Windows 7 beschleunigen ohne Tricks

    Performance MonitorZahllose Tipps und Tricks für Registry-Tweaks und Tune-Utilities gehen von der fragwürdigen Voraus­setzung aus, dass Microsoft Windows aus irgendeinem Grund langsamer gemacht hat als es eigentlich laufen könnte. Man müsste nur ein ein paar undokumentierte Parameter verändern, um Windows 7 zu beschleunigen.

    Die Abstände zwischen dem realisierten und dem möglichen Leistungs­index resultieren heutzutage allerdings fast vollständig aus dem Einsatz unpas­sender oder unzu­reichender Hardware-Komponenten oder der Verwendung generischer statt der hersteller­spezifischen Treiber, vor allem beim Chipsatz oder Disk-Controllern.

    Auf Platz 1 der überschätz­testen Maßnahme, um Windows 7 zu beschleunigen, dürfte sich Readyboost befinden. Vielleicht hatte die Funktion als Versuch zur Steigerung zur Vista-Akzeptanz noch einen Sinn, aber heute gilt als Faustregel: Es gibt praktisch keinen Rechner, der nicht Windows-7-tauglich ist, aber es durch Readyboost aber schluss­endlich doch noch wird.

    Leistungsindex für Hardware-Kauf richtig interpretieren

    Performance-Index: Für Aero-Effekte ist die Grafikleistung durchaus ausreichendBei der Anschaffung von neuen PCs sollte das Augenmerk vor allem auf viel Hauptspeicher (bei Verwendung von 32-Bit-Windows 3 GB, sonst 4 bis 6 GB), eine schnelle SATA-Festplatte und mindestens einem Doppelkernprozessor mit 2×2.3 GHz liegen.

    Was beim Test mittels des Windows Experience Index (‹Win›-‹Pause›) eventuell irritiert, ist die Tatsache, dass die schwächste Komponente die Gesamtleistung des Systems bestimmt. Auch bei einem hervorragend ausgestatteten Büro-Rechner wird dies die Grafik­karte sein, die den Index unter 4 zieht.

    Hier sollte man die Einzelwerte statt des Gesamtindex betrachten: Ein Grafik-Wert von 3 bis 3.5 garantiert immer noch flüssige Aero-Effekte. Wichtiger sind die anderen Indizes wie Prozessor-, Speicher- und Festplattenleistung: Erzielt man hier Werte von 5 bis 6, ist der Rechner auf Jahre hinaus für die Anforderungen moderner Software gerüstet.

    Dass der Windows Experience Index eher Heim-Benutzer-orientiert ist, merkt man übrigens daran, dass die Geschwindigkeit der Netzwerkanbindung hier keine Rolle spielt. Gerade hieran sollte man aber nicht sparen und zumindest am Hauptsitz die Inhouse-Verkabelung für alle Server und Workstations auf Gigabit-Niveau haben. Für detailliertere Leistungs­messungen bemüht man deshalb auch besser den Leistungsindex („System­steuerung, Leistungs­informationen und -tools“).

    Start beschleunigen: Ruhezustand versus Energiesparmodus

    Die Funktion der Schaltfläche „Herunterfahren“ lässt sich per GPO ändernBooten ist eigentlich nicht mehr notwendig, sieht man von Neustarts nach der Aktualisierung von Treibern oder wichtigen Systemkomponenten ab. Stattdessen schickt man die Benutzer-PCs nach Beendigung der Arbeit in den Energiespar- oder Ruhemodus, aus welchem sie sehr viel schneller wieder erwachen, als wenn das komplette Betriebs­system geladen werden müsste.

    Was die meisten Benutzer als angenehm empfinden werden ist, dass der Druck auf eine beliebige Taste zum Aufwachen genügt und man nicht den Netzschalter am Gehäuse betätigen muss. Der Unterschied zwischen beiden:

    • Im Ruhemodus („Hibernate, Suspend To Disk“, S4) wird der Status des Rechners als Speicherauszug auf die Festplatte geschrieben und der PC dann im Prinzip ausgeschaltet. Das Laden dieses Zustandes bei Wiedereinschalten braucht sehr viel weniger Zeit als ein normaler Boot-Vorgang, auf Desktop-PCs oft nur Sekunden. Da Notebook-Festplatten generell eine niedrigere Leitungsfähigkeit aufweisen, ist hier der Ruhemodus zwar ebenfalls schneller als ein kompletter Bootvorgang, jedoch nicht so wie der dort eher bevorzugte Energiesparmodus. Dies gilt allerdings nur für benutzerinitiierte Aktionen wie dem Schließen des Deckels: Müssen Notebooks wegen Stromknappheit automatisch abschalten, gehen sie ebenfalls in den Ruhemodus.
    • Beim Energiesparmodus („Sleep“, S1-S3) wird das RAM des Rechners weiterhin mit Strom versorgt und speichert den gegenwärtigen Status bis zum Aufwachen. Der Rechner wacht dadurch im Vergleich zum Ruhemodus sehr viel schneller wieder auf, allerdings sorgt ein eventueller Strom-Totalausfall dafür, dass alle nicht gespeicherten Daten verlorengehen.
      Der Modus ist eher als Benutzer-initiierte Pause für Notebooks (etwa durch Schließen des Deckels) als für Desktop-PCs geeignet, weil hier durch den Akku im Gegensatz zum Desktop-PC sowieso für netzunabhängigen Stützstrom gesorgt ist und die mobile Hardware und ihre Treiber darauf ausgelegt sind, in diesem Modus so viele Komponenten wie notwendig herunterzufahren (komplettes „Suspend To Memory“, Zustand S3). Desktop-Rechner hingegen schaffen es abhängig von Hardware und Treibern oft nur bis S1, also in den einfachsten Schlafmodus, indem zwar Monitor und Festplatte abgeschaltet werden, aber zum Beispiel Lüfter und Prozessor noch weiterlaufen.
    • Windows kennt außerdem den „Hybrid-Modus“, eine Mischung aus S3 und S4. Hierbei wird der Rechner in den Energie­sparmodus („Sleep“) versetzt, dabei jedoch parallel ein Speicher­auszug wie für den Ruhemodus („Hibernate“) erstellt. Der Rechner kann so schnell geweckt werden, wenn der Stütz­strom für den RAM ununterbrochen zur Verfügung stand, jedoch auch im Falle des Gegen­teils: Wenn etwa der Akku zwischendurch doch komplett leer wurde, das Netzkabel gezogen wurde oder ein Stromausfall auftrat, restauriert er den letzten Stand von der Speicher­auszugs­datei als Fallback-Option.
      Um diesen Modus zu aktivieren, muss zunächst, falls dies noch nicht geschehen ist, der Ruhezustand an sich verfügbar gemacht werden. In der System­steuerung aktiviert man danach in den erweiterten Energie­einstellungen unter „Energie sparen“ die Option „Hybriden Stand­by­modus zu­lassen“. Die Option „Ruhezustand“ steht danach auf dem Rechner nicht mehr explizit zur Verfügung, dafür ist der Ener­giespar­modus bei jedem Auf­ruf automatisch mit der Fallback-Option per Speicher­auszug ausgestattet.

    Administratoren können per Gruppenrichtlinie der Schaltfläche „Herunterfahren“ im Startmenü eine gewünschte Voreinstellung geben, etwa Ruhe- oder Energiesparmodus. Auch den Ein-/Ausschalter am Gehäuse kann man über die Energieoptionen mit Standby-Funktionen belegen.

    SATA: AHCI-Modus einschalten, Treiber aktivieren

    Es ist eine derzeit unter Herstellern noch verbreitete schlechte Sitte, SATA-Festplatten im langsameren IDE-Emulations­modus statt im nativen AHCI-Modus zu verbauen, wodurch man nützliche SATA-Funktionen wie Native Command Queuing (NCQ) nicht verwenden kann und damit Performance verschenkt. Auch andere nützliche Funktionen wie Hot-Plug gibt es nicht.

    Im BIOS eines PCs lässt sich die Betriebsart der SATA-Platte zwar nachträglich ändern, doch Windows nimmt das in der Regel übel: Es wurde auf einer scheinbaren IDE-Platte installiert, hat nur den entsprechenden Treiber für den Boot-Vorgang aktiv und wird deshalb mit einem Bluescreen

    STOP 0x0000007B INACCESSIBLE_BOOT_DEVICE

    stehenbleiben. Eine Windows-Neuinstallation ist aber wegen des Bootgeräte-Wechsels nicht notwendig: Vor der BIOS-Änderung sucht man in der Registry den Eintrag für den AHCI-Treiber und wird entweder unter
    HKEY_LOCAL_MACHINE\System\CurrentControlSet\Services\Msahci
    oder
    HKEY_LOCAL_MACHINE\System\CurrentControlSet\Services\IastorV
    fündig. Hier stellt man den Wert von „Start“ auf „0“, was automatischen Start bedeutet. Das Boot-Problem tritt so nach dem Moduswechsel nicht auf, Windows verlangt nur einen weiteren Neustart nach dem ersten Hochfahren.

    Aero abschalten, aber nicht als Zwang

    Schaltet man die Aero-Effekte ab, wirkt die Windows-GUI mit modernen Anwendungen nicht mehr konsistentDie Erfolgsstory von Windows 7 zeigt allerdings, dass die einfachen Erklärungen zum Vista-Misserfolg nicht unbedingt alle möglichen Ursachen abdecken: Offen­sichtlich wollen die Benutzer anspruchsvolle Grafik-Effekte. Eine der zentralen Motivationen beim Erwerb von Calista und der Weiter­entwicklung von RemoteFX durch Microsoft war die Erkenntnis, dass es das eingeschränkte Benutzererlebnis ist, das bis jetzt der breiten Akzeptanz von Terminal Services und virtuellen Desktops im Wege steht.

    Als Administrator ist man deshalb schlecht beraten, wenn man im Zuge der Windows-7-Deployments per Gruppenrichtlinien sämtliche Aero- und sonstigen Grafikeffekte auf den Stand von Windows 2000 zurücksetzt in der Hoffnung, sich damit Hotline-Anfragen wegen mangelnder Performance vom Halse zu halten. Die Anfragen werden trotzdem kommen: Die Benutzer kennen die Effekte von daheim und vermissen nicht nur den schönen Effekt, sondern auch die damit verbundenen Funktionen, etwa die Vorschau von Aero Peek.

    Viele moderne Programme, etwa Internet Explorer 8 oder Office 2007/2010, sind vom Design her auf die Aero-Oberfläche ausgerichtet und wirken innerhalb der klassischen Windows-Ansicht wie GUI-Fremdkörper. Wenn Ad­ministratoren Grafik-Effekte der besseren Performance wegen abschalten wollen, ist es deshalb ein guter Kompromiss, dies nicht verbindlich zu tun, sondern in Form einer Vor­einstellung, die der Benutzer aber wieder ändern kann. Für diesen Zweck kennt Windows 7 im Zusammenspiel mit Windows Server 2008 (R2) oder Windows Server 2003 die Group Policy Preferences.

    6 Kommentare

    Bild von fireshadow
    fireshadow sagt:
    22. Oktober 2010 - 6:47


    Es ist eine derzeit unter Herstellern noch verbreitete schlechte Sitte, SATA-Festplatten im langsameren IDE-Emulations­modus statt im nativen AHCI-Modus zu verbauen ...

    Das hat einen einfachen und durchaus vernünftigen Grund: Bei einem Marktanteil von nach wie vor ca. 60% (in der näheren Vergangenheit noch deutlich mehr) müssen die Mainboard-Hersteller Windows XP nach wie vor als wesentlichen Faktor berücksichtigen.

    Eine normale XP-Installation scheitert jedoch auf einem Mainboard im AHCI-Modus, und zwar auf eine Weise, die die Problemursache (wenn man das Problem nicht kennt) weitgehend unklar lässt. Und selbst wenn das Problem erkannt ist, sind die Verfahren, es zu beheben (sofern man nicht auf den IDE-Modus umschalten möchte/kann), wiederum selbst problematisch.

    Für die F6-Disketten-Methode fehlt oft das notwendige Diskettenlaufwerk (ein USB-Stick funktioniert ja nicht), und es wird nur eine kleine Zahl von USB-Diskettenlaufwerken unterstützt. Das Brennen einer angepassten Installations-CD überfordert viele Laien.

    Dazu kommt, dass im Desktopbetrieb der Performance-Vorteil von AHCI oft gering ist (das hängt natürlich von der spezifischen Konfiguraton ab).

    Aus den genannten Gründen ist die Voreinstellung des IDE-Modus zum gegenwärtigen Zeitpunkt durchaus nachvollziehbar.

    Bild von Andreas Kroschel
    22. Oktober 2010 - 8:52

    Seitens der Mainboard-Hersteller verstehe ich das durchaus. Allerdings erwarte ich von dem Händler, der einen PC mit Windows 7 vorinstalliert ausliefert, daß der Modus umgestellt wurde, um die Installation als korrekt zu beschreiben.

    Bild von zpucki
    zpucki sagt:
    28. Mai 2011 - 22:31

    Hallo, der Tipp zum AHCI Modus hat mir sehr geholfen. Eine Frage dazu habe ich aber noch. Nachdem man das Ganze erfolgreich durchgeführt hat, kann/sollte man die Registry-Schlüssel wieder umstellen und wenn ja, wieder auf den damaligen Wert (bei mir 3)?

    Bild von fireshadow
    fireshadow sagt:
    28. Mai 2011 - 22:50

    @zpucki: Nein. "3" steht für manuelles Starten des entsprechenden Treibers, was dazu führen würde, dass Windows nicht startet.

    Bild von TnF
    TnF sagt:
    12. August 2011 - 21:59

    Zitat: Bei der Anschaffung von neuen PCs sollte das Augenmerk vor allem auf viel Hauptspeicher (bei Verwendung von 32-Bit-Windows 3 GB, sonst 4 bis 6 GB)
    Warum sollte man bei einem 32-Bit-System nicht die möglichen 4 GB RAM installieren, sondern nur 3 GB? Natürlich werden dank Reservierung für die Hardware nicht die kompletten 4 GB frei nutzbar sein. Aber bei 3 GB Arbeitsspeicher sind ja auch nicht die 3 GB nutzbar.

    PS: Die Mehrzahl von Personalcomputer ist übrigens Personalcomputer und nicht Personalcomputers. ;-)

    Bild von fireshadow
    fireshadow sagt:
    12. August 2011 - 22:51

    Je nach spezifischem System (insbesondere abhängig von der Grafikkarte) ist ohne weiteres möglich, dass 3GB vollständig zur Verfügung stehen. Auch wenn ich aus praktischen Gesichtspunkten (insbesondere aufgrund der aktuell relativ niedrigen Preise -- ausserdem ist 3 irgendwie so unbinär ;-) eher zu 4GB tendieren würde, erspart man sich mit einer 3GB-Empfehlung die enttäuschten Nachfragen, wieso denn nun ganz genau die restlichen 0,75GB (oder wieviel auch immer) nicht nutzbar sind ...

    Das mit dem "s" bezieht sich auf "PCs"? Der Begriff "PC" hat sich inzwischen weit von seiner ursprünglichen Herkunft als Abkürzung entfernt, und kann als eigenständig betrachtet werden. Dementsprechend ist auch die Pluralbildung mittels eines angehängten "s" angemessen. Manchmal ist es besser, eine verbreitete Schreibweise unabhängig von irgendwelchen Spitzfindigkeiten einfach zu akzeptieren. Ich erinnere mich da an lange zurückliegende Diskussionen, dass es eigentlich "edieren" statt "editieren" heissen müsse, und dass "Disassembler" als "Nicht-Zusammensetzer" eigentlich unsinnig sei ...