Kostenlose Version des Blackberry Enterprise Server für Lotus Domino

    Blackberry-Smartphones haben Zugang zu Lotus Domino und NotesDie Welt besteht bekanntlich nicht aus "Exchange" alleine. Für den Zugriff auf Microsofts E-Mail- und Messaging-Plattform von Blackberry-Smartphones aus bietet Blackberry-Hersteller Research In Motion (RIM) bereits seit Februar 2010 eine kostenlose Lösung an: den Blackberry Enterprise Server Express (BES) für Exchange. Im Gegensatz zu kostenpflichtigen Version (mehrere 1000 Nutzer) unterstützt sie nur maximal 75 User auf dem Mail-Server und etwa 15 Prozent der circa 500 Sicherheitsrichtlinien (Policies). Nun bringt RIM eine vergleichbare Lösung für IBM Lotus Domino heraus. Auch sie kann kostenlos von dieser RIM-Web-Seite heruntergeladen werden.

    Blackberry Enterprise Server Express für Lotus Domino und Microsoft ExchangeKlar ist, dass auch diese BES-Version in erster Linie Marketing-Aufgaben zu erfüllen hat. RIM will damit User von Lotus Domino/Notes dazu bringen, sich den BES näher anzusehen und, sofern die Software auf Gefallen stößt, die Vollversion zu kaufen. Immerhin bietet der "kleine Bruder" des BES Interessenten die Möglichkeit, sich die Software ohne Risiko einmal näher anzusehen, etwa im Rahmen einer Testinstallation. Zudem dürfte die Express-Ausgabe des Blackberry Enterprise Server für kleinere Firmen durchaus ausreichend sein, vorausgesetzt, diese können sich mit dem eingeschränkten Funktionsumfang anfreunden.

    Der BES Express für Domino ermöglicht es, E-Mails, Kalenderdaten, Kontaktinformationen und Aufgabenlisten zwischen einem Domino-Server und Blackberry-Smartphones zu synchronisieren. Der User kann zudem E-Mail-Ordner auf dem Server verwalten und in diesen nach einzelnen Nachrichten suchen. Ähnlich wie bei der Version für Exchange ist es außerdem möglich, Meeting-Termine aufzusetzen und die Verfügbarkeit von Kollegen zu prüfen. Für Business-Anwender ebenfalls eine schöne Sache: Sie können auf Daten im Corporate Network zugreifen und hinter der Firewall mobile Anwendungen und Business-Software nutzen – so wie bei der Vollversion des Blackberry Business Server.

    Nur Basis-Security-Policies unterstützt

    Neben der beschränkten Nutzerzahl ist größte Handicap bei der BES-Express-Version, dass statt 500 nur an die75 Security-Policies unterstützt werden. Ein feinkörniges Zuweisen von Zugriffsrechten ist somit nur bedingt möglich. Immerhin hat der Administrator die Möglichkeit, neue Passwörter auf einem Blackberry zu vergeben oder die Benutzerdaten auf einem Smartphone "remote" zu löschen. Das ist vor allem dann hilfreich, wenn ein Nutzer sein Smartphone verloren hat oder es ihm gestohlen wurde.

    Ein kurzer Blick auf die Systemvoraussetzungen: der BES Express für Lotus Notes/Domino unterstützt die Domino-Versionen 8.0.2 sowie 8.5.1 und 8.5.2. Auch bei den Clients ist mindestens Version 8.0.2 vonnöten. Die in vielen Unternehmen immer noch weit verbreiteten 7er Ausgaben von Lotus Notes bleiben damit außen vor. Der Messaging-Server muss zudem der Local-Domain-Servergruppe angehören. Als Betriebssysteme kommen die 32- und 64-Bit-Versionen von Windows Server 2003 SP2, Windows Server 2003 R2 SP2 sowie Windows Server 2008 SP2 und 2008 R2 in Betracht. Als Datenbank benötigt der BES Express Microsoft SQL ab Version 2005 SP3, auch in diesem Fall entweder die Ausgabe mit 32 oder mit 64 Bit.

    Auch in virtualisierter Form einsetzbar

    Positiv ist, dass sich auch der "abgespeckte" BSE als Virtual Machine implementieren lässt. Unterstützt werden VMware Infrastructure 3.5, VMware vSphere 4 sowie Microsoft Hyper-V 2008. Vorsicht ist jedoch geboten, wenn bereits ein Blackberry Enterprise Server im Unternehmensnetz existiert. Eine Express-Version zusätzlich zu installieren, ist zwar möglich. Allerdings benötigen beide Installationen jeweils eine separate Configuration Database. Ebenfalls Probleme gibt es, wenn statt Microsoft SQL eine IBM-DB2-UDB-Datenbank verwendet wird. Dies dürfte in Firmen, die Lotus Notes/Domino einsetzen ebenfalls des Öfteren der Fall sein.

    Über BES Express auf das Intranet und dort lagernde Dateien zugreifenZuletzt noch ein Blick auf das Management des Servers: Es entspricht dem Standard, sprich verwaltet wird der BES Express über ein Web-Interface. Darüber lässt sich nur das System managen, sondern der Admin kann auch alle Policies aufsetzen und konfigurieren. Über die Schnittstelle ist zudem ein Remote-Management der Blackberry-Geräte möglich. End-Usern steht zudem eine Reihe von Self-Service-Tools zur Verfügung. Damit können sie "Allerweltsprobleme" lösen, ohne sofort die Hilfe der IT-Abteilung in Anspruch nehmen zu müssen.

    Fazit

    Auch wenn es sich beim Blackberry Enterprise Server Express um eine "kastrierte" Ausgabe des BES handelt, bietet die Software die Möglichkeit, ohne allzu großes (finanzielles) Risiko eine Testumgebung aufzusetzen. Ob ein Unternehmen die Express-Version als Produktiv-System nutzen möchte, hängt von der Zahl der User und den Sicherheitsanforderungen ab. Die Einschränkungen der Express-Version des Blackberry-Servers lassen es als ratsam erscheinen, sich im Vorfeld sehr genau anzusehen, ob man mit der abgespeckten Ausgabe der Software leben kann.

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