Datenrettung: Kroll Ontrack stellt Daten von Apple Fusion Drives her

    Auf die Verschlüsselung von Festplatten und SSDs, die in Mac-Rechnern zum Einsatz kommen, ist Apple stolz. Nicht ganz zu Unrecht, denn die Verschlüsselung der Massenspeicher mithilfe von FileVault macht vor allem bei mobilen Rechnern wie MacBooks Sinn. Denn das Risiko, dass solche Systeme gestohlen werden oder verloren gehen, ist nun einmal deutlich höher als bei einem iMac oder Mac Pro.

    FileVault bei Mac OS X - Damit lassen sich die Festplatten und SSDs von Mac-Systemen verschlüsseln.Problematisch ist jedoch, wenn Daten von beschädigten FileVault-Volumes gerettet werden sollen. Der Datenrettungsspezialist Kroll Ontrack hat nun neue Tools im Einsatz, mit denen auch verschlüsselte Mac-Laufwerke wiederhergestellt werden können.

    Die entsprechenden Festplatten oder SSDs werden vor Beginn der Rettungsaktion den Mitarbeitern des Unternehmens entschlüsselt. Anschließend startet die "Reanimierung" der Daten beziehungsweise der Laufwerke.

    Problem: Proprietäre Verschlüsselungsverfahren

    Nach Angaben von Kroll Ontrack hat sich 2015 im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der Anfragen verdoppelt, bei denen verschlüsselte Laufwerke gerettet werden mussten. Vor allem in Unternehmen werden in zunehmendem Maße die Datenspeicher von Rechnern auf diese Weise gesichert. Das gilt nicht nur für Macs, sondern auch für Windows-PCs und Systeme mit anderen Betriebssystemen wie Linux oder Android.

    Speziell der NSA-Skandal hat dazu geführt, dass Firmen- und private Nutzer verstärkt Verschlüsselungs­verfahren einsetzen. Das Problem aus Sicht von Datenrettern ist jedoch, dass es sich bei fast allen der zwei Dutzend Verfahren, die derzeit im Einsatz sind, um proprietäre Technologien handelt. Das bedeutet, dass eine Rettung nur dann möglich ist, wenn der Nutzer den Schlüssel zur Verfügung stellt.

    Auch Daten von FusionDrives retten

    Neben verschlüsselten Mac-Laufwerken ist Kroll Ontrack nun in der Lage, so genannte FusionDrives in Macs wiederherzustellen. Ein FusionDrive ist eine Kombination aus einer großen normalen Festplatte und einem kleineren SSD-Laufwerk. Beide Komponenten sind jedoch eng verknüpft.

    Eine Datenrettung funktioniert daher nur dann, wenn sowohl HDD als auch der SSD-Teil reibungslos laufen – eine besonders anspruchsvolle Aufgabe. Kroll Ontrack greift daher auf Reverse-Engineering-Verfahren zurück, um Informationsbestände zu rekonstruieren.

    Fehlerursachen: Defekte Hardware und "dumme" User

    Nach Erfahrungswerten von Kroll Ontrack gehen 56 Prozent der Datenverluste auf ein Versagen der Hardware zurück. Auch in diesem Punkt sind mobile Rechner wie Notebooks besonders gefährdet: Sie gleiten dem Nutzer schnell einmal aus der Hand und stürzen auf den Boden. Das verkraften Festplatten und selbst SSDs nicht in jedem Fall.

    Kroll Ontrack - Die Ursachen von DatenverlustenAllerdings sind für 26 Prozent der Verluste die Benutzer selbst schuld. Klassische Bedienungsfehler sind das versehentliche Löschen von Dateien oder das Formatieren von Festplatten oder SSDs, auf denen sich noch Informationen befinden. Auch das "Herumspielen" mit RAID-Einstellungen beziehungsweise entsprechenden Tools kann zu Datenverlusten führen.

    Tipps für Verschlüsselung

    Zum Abschluss noch drei Tipps von Kroll Ontrack zum Thema Verschlüsselung von Daten, wenn auch vor dem Hintergrund "Datenrettung":

    • Wer die Wahl hat, sollte sich für eine Software-basierte Verschlüsselung entscheiden, nicht eine Hardware-gestützte. Denn eine Software-Verschlüsselung verursacht bei einer Datenwiederherstellung deutlich weniger Probleme als ein Hardware-basiertes Verfahren.
    • Bei Datenträgern mit Hardware-Verschlüsselung sollte der Nutzer darauf achten, dass er den Schlüssel selbst wählen kann. Ist das nicht der Fall, ist im Fall einer Datenrettung der Datenrettungs­spezialist darauf angewiesen, dass der Hersteller der Verschlüsselungs­lösung mit ihm kooperiert. Das ist laut Kroll Ontrack allerdings nicht immer der Fall.
    • Der Nutzer sollte in jedem Fall die Schlüssel auf sichere Weise aufbewahren, etwa auf einem USB-Stick oder dem eigenen Smartphone. In keinem Fall dürfen die Keys auf dem verschlüsselten Laufwerk aufbewahrt werden. Auch das Speichern auf einer anderen Partition derselben Festplatte oder SSD ist nicht anzuraten. Denn treten bei einem Laufwerk Schwierigkeiten auf, können davon mehrere Partitionen betroffen sein.

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