassen. Allerdings ist das Konzept der Cloud, sei es die private im Unternehmen oder die öffentliche, mit dem Anspruch einer weitgehenden Automatisierung verbunden. Das gilt auch für die Bereitstellung (Provisioning) von virtuellen Maschinen. Einige Tools helfen dabei, diesen Prozess zu beschleunigen.

Ideal wären für die Zusammenstellung von Virtual Appliances Werkzeuge, mit denen man alle benötigten Komponenten aus einem Baukasten zusammenklicken und dann noch die virtuelle Maschine konfigurieren könnte. Ganz lässt sich dieses Ziel noch nicht erreichen, weil die heutigen Betriebssysteme noch für die herkömmlichen Installationsprozess auf physikalischen Rechnern ausgelegt sind. Außerdem existieren im Fall von Windows noch lizenzrechtliche Hürden. Aus diesem Grund klappt das Zusammenstellen von Images am besten mit Linux, auch deshalb, weil das Open-Source-Modell die Konfiguration eines maßgeschneiderten minimalen Betriebssystem (JeOS) am besten unterstützt.

VMware Studio 2.0

Die Software von VMware basiert auf dem Java-Framework Eclipse und wird konsequenterweise selbst in Form eines Virtual Appliance ausgeliefert. Neben einzelnen Images kann das Tool auch eine Gruppe von VMs erstellen, die zur Ausführung von mehrstufigen Anwendungen benötigt werden. VMware nennt diese Konstellation "vApp".

VMware propagiert Virtual Appliances als Mittel zur Distribution von Software. Daher ist Studio in der Lage, VMs durch eigene Logos anzupassen, beim ersten Start Lizenzbedingungen (EULA) anzuzeigen oder Scripte auszuführen.

Das Tool packt nicht nur das Betriebssystem und Anwendungen in das Image, sondern bei Linux-VMs auch Management-Komponenten (Virtual Appliance Management Infrastructure (VAMI)), die dann während der Laufzeit der virtuellen Maschine die Administration des Gastes via Browser erlauben.

VMware Studio unterstützt auch Windows Server in den Versionen 2003 und 2008, sowohl in den 32- als auch 64-Bit-Versionen. Die im VM Build Profile vorgenommenen Einstellungen für den Installationsprozess übersetzt das Tool in eine unattend.xml, die als Grundlage für die anschließende unbeaufsichtigte Installation dient. Sie kann bei Bedarf nach Gutdünken verändert und angepasst werden.

Auch die Installation von Anwendungen erfolgt nach einem ähnlichen Prinzip. Das VMware Studio Package (VSP) for Windows beschreibt den Setup-Vorgang und unterstützt alle Packages, die eine unbeaufsichtigte Installation erlauben (z.B. MSI, InstallShield). Das Werkzeug kann Patch-Repositories in den VMs einrichten und kritische Updates einspielen.

Als Zielformate für VMs lässt VMware Studio das hauseigene VMDK-Format, so dass es sich vom Player bis zu vSphere auf allen Virtualisierungssystemen von VMware ausführen lässt. Für den Rest der Welt ist das Open Virtualization Format (OVF) in den Versionen 0.9 und 1.0 vorgesehen, das von den meisten Virtualisierern importiert werden kann.

WMware Studio kann kostenlos von der Website des Herstellers heruntergeladen werden.

rPath rBuilder

rBuilder-Versionen rPath verfolgt mit seinen Tools ein weiter gehendes Ziel, als nur die Zusammenstellung von Images zu beschleunigen. Die Firma möchte nach eigenem Verständnis die Provisionierung von Systemen über physikalische, virtuelle und Cloud-Umgebungen hinweg automatisieren. Zusätzlich bietet sie Patching und Updates, Release Lifecycle und Configuration Management.

Das eigentliche Tool zum Erstellen von Virtual Appliances gibt es in drei Ausführungen: als Flash-basierter kostenloser Online-Service (nach Registrierung), als herunterladbare Gratis-Software und in einer kostenpflichtigen Version mit vollem Funktionsumfang. Die beiden ersten Varianten sind auf maximal 20 Images beschränkt.

Alle drei Versionen unterstützen derzeit das Packaging von virtuellen Maschinen auf Basis diverser Linux-Distributionen, wobei rPath dafür auch eine eigene anbietet. Erst kürzlich kündigte das Unternehmen an, dass es künftig auch Images auf der Grundlage von Windows erstellen kann. rBuilder beherrscht die Versionierung von VMs, so dass nach Konfigurationsänderungen oder die Installation von Programmen wieder auf eine Vorversion zurückgewechselt werden kann.

Anwendungen lassen sich mit Hilfe des Appliance Content Editor installieren, wobei das Tool weitgehend so funktioniert wie die Setup-Routinen der verschiedenen Linux-Distributionen. Der Benutzer bekommt eine Liste an Packages, aus denen er jene auswählt, die er in sein Image übernehmen möchte. Eigene Applikationen kann man als RPM- oder deb-Packages bzw. als TAR-Files hochladen.

Als Zielsysteme unterstützt rBuilder VMware, Hyper-V, XenServer und Amazon EC2 (Amazon Machine Images, AMI). Letztere können gleich beim Cloud-Provider gestartet werden.

SUSE Studio

Bei SUSE Studio handelt es sich um einen Online-Service von Novell, der erwartungsgemäß die Erstellung von Virtual Appliances auf Basis von SUSE Linux unterstützt. Zur Auswahl stehen dabei sowohl Open SUSE als auch SUSE Linux Enterprise Server (SLES), beide sowohl in 32- und 64-Bit-Ausführung. Der Novell-Service unterstützt die Erstellung von Desktop- und Server-Appliances. Als Zielsysteme lässt die Web-Anwendung VMware, Xen, ISO-Dateien für Live-CDs oder Disk-Images (auch für bootbare USB-Sticks) zu. Zusätzliche Formate sind angekündigt.

SUSE StudioWie bei rBuilder kann man bei SUSE Studio entweder ein Image von Grund auf neu erstellen oder ein bestehenden Template laden und modifizieren. Nach der Konfiguration des Betriebssystems (Sprach- und Netzwerkeinstellungen, Anlegen von Benutzern, etc.) erlaubt der Online-Dienst die Installation von Anwendungspaketen. Wie bei einer lokalen SUSE-Installation werden dabei Abhängigkeiten aufgelöst und zusätzlich erforderliche Pakete automatisch hinzugefügt. Eigene Anwendungen lassen sich in das Online-Tool hochladen und in das Image integrieren.

Nach der Erstellung des Systemabbilds bietet SUSE Studio die Möglichkeit, die VM sofort online zu starten und zu testen, so dass sie für diesen Zweck nicht heruntergeladen werden muss. Während des Probelaufs können Änderungen am System vorgenommen oder Anwendungen installiert werden. Zum Abschluss kann der Benutzer auswählen, welche der Modifikationen übernommen und welche verworfen werden sollen.

SUSE Studio ist kostenlos, derzeit aber noch nicht allgemein zugänglich. Interessenten können ihre Mail-Adresse hinterlassen und angeben, wofür sie das Tool einsetzen möchten, um die Chancen auf einen Zugang zu erhöhen. Der Service beruht auf dem SUSE Appliance Toolkit, einer kostenpflichtigen Software, die sich primär an ISVs richtet.

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