IDC-Studie: Bring Your Own Device hat in Deutschland Zenit überschritten


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    Matrix42 - Mobile Device ManagementDie Debatte über den Einsatz privater IT-Geräte im Unternehmen, kurz "Bring Your Own Device" (BYOD), bewegt sich mittlerweile stark an der "Nerv-Grenze". Anbieter von mobilen Geräten wie Smartphones, Net-, Note- und Ultrabooks sowie Tablet-Rechnern forcieren die Debatte über BYOD, ebenso die Anbieter von Lösungen für das Mobile Device Management (MDM). Kein Wunder, denn alle wollen ihre Produkte an den Mann bringen. Ihre These: Der Trend in Richtung Einsatz privater Mobilsysteme im Unternehmen ist ungebrochen.

    Mobile Iron mit Support für Mac OS 10.8Vor diesem Hintergrund ist eine aktuelle Studie von IDC zum Thema "Managing Mobile Enterprises in Deutschland" interessant. Ein Resultat: Derzeit gehören in deutschen Firmen etwa 24 Prozent der Mobilgeräte, die dort im Einsatz sind, den Mitarbeitern. Allerdings erwarten die Befragten in den kommenden zwei Jahren einen Rückgang auf 20 Prozent.

    Der Grund ist jedoch nicht, dass mobile Systeme im Berufsalltag unwichtiger werden. Im Gegenteil: 54 Prozent der Mitarbeiter in den befragten Firmen arbeiten zumindest teilweise mobil, und 40 Prozent der Unternehmen haben eine "Mobility-Strategie" entwickelt. Weitere 50 Prozent wollen eine solche Strategie innerhalb der kommenden 12 Monate implementieren.

    Unternehmen ersetzen private Mobilgeräte durch firmeneigene Systeme

    Dass künftig weniger private Smartphones, Notebooks et cetera in Firmen zum Zuge kommen, ist darauf zurückzuführen, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter mit solchen Systemen ausstatten und die entsprechenden mobilen Anwendungen und Mobile-Device-Management-Lösungen anschaffen.

    Studie IDC - Welche Gerätetypen im Rahmen von BYOD genutzt werdenDerzeit in besonders starkem Maße genutzt wird der Zugriff auf das Web, auf E-Mails, Kalender und Adressbücher von Mobilgeräten aus. Allerdings stellen Unternehmen ihren Mitarbeitern in diesem Fall dazu Firmengeräte zur Verfügung stellt. Immerhin 58 Prozent der User haben zudem Zugang zu Business-Anwendungen, an die 40 Prozent Zugriff auf spezielle Applikationen im Unternehmensnetz. Welche das sind, führt die Studie nicht genauer aus.

    Private Systeme sind nicht im selben Maß in die Firmen-IT integriert

    Deutlich niedriger sind die Werte bei privaten Geräten, die im Rahmen von Bring-Your-Own-Device-Konzepten geschäftlich genutzt werden: Nur 52 Prozent der User haben von ihrem eigenen Mobilgerät aus Zugang zu Firmen-E-Mails, Kalender und Kontaktdaten, nur 30 Prozent können spezielle Firmenanwendungen nutzen.

    Laut IDC ist das auf Bedenken der IT-Abteilung in Bezug auf Sicherheit und Compliance zurückzuführen. Hinzu kommen pragmatische Erwägungen: Vorhandene Anwendungen so anzupassen, dass unterschiedliche Systeme mit diversen Betriebssystemen sie nutzen können, ist schlichtweg aus Zeit- und Geldgründen nicht machbar.

    Virtualisierung im Kommen

    Die Vielfalt der Plattformen ist einer der Gründe, weshalb Unternehmen dazu übergehen, virtualisierte Anwendungen (61 Prozent) und Web-basierte Applikationen (56 Prozent) einzusetzen. Laut IDC wird HTML5 als Standard bei Web-Anwendungen eine zentrale Rolle spielen. Diese Sicht ist jedoch umstritten. So werden HTML5 Defizite in Bezug auf die Einbindung von Video- und Audio-Daten attestiert. Auch die Abkehr von XML beziehungsweise XHTML sowie die dominierende Rolle von Ian Hickson bei der Entwicklung von HTML5 stehen in der Kritik.

    Weshalb Mobile Device Management eingesetzt wird

    Zum Abschluss noch einige Resultate der IDC-Studie zum Thema Mobile Device Management. Die meisten IT-Manager erwarten sich von solchen Lösungen mehr Sicherheit (56 Prozent). Weitere Faktoren, weshalb MDM eingesetzt wird oder implementiert werden soll: die Erfassung aller Endgeräte im Firmennetz (32 Prozent) und die Möglichkeit, "remote" auf solche Systeme zuzugreifen (30 Prozent), etwa aus Gründen des Supports oder um sie nötigenfalls zu deaktivieren (bei Verlust). Ein weiterer Faktor ist die Trennung privater und geschäftlicher Nutzung der Systeme (29 Prozent).

    Fazit

    Der Hype um BYOD scheint vor dem Hintergrund dieser Zahl übertrieben, auch wenn künftig immerhin ein Fünftel der (mobilen) IT-Systeme in Unternehmen im Besitz der Mitarbeiter sein wird. Das heißt jedoch nicht, dass ein Mobile Device Management unwichtig ist. Im Gegenteil: Firmen verstehen offenkundig, dass sie ihren Mitarbeitern die Möglichkeit geben müssen, auch unterwegs oder vom Home Office aus auf IT-Ressourcen im Unternehmen zuzugreifen. Daher rüsten sie in Sachen "Mobility" auf.

    Für Administratoren heißt das: Sie werden sich stärker mit der Integration von Mobilsystemen und der Anpassung von Sicherheitskomponenten und Unternehmensanwendungen "herumschlagen" müssen. Allerdings sollte IT-Leitern und der Geschäftsführung klar sein, dass dies nur dann mit Erfolg zu bewältigen ist, wenn Systemadmins entsprechende Tools, etwa MDM-Lösungen, und mehr personelle Ressourcen zur Verfügung stehen.

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    Bild von Bernd Reder

    Bernd Reder ist seit über 20 Jahren als Journalist zu den Themen IT, Netzwerke und Telekommunika­tion tätig. Zu seinen beruflichen Sta­tionen zählen unter anderem die Fachtitel "Elektronik" und "Gateway".Bei der Zeitschrift "Network World" war Reder als stellver­tretender Chefredakteur tätig. Von 2006 bis 2010 baute er die Online-Ausgabe "Network Computing" auf.Derzeit ist Bernd Reder als freier Autor für diverse Print- und Online-Medien sowie für Firmen und PR-Agenturen aktiv.
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    2 Kommentare

    Ich denke nicht, dass der BYOD- Trend einen Rückgang erweisen wird, da das geschäftsorientierte Denken und Handeln vieler Unternehmen (in dem Fall Ersparnis durch Vermeidung von Hardware Beschaffung) den Trend eher "pushen" wird. Außerdem ist mittlerweile die Mobile Device Management Software in der Lage unerschiedliche Systeme mit unterschiedlichen Plattformen zu unterstützen, und das muss nicht viel kosten! Wir haben den "Enterprise Mobile Manager von AppTec360 GmbH auf ca. 800 Geräten im Einsatz: www.apptec360.com
    Aus Erfahrung kann ich sagen, dass BYOD nicht so kompliziert zu lösen ist, wie viele es meinen.

    wir prüfen gerade den Einsatz von einem MDM. Dabei spielt bei der Frage ob BYOD oder lieber firmeneigene Geräte nicht nur die Technik eine Rolle. Die rechtlichen bzw. arbeitsvertraglichen Themen sind auch abzuklären und aus einer ersten Bewertung heraus sind uns firmeneigene Geräte lieber.