Rangee SIP: Softphone für Thin Clients im Test


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    Rangee SIPTelefonie-Programme gehören zu den großen Heraus­forderungen für Thin Clients. Sie sind nämlich auf vielen Arbeits­plätzen unver­zichtbar, liefern in einer Remote-Session aber schlechte Ergebnisse. Rangee SIP belässt daher nur die GUI des Soft­phones auf dem Terminal-Server und verarbeitet die Audiodaten lokal.

    Die Lösung adressiert die typischen Probleme, die Remotedesktop-Anwender mit der IP-Telefonie haben. Läuft der Client auf dem Terminal-Server, dann leidet das Benutzererlebnis darunter. Der Audio-Stream wird über das jeweilige Remotedesktop-Protokoll übertragen, was die Verbindungs­qualität beein­trächtigen kann.

    Neben schlechter Audioqualität sind Verbindungs­abbrüche eine typische Folge. Das Gleiche gilt auch für Videokonferenzen über Microsoft Teams, Zoom und andere Dienste, wenn sie remote genutzt werden. Durch eine solche Konfiguration entsteht zudem eine erhebliche Last für Server-CPUs und das Netzwerk.

    Installiert man das IP-Telefon hingegen lokal auf dem Endgerät, dann gewinnt dadurch zwar die Sprachqualität. Allerdings leidet in diesem Setup die Usability, da der Anwender das Softphone nicht in seiner Remote-Desktop-Session bedienen kann. Vielmehr muss er diese verlassen, um das Programm auf der Thin-Client-Oberfläche zu steuern.

    Rangee SIP

    Das Telefonie-Konzept von Rangee SIP löst diesen Konflikt durch ein Tandem aus einer Softphone-App für den Remotedesktop sowie einem Agent auf dem Thin Client, der für Benutzer unsichtbar bleibt.

    Rangee SIP implementiert ein Softphone in Verbindung mit einem lokalen Agent für Audio-Ein-/Ausgabe

    Der Agent dient ausschließlich dazu, die Audiosignale über die Thin Client Hardware zu empfangen und zu versenden. Die Bedienung des Telefons mit den üblichen Vorgängen wie Nummer wählen, Anruf annehmen, auflegen, Konferenz­schaltung aufbauen oder makeln findet auf dem Remote­desktop statt.

    Rangee SIP umfasst daher zum einen als Softwaremodul für Rangee Linux Thin Clients und zum anderen eine Windows-SIP-GUI für die Installation auf dem Terminal-Server. Voraussetzung ist eine SIP-fähige Telefonanlage wie Asterisk, FritzBox, Swyx, Starface, Auserwald und andere.

    Der Thin Client benötigt eine Verbindung zur Telefonanlage, weil der Agent auf dem Endgerät die eigentliche Kommunikation abwickelt. Wenn die Clients im Homeoffice wie üblich über ein VPN mit dem Firmen­netzwerk verbunden sind, muss der VPN-Tunnel mithin eine bidirektionale Kommunikation zulassen.

    Aktuell ist Rangee-SIP auf eine TCP-Verbindung zwischen Remotedesktop und dem Softphone-Agent angewiesen. Um ein flexibleres Setup zu gewährleisten, plant der Hersteller, künftig den RDP- bzw. RCA-Channel für die Kommunikation mit dem Endgerät zu nutzen.

    Einrichtung und Benutzung

    Wie bei Rangee-Endgeräten üblich, lässt sich das Software-Modul für den SIP-Agent über das Remote-Management unabhängig vom Standort der Thin Clients zentral und automatisiert hinzufügen. Nach der Einrichtung startet der Agent als Hintergrund­dienst und macht dabei lediglich durch eine dezente Nachricht auf sich aufmerksam.

    Das eigentliche Softphone wird per Windows-Installationsassistent auf dem Remote­desktop installiert. Anschließend richtet man im Telefonie-Client das SIP-Konto für die Verbindung zur Telefonanlage ein. Die Software ermittelt selbständig die IP-Adresse des zugehörigen Thin Clients, um sich mit dem Agent zu verbinden.

    Rangee SIP präsentiert sich mit einer von Softphones gewohnten GUI

    In meinem Test funktionierte das Gespann aus der Softphone-Anwendung auf dem Remotedesktop und dem Agent auf dem Thin Client reibungslos. Die Bedienung, einschließlich der Regelung der Lautstärke, der Mikrophon-Empfindlichkeit und des Klingeltons, ist einfach und Softphone-typisch gelöst.

    Durch die lokale Ausführung der IP-Telefonie gewährleistet Rangee SIP eine Audio- und Video-Qualität, wie man sie von Softphones auf PCs kennt. Zu Verbindungs­abbrüchen oder Störungen kam es nicht.

    Das Rangee-Softphone wird in der Remote-Session ausgeführt und verwendet einen lokalen Agent, um die Audioqualität zu optimieren

    Das RangeeOS unterstützt dabei auf den Endgeräten handelsübliche Headsets und Lautsprecher, aber auch spezialisierte Konferenz­systeme mit deren Kamera- und Mikrofontechnik.

    Anspruchsvolle Anwender werden sich allerdings mehr Funktionen wünschen. Rangee hat angekündigt, etwa eine Besetzt-Lampen-Funktion (BLF) und "Bitte nicht stören" (DND) nachzuliefern sowie den Wechsel zwischen Headset und Lautsprecher im laufenden Gespräch zu ermöglichen.

    Mehrere Thin-Client-Optionen

    Der Aachener Hersteller bietet verschiedene Thin Client-Varianten an, für die das Rangee SIP Softphone geeignet ist. Dazu zählen Standalone-Geräte, Laptops, integrierte Bildschirme sowie Tablets.

    Alternativ lassen sich vorhandene PCs, beispielsweise private Laptops im Home Office, zu Thin Clients konvertieren. Außerdem kann man mit der Rangee Kommbox auch Windows-Rechner als schlanke Endgeräte nutzen, die man über dieselbe Web-Konsole verwaltet wie reguläre Thin Clients. Das vorhandene Windows bleibt dabei im Einsatz, User erhalten aber einen gehärteten Desktop, den sie nicht verlassen können.

    Die Kommbox erlaubt das Remote-Management von Rangee Thin Clients per Web-Browser

    Unabhängig davon, ob man dedizierte Thin Client-Hardware oder konvertierte PCs einsetzt, sieht Rangee mit dem Thin Client Management Server (TCMS) eine zentrale und kostenfreie Verwaltungslösung vor.

    Sie versammelt Funktionen für Konfiguration, Rollout, Update, Monitoring der Clients sowie User-Management unter einer Web-Oberfläche.

    Der Management-Server TCMS erlaubt die zentrale Verwaltung sämtlicher Rangee Thin Clients.

    Systemverwalter können Konfigurationen dabei an ganze Gruppen von Endgeräten übertragen, und zwar einheitlich sowohl an die Linux- und Windows-basierten Clients des Aachener Herstellers.

    Fazit

    Rangee löst den für Thin Clients typischen Konflikt zwischen Audioqualität und Usability, indem es die Anwendung in zwei Komponenten aufteilt. Anwender können so Rangee SIP wie jedes andere Windows-Programm in der Remote-Session bedienen und erleben keine Qualitätseinbußen, weil der lokal installierte Agent direkt mit der Telefonanlage kommuniziert.

    Rangee praktiziert diesen Ansatz bereits bei populären Collaboration-Tools wie Zoom, Microsoft Teams, Bluejeans und Alphaview, die aus denselben Erwägungen als Software-Pakete zur lokalen Installation auf den Thin Clients bereitstehen.

    Der Hersteller stößt damit in eine Marktlücke. Cisco ist bislang der einzige Hersteller mit einer vergleichbaren Lösung: Hier kommuniziert eine App auf dem Remote Desktop mit einem Java-Client auf dem lokalen Endgerät.

    Aus Sicht der Administration wäre wünschenswert, wenn die Kommunikation zwischen GUI und Agent in das jeweilige Remote-Protokoll integriert würde, so dass das Management der separaten IP-Anbindung entfällt.

    Verfügbarkeit und Preise

    Rangee SIP ist als Software-Modul ab sofort verfügbar und kann über zwei verschiedene Optionen bezogen werden. Es steht zum einen über ein Abonnement zur Verfügung, das pro Jahr und User 25 Euro kostet. Die Lizenz ist dabei benutzer­unabhängig und kann jederzeit auf ein anderes Gerät übertragen werden.

    Zum anderen bietet der Hersteller auch eine permanente Lizenz an, für die einmalig 79 Euro fällig sind. Damit ist ein Endgerät voll lizensiert und nach der 1-2-3-Regel kann eine (1) Lizenz innerhalb von zwei (2) Jahren dreimal (3) umziehen (zum Beispiel wegen eines technischen Defekts). Danach ist sie an das Endgerät gebunden, bis dieses nicht mehr genutzt werden kann und verfällt danach.

    Beide Optionen enthalten eine lebenslange Software-Wartung (Bugfixes). Das Abonnement berechtigt darüber hinaus zu allen Funktions-Updates (Release-Wechsel) während des lizensierten Zeitraums. Bei der geräte­bezogenen Lizenz sind zwei Jahre lang alle Funktions-Updates enthalten, weitere müssen im Anschluss daran gegebenen­falls nach­lizensiert werden.

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    1 Kommentar

    Jens Hindricksen sagt:
    8. Juni 2021 - 8:40

    Hallo,

    in dem Artikel ist die Rede davon dass eine "SIP-fähige Telefonanlage wie Asterisk oder abgeleitete Variante" Voraussetzung ist.

    Ist das tatsächlich auf diese Produkte beschränkt? - Sollte das dann nicht mit jeder Telefonanlage laufen, die Standard-SIP spricht? Bspw. Swyx?