WhatsVirtual im Test: Monitoring für virtuelle und physische Server

    Eigenschaften von Geräten in WhatsVirtualWhatsUp Gold von Ipswitch unterstützt zusammen mit dem Plugin WhatsVirtual die einheitliche und zentralisierte Überwachung, Steuerung und das Reporting für physische und virtuelle Server in VMware-Umgebungen. Während das Setup und die Konfiguration etwas umständlich sind, ist das Monitoring und Reporting gut gelungen.

    Ursprünglich als leichtgewichtiges Management-Werkzeug konzipiert, hat sich WhatsUp Gold (WUG) in den vergangenen Jahren zu einem Programmpaket auf Enterprise-Level gemausert. Da ist es nur konsequent, dass dessen Kernfunktionen für Discovery, Inventory, Monitoring und Reporting auf die speziellen Anforderungen virtueller Maschinen ausgeweitet werden.

    Anforderungen virtueller Systeme

    Herkömmliche Werkzeuge sind in aller Regel für rein physische Systeme konzipiert. Virtuelle Systeme werfen beim Betrieb dagegen spezielle Fragen auf: Was ist aktuell der Zustand meiner virtuellen Maschinen? Welche VMs werden auf welchen Hosts betrieben? Wie ist die Auslastung der VMs? Wie ist es um den Speicherplatz der VMs bestellt? Diese und weitere Fragen will WhatsVirtual als Erweiterung von WhatsUp Gold beantworten.

    Grenzen von SNMP

    Klassische Monitoring- und Management-Tools stoßen bei virtualisierten Umgebungen schnell an Grenzen, da die Virtualisierungstechniken teilweise anderen Gesetzen folgen. So ist SNMP als Protokoll teilweise ungeeignet für VMs. Diese können beispielsweise virtuell über mehr RAM verfügen als physisch tatsächlich vorhanden ist (Memory Overcommit), was SNMP zu ungenauen Informationen veranlassen kann.

    Karge Tools-Ausstattung der Hypervisor für Monitoring

    Traditionelle Management-Tools verfügen zudem nicht über das Wissen der logischen Zusammenhänge zwischen Virtualisierungs-Host und den zugehörigen virtuellen Maschinen sowie über VM-Operationen wie Live Migration. Auf der anderen Seite sind die Hypervisor-eigenen Management-Tools zumeist nur mit recht beschränkten Fähigkeiten zum Monitoring, Reporting und Abbildung von Historien ausgestattet und bieten oft nur wenig Flexibilität.

    WhatsVirtual als Erweiterung der Management-Suite WhatsUp Gold erlaubt den nativen Blick in den Hypervisor, um die Leistungsdaten von Host und Gästen fortlaufend zu ermitteln und auszuwerten und darüber hinaus Operationen wie Starten und Stoppen virtueller Maschinen - auch automatisiert - auszuführen.

    Installation von WhatsVirtual

    Der Installations-Wizard von WhatsUp GoldDie Installation gestaltet sich einfach, aber recht zeitaufwändig, da Microsoft .NET 4 benötigt wird und ggf. nachgeladen werden muss. Zudem braucht die Monitoring-Software einen die IIS in Version 6 (unter Windows Server 2003) oder 7 und installiert einen MS SQL Server Express, sofern nicht schon ein Datenbank-Server im Netz vorhanden ist. Etwas mehr Handarbeit ist vonnöten, wenn eine bereits vorhandene MS SQL-Datenbank verwendet werden soll.
    Achtung Stolperfalle: WUG unterstützt keine nicht-englischen MS SQL-Installationen.

    GUI für Windows, Web und Smartphones

    WhatsUp Gold präsentiert sich dann als umfassende, optisch gelungene GUI in drei verschiedenen Geschmacksrichtungen: als Windows Programm, als Desktop-ähnliche Ajax-Web-Oberfläche, sowie als spezielle Web-Variante für Smartphones, allen voran dem iPhone. Anfangs ist die Benutzerschnittstelle in Englisch, deutsche Sprachpakete können von Anwendern mit aktivem Service-Agreement heruntergeladen und installiert werden.

    Netzwerk-Scan zur Erfassung von Hosts und VMs

    Der Discovery Wizard ermittelt Hosts und virtuelle Maschinen Damit WUG das Netzwerk und seine potentiellen Zielobjekte kennenlernt, führt es einen Scanvorgang, die Discovery, durch. Im Zusammenspiel mit WhatsVirtual können dabei physische Hosts sowie VMs auf VMware-Servern automatisch erkannt und der WUG-Inventarisierung zugeordnet werden.

    WUG arbeitet grundsätzlich auf Basis von SNMP und WMI, um Server zu erkennen und deren Daten abzurufen. WhatsVirtual erweitert diese Fähigkeit um die Kommunikation mit ESX(i)-Hosts über das VMware-API. VMs selbst können jedoch nicht über das API angesprochen werden. WhatsVirtual unterstützt VMware ESX und ESXi ab Version 3.5 sowie vCenter Server 4.0 und 4.1. Für ESXi 5 gibt es noch keinen offiziellen Support, es funktionierte in meinem Test aber trotzdem.

    Auswahl der Hosts über vCenter

    Der Discovery Wizard erfragt die Such-Parameter für Netzwerk-Devices.WUG kann das gesamte Netzwerk automatisch nach Rechnern absuchen. In aller Regel wird der Administrator aber die IP-Adresse des oder der VMware-Server angeben und die Discovery somit gezielt auf seine virtuelle Umgebung ausrichten. Erfolgt deren Management über einen vCenter-Server, so wird dessen IP-Adresse angegeben. Der Discovery-Vorgang ermittelt dann via vCenter die von diesem Server verwalteten Hosts sowie die darauf gehosteten virtuellen Maschinen. VMs können schließlich auch manuell zu VMware-Hosts zugeordnet werden, ohne eine komplette neue Discovery durchführen zu müssen.

    Die erkannten VMs werden dabei automatisch dem jeweiligen Host zugeordnet und zu entsprechenden Gruppen zusammengestellt. Die Beziehungen zwischen den Servern werden zusätzlich visuell in einer Karten-Ansicht (Map) dargestellt. Dabei ist WhatsVirtual auch in der Lage, vorhandene VMware-Cluster zu erkennen und diese in ihren Beziehungen entsprechend präsentieren.

    Keine Integration mit Directory-Service

    Damit die Discovery von VMs zuverlässig funktioniert, müssen die VMware Tools in jeder VM installiert sein. Bevor der Administrator den Scan-Vorgang starten kann, muss er außerdem für jeden Host die entsprechenden Administrator-Zugangsdaten in der WUG Credentials Library hinterlegen, damit sich der Erkennungsprozess an den Servern anmelden kann. Eine Integration mit einem Verzeichnisdienst ist dabei nicht vorgesehen – die Zugangsdaten müssen redundant im Monitoring-Werkzeug hinterlegt und gepflegt werden.

    Aktivierung von SNMP im Gast

    Weiterhin muss der Sysadmin SNMP in den VMs aktivieren, wenn dieses Protokoll zur Überwachung genutzt werden soll. Dieser Vorgang ist je Betriebssystem unterschiedlich und – aufgrund des komplexen Protokolls – durchaus aufwändig und fehleranfällig. In diesem Punkt unterscheidet sich WUG grundlegend von Monitoring-Tools, die Agenten-basiert arbeiten und dadurch nicht auf SNMP angewiesen sind.

    Der Administrator kann bereits vor der Discovery spezifizieren, welche Events über das VMware-API für die erkannten Server abgefragt, gesammelt und überwacht werden sollen. Die Auswahlmöglichkeiten sind dabei sehr umfassend: sie reichen von diversen VM-Status-Angaben bis zu vMotion-, HA- und Security-induzierten Leistungsdaten und Meldungen.

    Datensammlung über verschiedene Kanäle

    Wichtig ist es für den WUG-Admin zu wissen, dass nicht alle Monitore ihre Daten von den VMs über die VMware-API beziehen können: Während CPU- und RAM-Daten nahtlos via API in das Monitoring-System gelangen, müssen für die Überwachung von Festplatten und Netzwerke das SNMP-Protokoll in den betreffenden VMs freigeschaltet und Credentials dafür hinterlegt werden. Dann kann der Administrator bestimmen, dass WUG auch diese VM-Ressourcen abfragt und überwacht. Leider erschließt sich dieser Umstand nicht aus der WUG-Oberfläche, die Optionen stehen gleichberechtigt nebeneinander. Erst beim Versuch, diese zu konfigurieren, wird der Administrator darauf hingewiesen.

    Praktischerweise kann der Administrator abhängig von ihrer Rolle bestimmen, welche Einstellungen die jeweiligen Devices nach der Discovery automatisch erhalten. So werden für VMware-Hosts automatisch globale Performance-Monitore für CPU, Festplatte, RAM und Netzwerk-Interfaces vergeben.

    Mehrere Monitortypen für die Überwachung

    Viele Eigenschaften und Funktionen der Systeme lassen sich auch durch andere Monitortypen ohne SNMP überwachen, z.B. über WMI, Port-Monitore oder Transaktionsmonitore für synthetische Operationen wie File/Folder Monitor, E-Mail, FTP sowie SQL.

    Der Discovery-Prozess kann zeitgesteuert, beispielsweise täglich, automatisch laufen, damit neu im Netzwerk hinzukommende Rechner hinzugefügt oder abgeschaltete Maschinen aus dem Inventory entfernt werden.

    Monitoring der inventarisierten Systeme

    Nachdem WUG mit Daten über physische und virtuelle Systeme gefüttert wurde, kann es seiner eigentlichen Aufgabe als Aufpasser nachgehen: dem Überwachen und Informieren über den Zustand der angebundenen Rechnersysteme. Diese Kernkompetenz beherrscht WUG hervorragend und funktioniert dank WhatsVirtual für physische wie virtuelle Rechner gleichermaßen.

    Das Alert Center der Software benachrichtigt bei definierten Fehlerzuständen über verschiedene Kanäle wie SMS und E-Mail. Zusätzlich können Actions ausgelöst werden, die weitere Aktionen veranlassen. Dabei greifen einstellbare Schwellwerte und Eskalationsstufen. WhatsVirtual fügt zusätzliche Schwellwert-Definitionen hinzu, unter anderem für Fehler, die vom HA-System übermittelt werden oder für unbeabsichtigt stattfindende Migrationen von VMs.

    Dashboards informieren über Systemzustand

    Dashboards helfen dabei, den Überblick über verschiedene Systemparameter zu bewahren.Ein typischer in virtuellen Umgebungen zu findender Alert wäre die Benachrichtigung, dass der Plattenplatz für die virtuellen Maschinen zu knapp wird. Der Administrator muss hierfür nicht mehr neben dem vSphere-Client ein Monitoring-Tool bemühen, sondern kann alles bequem aus der WhatsUp-Gold Zentrale überwachen.

    Der WUG-Admin kann eigene Performance-Monitore sowie aktive und passive Monitore definieren und physischen wie virtuellen Geräten zuweisen. Auf verschiedenen, konfigurierbaren Dashboards kann er dabei jederzeit den Status aller Geräte, kürzlich aufgetretener Fehler und Benachrichtigungen sowie erzeugte Logs einsehen.

    Vorkonfigurierte Reports

    Eine große Stärke von WUG sind Reports. Spezielle Auswertungen für physische Host-Server, virtuelle Maschinen und Cluster sind bereits vorkonfiguriert. Diese lassen sich flexibel an die eigenen Bedürfnisse und Gewohnheiten anpassen und zusammenstellen. Sie informieren dann sehr ausführlich über den Zustand der Systeme. Dazu gehört der aktuelle CPU-Auslastungsstatus der Hypervisor ebenso wie eine Auflistung der überwachten VMs mit ihren IP-Adressen und ihrer Zugehörigkeit zu den physischen Hosts. Automatisierte Benachrichtigungen und Exportfunktionen stehen hier ebenfalls bereit.

    Im Falle von VMware kann der Administrator dabei sehr fein granular vorgeben, welche Server-Attribute von VMware-Hosts und VMs über das API ermittelt und dann ausgewertet werden. Leider gehört die Info, welche VMware-Tools-Version auf den VMs installiert ist und ob diese aktuell sind, nicht dazu.

    Aktionen zur Steuerung von VMs

    WhatsVirtual ergänzt WhatsUp Gold um Funktionen zur Steuerung von VMs.WhatsUp Gold verhält sich als Überwachungswerkzeug im Wesentlichen lesend und auswertend. WhatsVirtual ändert den Charakter des Frameworks, in dem es Verwaltungs- und Steuerungsfunktionen speziell für virtuelle Server hinzufügt: Über das Kontextmenü Virtualization Actions stehen bei VMs zusätzliche Funktionen zur Verfügung: Starten, Stoppen und Pausieren von VMs sowie das Erstellen von Snapshots.

    Die Automatisierung dieser Funktionen mittels Scripting, bei der Operationen mittels Action Policies auch für ganze Gruppen von VMs ausgeführt werden können, bietet im Vergleich zum vSphere Client einen wirklichen Zusatznutzen. Beispielsweise ließe sich auf diesem Weg ein zeitlicher oder über ein Event gesteuerter Reboot mehrerer ausgewählter VMs veranlassen. Generell gilt in WUG, dass aufwändigere Funktionsbefehle mittels VBscript oder JScript selbst programmiert und der Action Library zugefügt werden können.

    Fazit

    Die Oberfläche für Smartphones erlaubt auch den Zugriff auf WhatsUp Gold von unterwegs.WhatsVirtual stellt eine sinnvolle Erweiterung von WhatsUp Gold dar und bietet gelungene Bedienung und gut realisierte Funktionen speziell für Hosts und VMs in VMware-Umgebungen. Ein echter Nutzen für Administratoren ergibt sich aus der Zentralisierung aller Überwachungs- und Management-Funktionen in einem Tool bzw. einer Konsole. Die Verwendung des VMware-API sorgt dabei für die Bereitstellung von exakten Kenndaten hinsichtlich der überwachten Hypervisor. Administratoren können ihre physische und virtuelle Umgebung weitgehend einheitlich betrachten und bearbeiten. Sehr zeitgemäß ist dabei auch die spezielle Smartphone-Variante der Web-GUI.

    Administratoren werden dabei besonders zu schätzen wissen, dass das Handling von WUG generell sehr einfach und die Einarbeitungszeit vergleichsweise kurz ist. Das SNMP-basierte Konzept bedeutet jedoch zusätzlichen Aufwand bei der Vorbereitung des Netzwerkes und könnte in manchen Unternehmen mit Security-Richtlinien kollidieren.

    Während Dokumentation und Hilfetexte kontextsensitiv an jeder Stelle der Oberfläche zur Verfügung stehen, ist die Dokumentation für das WhatsVirtual-Modul jedoch dürftig ausgefallen. Insbesondere die tiefergehenden Aspekte der Unterstützung von vCenter, von HA und vMotion finden kaum Erwähnung.

    Da der Schwerpunkt des Gesamtprodukts auf Netzwerk- und Server-Management liegt und WhatsVirtual eine Zusatzfunktion darstellt, dürfte das Plugin vorwiegend für bestehende Anwender von Interesse sein. Für mittelständische Unternehmen, die gerade auf der Suche nach einer Management-Lösung sind oder bereits eine solche evaluieren, könnte WhatsVirtual einen zusätzlichen Anreiz für WUG geben - vor allem, wenn VMware-Produkte zur Umgebung gehören.

    Man darf gespannt sein, ob Ipswitch WhatsVirtual um Unterstützung für weitere Hypervisor-Produkte wie Hyper-V und XenServer erweitert. Damit wäre ein heterogenes Management möglich und der Kreis potentieller Anwender noch einmal größer.

    Systemvoraussetzungen und Lizenzierung

    WUG ist auf einem Standard-Windows-PC mit Vista oder Windows 7 sowie den Serversystemen Windows 2003 und 2008 lauffähig. Alle Plattformen können dabei in 32 oder 64 Bit Versionen installiert sein. Für den Betrieb wird mindestens ein Dual Core System mit 4 GB RAM empfohlen.

    WhatsVirtual wird automatisch zusammen mit WhatsUp Gold installiert und muss per Lizenzschlüssel freigeschaltet werden. Der Hersteller Ipswitch rechnet dabei nach der Anzahl überwachter Geräte ab. Wird sie überschritten, können keine weiteren Geräte in die Überwachung eingebunden werden.

    WhatsUp Gold-Anwender benötigen für WhatsVirtual lediglich eine Freischaltlizenz. Neue Anwender installieren das komplette WhatsUp Gold Paket - WhatsVirtual ist dann bereits Bestandteil der Installation.

    WhatsVirtual ist Bestandteil der WhatsUp Gold-Versionen Standard, Premium und Distributed (derzeit Version 15) und zu Preisen ab 1.270 Euro verfügbar.

    Eine kostenlose 30-Tage-Testversion inklusive aller verfügbaren Funktionen steht zum Download von der Website des Herstellers zur Verfügung.

    Vor- und Nachteile

    Pro

    • Physische und virtuelle Ressourcen integriert in einer graphischen Konsole
    • Wertet umfangreichste Daten der VMware-API aus, inklusive HA, vMotion und VMware-Cluster
    • Einfache Bedienung
    • Windows-, Mobile- und Web-Client

    Contra

    • Dürftige Dokumentation der WhatsVirtual-Komponenten und -Anwendung
    • Nicht immer transparenter Mix von VMware-API und SNMP-Anfragen notwendig, um umfassende Informationen über VMs zu erhalten
    • Unterstützung nur für VMware, nicht für MS Hyper-V oder Citrix XenServer

    Weitere Informationen

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