Windows 10: Kostenloses Upgrade auch für raubkopiertes Windows?


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    Für einige Verwirrung sorgte eine Ankündigung Terry Myerson, Executive Vice President der Operating Systems Group (OSG) von Microsoft, auf der WinHEC-Konferenz in China. In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters sagte er, alle Rechner mit einer älteren Version von Windows würden in Genuss des kostenlosen Upgrades auf Windows 10 kommen. Dies gelte für User in allen Ländern.

    Windows 10 Tech PreviewDarin eingeschlossen seien Rechner mit einer gültigen, aber auch solche mit einer illegitimen ("not genuine") Ausgabe des Betriebssystems. Das hieße de facto, dass Microsoft Software-Piraten, die illegale Ausgaben von Windows XP, Windows 7 und Windows 8.x einsetzen, eine Art Amnestie gewährt würde. In etlichen Kommentaren zu den entsprechenden Meldungen auf Portalen wie Ars Technica oder The Verge wurde dies kritisiert, nach dem Motto "Microsoft bestraft User, die für Windows brav bezahlt haben".

    China ist Hochburg der Software-Piraterie

    Dass Myerson diese Aussage in China machte, ist kein Zufall. Das Reich der Mitte gilt als eines der Länder mit der höchsten Quote von Software-Produkten, die gecrackt wurden beziehungsweise mit gestohlenen oder gefälschten Lizenzschlüsseln betrieben werden. Würde nur ein Teil der zig Millionen illegaler Windows-Lizenzen in legale Windows-10-Versionen umgewandelt, für die nach einem oder zwei Jahren Karenzzeit jährliche Gebühren fällig würden, wäre das für Microsoft ein Geldsegen.

    Die amerikanische Firma V.I. Labs, die sich auf Produkte für den Schutz von Software-Code spezialisiert hat, geht davon aus, dass es sich bei 43 Prozent der Software, die weltweit eingesetzt wird, um Raubkopien oder nicht lizenzierte Versionen handelt. Den Verkaufswert dieser Programme taxiert V.I. Labs auf mehr als 63 Milliarden Dollar. Führend im Bereich Software-Piraterie ist nach Angaben der Firma China, gefolgt von Russland und den USA. Deutschland liegt auf Rang neun, hinter der Ukraine, Taiwan, Italien, Frankreich und Mexiko.

    Doch kein Freifahrtschein für Raubkopien

    V.i. Labs - Weltweite Verbreitung von Software-PiraterieAllerdings relativierte Microsoft die Aussagen von Myerson: Auch dann, wenn ein User von einer illegalen Version von Windows auf eine "echte" Windows-10-Ausgabe umsteige, hieße das nicht, dass er dann eine legale Version des Betriebssystems besitze, so der Hersteller. Mit der Option, kostenlos zu einem legalen Windows 10 zu wechseln. wolle man User nur von den Vorteilen eines ordnungsgemäß lizenzierten Betriebssystems überzeugen.

    Eine etwas nebulöse Äußerung. Was sie genau bedeutet, ließ Microsoft offen. Denn bislang zeigte sich Microsoft Software-Piraten gegenüber wenig generös. So versucht das Unternehmen mit allen Mitteln, den Einsatz von illegalen Windows-Kopien zu unterbinden. Entsprechende Versionen erhalten beispielsweise keine Sicherheits-Updates.

    Aus schwarzen Schafen weiße machen

    Andererseits muss der Hersteller bestrebt sein, dass Windows 10 möglichst schnell eine breite Basis erhält, also hohe Nutzerzahlen vorweisen kann. Das lässt sich erreichen, wenn auch die "schwarzen Schafe" unter den Windows-Usern (wieder) zu regulären Nutzern werden.

    Doch das darf wiederum nicht dazu führen, dass sich private und kommerzielle Nutzer von Windows, die bislang lizenzierte Versionen einsetzten an der Nase herumgeführt fühlen. Kurzum, Microsofts Windows-Strategen bewegen sich in einem Minenfeld und müssen sich gut überlegen, wie sie zahlende Stammkunden bei Laune halten.

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