Windows Virtual Desktop, Autopilot, intunewin: Microsoft propagiert Windows 10 als Cloud-Service

    Microsoft AutopilotMicrosoft kün­digte einen neuen Remote­desktop-Service aus der Cloud an, der exklusiv eine Multiuser-Version von Windows 10 ver­wendet. Aber nicht nur die Bereit­stellung von Desk­tops soll sich in die Cloud verlagern, auch das Manage­ment. Zu diesem Zweck erhielten Auto­pilot und Intune neue Funk­tionen.

    Der nun auf der Ignite angekündigte Dienst Windows Virtual Desktop (WVD) vereint zwei wesentliche Kompo­nenten, die schon seit einiger Zeit bekannt waren. Dazu zählt vor allem die Remote Desktop Modern Infrastructure (RDmi), die das eingestellte Azure RemoteApp ersetzen soll.

    Windows Enterprise for Remote Desktops

    Das Besondere an RDmi besteht darin, dass die wesentlichen Infra­struktur­dienste der RDS nun Server-los bereitgestellt werden und es daher nicht mehr notwendig ist, verschiedene Rollen wie Gateways, Broker oder Web Access in eigenen virtuellen Maschinen zu installieren.

    Beim zweiten Baustein für WVD handelt es sich um eine neue, Multiuser-fähige Edi­tion von Windows 10, die vor einigen Wochen erstmals als Preview aufgetaucht ist. Damals wurde spekuliert, ob diese Client-Version irgendwann Windows Server Session Host generell ablösen würde.

    Windows 10 Enterprise for Remote Sessions enthält auch Edge

    Aktuell bleibt diese Ausführung von Windows 10 aber dem Cloud-Service vorbehalten, der alternativ aber auch einen Session Host unter­stützt. Als Vorteil des Multiuser-fähigen Client-Betriebs­systems gilt vor allem, dass Benutzer dadurch einen stets aktuellen und voll ausge­statteten Desktop erhalten. Bei Windows Server fehlt dagegen Edge, außerdem erhält die LTSC-Version nur alle drei Jahre ein Update.

    Integration mit Office 365

    Windows Virtual Desktop bietet alle drei von den Remote Desktop Services bekannten Bereit­stellungs­varianten, also einen Session-basierten oder einen virtuellen Desktop sowie einzelne Anwendungen im Stil von RemoteApp.

    Neben der exklusiven Edition von Windows 10 nennt Microsoft die enge Integration mit Services von Office 365 als weiteren Vorteil von WVD, darunter die Sicherheits-Features Conditional Access und Data Loss Prevention.

    Verfügbarkeit

    Der neue Service lässt sich nicht einzeln buchen, sondern ist Bestandteil eines Abonnements von Windows Enterprise E3. Hinzu kommen noch die Kosten für den Ressourcen­verbrauch auf Azure, wobei Anwendern alle Instanztypen für die Desktops offenstehen.

    Microsoft schätzt, dass für einen aufgaben­orientierten Arbeitsplatz ("Task Worker") noch 10 Euro zu dem ohnehin nicht ganz billigen E3-Abo hinzu­kommen. Für Wissens­arbeiter und generell rechen­intensivere Anwendungen fallen noch höhere Kosten an.

    Wenn Benutzer für virtuelle Desktops lieber Windows 7 einsetzen möchten, dann enthält Windows Virtual Desktop den kürzlich angekündigten, verlängerten Support für das OS bis 2023 ohne Aufpreis. Eine öffentliche Preview von WVD soll in Q4 verfügbar sein.

    Autopilot auch für vorhandene PCs

    Neben der Bereit­stellung von Desktops über die Cloud forciert Microsoft auch das Client-Management als Online-Service. Um einen relativ neuen Dienst handelt es bei Autopilot, der die her­kömmliche Installation des Betriebs­systems ersetzen soll.

    Bisher war er auf neue Rechner beschränkt, für die der Hersteller eine Device-ID hochladen muss. Der Administrator verbindet dies dann mit einem Deployment-Profil, aus dem Windows 10 beim ersten Einschalten des PCs durch den Benutzer alle vorgegebenen Einstellungen übernimmt.

    Funktionsweise von Windows Autopilot

    Künftig entfällt die Beschränkung auf neue Geräte. Allerdings muss erst das Update von Windows 7 auf 10 erfolgen, bevor die automatische Konfiguration durch Autopilot möglich ist.

    Außerdem können PCs künftig nicht mehr bloß Azure Active Directory beitreten, zulässig ist auch eine Mitgliedschaft in einem On-Prem-AD, die über eine Offline Domain Join ohne Zutun des End­benutzers hergestellt wird.

    Intune installiert alle Win32-Anwendungen

    Als Ergänzung zu Autopilot, welches für das Setup des Betriebs­systems zuständig ist, übernimmt Intune die Verteilung der Software. Auch hier verfolgt Microsoft das Ziel, den SCCM oder ähnliche Tools in der Zukunft durch den Cloud-basierten Service abzugelösen.

    Bis dato litt Intune, das beim Management von Windows 10 bevorzugt einen MDM-Ansatz verfolgt, unter einigen Limitierungen bei der Distribution von Win32-Anwendungen. So unterstützte es nur Programme, die aus einer einzelnen MSI ohne externe Abhängig­keiten bestand.

    Alle anderen Installations­medien benötigten ein Repackaging durch Tools von Drittanbietern oder sie mussten mit Desktop Bridge zu APPX konvertiert werden.

    Die Intune Management Extension (Code-Name "Sidecar"), welche die MDM-Fähigkeiten von Intune ergänzt, ist nun in der Lage, auch .exe-Dateien auszuführen. Zu diesem Zweck stellt Microsoft das Win32 App Packaging Tool zur Verfügung, welches Installations-Dateien in ein neues Format mit der Extension .intunewin umwandelt.

    Modern Management als Vision

    Mit den Updates für Autopilot und Intune macht Microsoft einen weiteren Schritt dorthin, wo es die Zukunft für das Management von Geräten mit Windows 10 sieht (die Rede ist auch von "Modern Management").

    Es basiert auf einem MDM-Ansatz für alle Device-Typen und kommt vollständig aus der Cloud. Herkömmliche Techniken wie das Erstellen und Verteilen von angepassten OS-Images haben da keinen Platz mehr.

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