Test: Windows Small Business Server 2011 Essentials

Aurora Splash ScreenZwischen den kleinsten Business-Servern und dem Windows Home Server klafft bis dato eine Lücke, die sich unter anderem dadurch manifestierte, dass Letzterer in Kleinunternehmen, von Selbständigen und Freiberuflern als Ersatz für einen „richtigen“ Server eingesetzt wurde. Er bietet zentrales Backup und Dateiablage, spezielle, über die Bedienung eines Windows-PCs hinausgehende IT-Kenntnisse sind bei dem Produkt für Endverbraucher kaum vonnöten. Ein zentrales Benutzer-Management gibt es freilich bei einem solchen Workgroup-Server nicht. Microsofts Windows Small Business Server 2011 Essentials schließt genau diese Lücke, stellt also gewissermaßen einen Windows Home Server plus Active Directory dar.

Bei diesem Low-end-Modell verzichtet Microsoft auf die Zugabe von von Server-Anwendungen, wie sie bis jetzt zur SMB-Grundausstattung gehörten und setzt stattdessen darauf, dass die zukünftige Kundschaft cloud-affin genug ist, diese per Business Productivity Online Suite zu beziehen. Einer anderen Domäne beitreten kann der Server nicht, er muss also für eine Domäne als erster eingerichtet werden und alleine bleiben. Auch kann diese Domäne höchstens 25 Benutzerkonten besitzen und darf keine Vertrauensstellung zu anderen Domänen aufbauen.

Small Business Server 2011 Essentials installieren und testen

Installation von Aurora in einer virtuellen UmgebungFür einen Test des SBS Essentials 2011 empfiehlt sich eine virtuelle Umgebung, wobei man auf ein allzu ausgeklügeltes virtuelles Netzwerk-Setup verzichten sollte, da Windows Small Business Server 2011 Essentials einen Router mit UPnP-Fähigkeiten erwartet.

Der virtuelle Router etwa von VMware Workstation bietet dies nicht; statt die Testumgebung per Virtualisierung vom LAN zu isolieren, sollte man dies lieber physisch tun. Die Virtualisierungsumgebung muss 64-Bit-Gastsysteme unterstützen, bedingt durch die Betriebssystem-Plattform gibt es Windows Small Business Server 2011 Essentials nur in dieser Ausführung.

Die Namen für Server und Domäne kann man nach der Einrichtung nicht mehr ändernDie für das Test-Setup vergebenen Namen für Server und Domäne kann man nach der Einrichtung nicht mehr ändern, worauf das Installationsprogramm hinweist. Der Grund dafür ist, dass die Rolle als Zertifizierungsstelle mit auf dem Server installiert wird. Nach der Installation der Servers, hinter dem sich technisch ein Windows Server 2008 R2 verbirgt, können sich die Clients über die URL http://‹Server›/connect die Client-Software herunterladen und durch deren Start der Domäne beitreten.

Das Interessante hierbei ist, dass das Wort „Domäne“ bei diesem Vorgang an keiner Stelle Erwähnung findet: Zwar erfährt man, dass das Daten und Einstellungen vor dem ersten Anmelden kopiert werden und die Maschine danach neu gestartet werden muss, aber wohin und warum, wird nicht erwähnt. Danach findet man den Anmeldebildschirm vor, der zur Eingabe von ‹Strg›-‹Alt›-‹Entf› auffordert – der PC ist in der Windows-Small-Business-Server-2011-Essentials-Domäne.

Nach der Installation bringt man die Client-PC per Connector-Software in die neue DomäneEs empfiehlt sich übrigens, dem Server an dieser Stelle einen halben bis einen Tag Zeit zu lassen, bevor man ihn produktiv einsetzt. Er beginnt nun, Backups von den angeschlossenen Clients zu machen (zwischen 6 Uhr abends und 9 Uhr morgens) und sich selbst zu sichern, sofern ein passendes Backup-Medium konfiguriert wurde – alles zusammen eine Menge I/O, welche die Performance in den ersten Betriebsstunden gebündelt beansprucht und sich erst später besser über den Tag verteilt.

Windows Small Business Server 2011 Essentials administrieren: Der kleinste Active-Directory-Server

Das Dashboard gibt etwa Auskunft über die aktuelle SpeicherbelegungAuch ohne Active-Directory-Kenntnisse kann man Windows Small Business Server 2011 Essentials einsetzen. Für Kleinstunternehmen konzipiert, verlangt er nicht mehr als durchschnittliche Windows-Kenntnisse von seinen Anwendern, nur dass ein per Dashboard angelegter Benutzer eben automatisch ein Active-Directory-Benutzerkonto darstellt und man sich im ganzen Netz damit anmelden kann. Das Dashboard selbst wird als Remote-Anwendung direkt vom Server gestreamt.

Für einfachere, mehr dem Benutzer als dem Administrator zugedachte Aufgaben gibt es ein Launchpad mit stark reduzierter Oberfläche, etwa für den Zugriff auf die freigegebenen Ordner, Web-Zugriff oder die Überprüfung des Backup-Status des eigenen Rechners. Eventuelle Warnungen und Fehlermeldungen werden sowohl auf dem Launchpad als auch auf dem Dashboard eingeblendet, wenn dies für den angemeldeten Benutzer eingerichtet wurde – für Administratoren ist dies immer der Fall.

Mit dem Dashboard alleine kommt man bereits recht weit und kann etwa den Backup-Zeitplan beeinflussen oder festlegen, welches Benutzerkonto auf welche Maschinen das Recht zum Web-Zugriff erhält. Wer „richtig“ administrieren will, kann sich per RDP zum Server-Desktop verbinden und hat alle Instrumente in der Hand wie bei einem der großen Windows-Server. Möglich ist natürlich auch eine Anmeldung an der Console selbst, doch ist Windows Small Business Server 2011 Essentials darauf ausgelegt, headless betrieben zu werden, so dass man erwarten kann, das System vor allem auf Boxen ohne Monitor und Eingabegeräte installiert zu finden.

Benutzer mit AD-Kenntnissen können den Server per RSAT verwalten und etwa Benutzer, Dienste oder Gruppenrichtlinien konfigurierenAbgesehen von den zahlenmäßigen Beschränkungen bei der Benutzeranzahl und den Domänencontrollern (also 25 beziehungsweise 1) sind die Funktionen nicht künstlich beschränkt: Man kann also per Server-Manager Rollen und Features hinzufügen und so Windows Small Business Server 2011 Essentials etwa zum vollwertigen Provider von DNS, DHCP, WSUS, Druck- und Netzwerk-Scandiensten und ähnlichem machen oder die Domäne per Gruppenrichtlinien verwalten – was zum Beispiel Software-Verteilung einschließt. Auch die Administration per RSAT ist komplett möglich, soweit es sich um eine prinzipiell per RSAT verwaltbare Aufgabe handelt.

Backup und Restore

Der Server sorgt für das Backup der angeschlossenen Client-PCsDie Backup-Funktionen von Windows Small Business Server 2011 Essentials entsprechen denen des neuen Windows Home Server 2 – sowohl was das automatische Backup der Clients als auch dem des Servers selbst betrifft. Sogar die Ungereimtheiten mit Vail teilt sich das Backup: Das Action Center der Client-Computer weiß nichts darüber, dass diese Aufgabe durch ein anderes Programm übernommen wurde, auch vom Systemsteuerung-Element für das Backup gelangt man nicht zum serverseitigen Backup, sondern ausschließlich über Launchpad oder Dashboard.

Fazit

Windows Small Business Server 2011 Essentials ist ein Spross am gleichen Stamm, von dem auch Windows Home Server 2 „Vail“ stammt, plus Active Directory, minus Media Streaming. Warum gerade letzteres fehlt, ist durchaus eine Spekulation wert, könnte aber durchaus etwas damit zu tun haben, dass man in der einfachen UPnP-Implementation, wie sie dafür unter Windows Home Server 2 gewählt wurde, keine Zugriffsrechte für die Streams vergeben kann.

Windows Small Business Server 2011 Essentials hat durchaus das Zeug, diejenigen Windows-Netzwerk-Installationen in Bürogemeinschaften, Praxen, Werkstätten oder anderen Kleinunternehmen zu ersetzen, die bis dato auf Arbeitsgruppen-Setups abgedeckt werden, eventuell flankiert durch einen Windows Home Server. Sind lediglich IT-Laien am Werk, kommt Active Directory quasi durch die Hintertür als zentrale Benutzerverwaltung per Dashboard unter Vermeidung aller eventuell verwirrenden Fachbegriffe ins Haus.

Die restlichen Funktionen wie Ordnerfreigaben, Backup und Restore sind von Windows-vertrauten Mitarbeitern einfach zu durchschauen und zu verwenden. Da Windows Small Business Server 2011 Essentials einen unkomplizierten Zugang zu den normalen Funktionen eines Windows Server 2008 R2 Standard bietet, könnte sich der Server zu einem Liebling von Systemhäusern und sonstigen KMU-Ausstattern entwickeln: Personaleinsatz ist nur für die einmalige oder zumindest selten benötigte Konfiguration erweiterter Funktionen vonnöten, für die täglichen Routine kann man den Server mit dem Kunden getrost alleine lassen und sich eventuell per Mail über Unregelmäßigkeiten informieren lassen.

Wir sind von dem Produkt insgesamt recht angetan – auf einer Skala von 1 bis 5 erhält Windows Small Business Server 2011 Essentials in der derzeitigen Preview-Version von WindowsPro 4 Punkte.

1 Kommentar

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Raul (Besucher) sagt:

Super Artikel! Vielen Dank :)

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