Storage Replica unter Windows Server 2016 einrichten

    Volume-Replikation von Server zu ServerZu den Neuerungen von Windows Server 2016 zählt Storage Replica, das Volumes oder LUNs für ein Disaster Recovery von Server zu Server oder von Cluster zu Cluster übertragen kann. Die folgende Anleitung zeigt, wie man dieses Feature für eine Server-zu-Server-Replikation einrichtet.

    Daten-Volumes werden mit Storage Replica (SR) blockbasiert und unabhängig von den Workloads synchronisiert und lassen sich so außerhalb der Firma speichern. Katastrophen wie Brände, Überschwemmungen oder Stürme können zwar das Firmengebäude treffen, doch Unternehmen müssten nach solchen Ereignissen nicht bei null anfangen (siehe dazu meinen Beitrag: Storage Replica - LUNs und Volumes replizieren).

    Ausgangssituation

    Zwei untereinander erreichbare Windows Server 2016 Datacenter mit lokalen Festplatten, Mitgliedschaft in einem AD und einem 1Gb-Netzwerk bilden die Grundlage für die hier beschriebene Beispiel­konfiguration in meinem Lab. Damit die Kommunikation unter den Storage-Nodes erfolgreich ist, sind Firewall-Regeln für ICMP, SMB (Port 445, bei SMB Direct zusätzlich 5445) und WS-MAN (Port 5985) erforderlich.

    Die Festplatten-Volumes sollten auf beiden Seiten eine identische Größe aufweisen, davon wird eines das Daten-Volume und ein zweites eben "Log"-Volume (Cache-Volume), wobei mindestens 8 GB freier Speicherplatz auf diesem Log-Datenträger erforderlich sind. Beide müssen mit GPT initialisiert sein und die gleiche Geometrie aufweisen.

    Vorab-Test der Infrastruktur

    Größere Übertragungswege zu Standorten können auch höhere Latenzen beim Schreiben von Datenblöcken bedeuten (auch von den Netzwerk-HOPs abhängig). Für eine synchrone Übertragung der Daten spielt die Latenz (Richtwert ≤ 5 ms) eine entscheidende Rolle, doch diese kann im Vorfeld aufgeschlüsselt werden. Im virtuellen Lab replizieren wir die Daten asynchron von einem Server zum anderen, und Latenzen sind dabei von geringerer Bedeutung. Dies ist auch ein mögliches Szenario für den täglichen Einsatz von SR über eine MAN oder WAN-Strecke.

    Infrastrukturtest mit Test-SRTopology

    Mit dem PowerShell-Cmdlet Test-SRTopology lassen sich vorab schon viele Ereignisse erfassen und planen, weil das Werkzeug die Infrastruktur für den späteren Einsatz von Storage Replica überprüft. Letzteres muss dafür als Feature nicht auf den Servern installiert sein, die PowerShell-Unterstützung reicht erst einmal aus. Zu finden ist das Storage Replica Module for Windows PowerShell im Server Manager unterhalb der Features bei den Remote Server Administration Tools.

    Das Cmdlet  Test-SRTopology erstellt einen ausführlichen Report über die vorhandene Infrastruktur.

    Test-SRTopology sammelt über einen längeren Zeitraum Daten über die Infrastruktur und Workloads während der Testphase tragen dann natürlich zu einem aussagekräftigen Resultat bei. Das Ergebnis wird in einem übersichtlichen HTML-Report festgehalten.

    Partnerschaft zwischen Servern einrichten

    Bevor man nun die Replikation zwischen den beiden Servern aktivieren kann, muss auf diesen erst das Feature installiert werden. Wie generell beim Hinzufügen von Rollen und Features lässt sich dies entweder über die GUI des Server Managers erledigen oder per PowerShell mit Install-WindowsFeature.

    $ReplicaServer = "HC-SRV-01", "HC-SRV-02"
    $ReplicaServer | % {Install-WindowsFeature -ComputerName $_ -Name Storage-Replica,FS-Fileserver -IncludeManagementTools}

    Storage Replica pro Server über PowerShell mit Install-WindowsFeature installieren.

    Neben dem Feature Storage Replica installiere ich die Rolle des Datei-Servers für das Lab. Nach erfolgreicher Installation müssen die Server neu gestartet werden, und anschließend wird die SR-Partnerschaft konfiguriert. Dazu dient das Cmdlet New-SRPartnership mit entsprechenden Parametern für den Ausgangs- und Ziel-Server:

    Dem Cmdlet geben wir auch einen Wert für LogSize mit, standardmäßig beträgt dieser 8 GB. Nach der Ausführung des Befehls dient das Eventlog des Quell-Servers unter StorageReplica mit den Events 12001, 2200, 5001, 1237, 5002 und 5015 als Indikator für eine erfolgreiche Partnerschaft. Auf dem Ziel-Server werden mit der EventID 1215 die kopierten Bytes und die dafür benötigte Zeit angezeigt. Auch während der Laufzeit tragen die Eventlogs zu SR und Daten der Leistungs­über­wachung einem Monitoring des Feature bei.

    Wenn wir einen Blick auf den Ziel-Server werfen, dann fällt auf, dass die Daten-Volumes im Windows Explorer nicht mehr zugänglich sind. SR hängt nämlich bei Einrichtung der Partnerschaft die Ziel-Volumes aus, entzieht ihnen die Laufwerks­buchstaben und gibt sie als RAW aus (Stand: TP). Entfernt man die Partnerschaft, dann zeigen sich die Volumes wieder wie gewohnt und sollten dementsprechend die replizierten Daten beinhalten.

    Nützliche Cmdlets rund um Storage Replica sind außerdem:

    • Get-SRPartnership und Get-SRGroup, zeigt den aktuellen Status der Partnerschaft an, zum Beispiel (Get-SRGroup –ComputerName HC-SRV-02).replicas
    • Mit Set-SRPartnership lässt sich die Richtung der Replikation umzukehren
    • Remove-SRPartnership und Remove-SRGroup entfernt die Replikation


    Appendix:

    Die Folien zu meinem Veeam Webinar finden Sie hier.

    7 Kommentare

    Bild von Matthias Gruenert
    Matthias Gruenert sagt:
    19. November 2015 - 7:56

    Hallo Hr.Küppers,
    was mir bisher nicht klar ist und auch aus keinem der Artikel zu diesem Thema ersichtlich ist – was passiert im Ernstfall, wenn die Quelle bei Storage Replica ausfällt?
    Clients sehen nur Freigaben, mit denen sie sich verbinden.
    Wenn die Quelle mit ihren Freigaben nicht mehr zur Verfügung steht,
    wird dann autom. umgeschaltet auf den Replikationspartner?
    Ein transparentes Failover, ohne dass der Zugriff auf die Freigaben unterbrochen wird?
    Danke!
    MfG

    M. Grünert

    Bild von Marcel Küppers
    19. November 2015 - 8:30

    Hallo Herr Grünert,

    die Blog-post Reihe zu Storage Replica wird derzeit aus drei Beiträgen bestehen, d.h. es ist ein Artikel und Labor zu SR im Stretch-Cluster in Arbeit und schließt hier an.

    Aus nächstem Artikel geht hervor, welche Stärken SR im HA-Verbund hat. In Zusammenhang mit dem Failover Cluster Manager (via GUI also auch) kann somit das primäre RZ ausfallen und der Failover wird automatisch eingeleitet.

    Bei einer Server-to-Server Konfiguration muss ein Failover manuell passieren, d.h. der Source Server bricht weg und auf der sekundären Seite kann die SR Partnerschaft entfernt werden um Zugriff auf das Zielvolume zu bekommen. Freigabeberechtigungen sollten kurz angepasst werden und schon ist man wieder einsatzbereit. Das alles ist mit ein paar PS Cmdlets erledigt.

    Wenn Sie die Partnerschaft zwischen beiden Servern einrichten, wird der Zugriff auf das Zielvolume eingeschränkt. Das hat in meinen Augen auch Sinn, da verhindert werden soll, dass auf der Gegenseite andere Schreibvorgänge als von SR passieren könnten (Dateisystembeschränkung).

    Ich hoffe, dass die Frage einigermaßen gründlich beantwortet ist.

    Gruß,
    Marcel Küppers

    Bild von Matthias Gruenert
    Matthias Gruenert sagt:
    19. November 2015 - 10:34

    Besten Dank, Frage beantwortet! :-)

    Bild von Marcel Küppers
    23. November 2015 - 11:26

    Bedenken Sie, dass der Windows Server 2016 derzeit nur in der Technical Preview (aktuell v4) vorliegt und noch nicht für den produktiven Einsatz erhältlich ist.

    Bild von Matthias Gruenert
    Matthias Gruenert sagt:
    24. November 2015 - 10:25

    Hallo Hr. Küppers,
    das ist klar, danke für den Hinweis.
    Gruß

    M. Grünert

    Bild von Matthias Gruenert
    Matthias Gruenert sagt:
    25. November 2015 - 7:58

    Hallo Hr. Küppers,
    eine Frage habe ich noch zu dem Thema:
    was ist, wenn auf der Quelle bereits Daten vorhanden sind?
    Werden diese dann auf das Ziel repliziert?
    Oder richtet man die Replikation am Anfang mit leeren Laufwerken ein?
    Danke!
    MfG

    M. Grünert

    Bild von Marcel Küppers
    25. November 2015 - 16:37

    Hallo Herr Grünert,

    vorhandene Daten werden vom Ausgangsvolume zum Zielvolume repliziert. Wird die SR Partnerschaft wieder entfernt oder umgekehrt, kann man die Daten auf dem Zielvolume wiederfinden.

    Gruß,
    Marcel Küppers