Anleitung: MS Exchange Server 2016 auf Windows Server 2016 installieren

    Exchange LogoExchange dient als zen­trale Ablage und zur Verwal­tung von E-Mails, Ter­minen, Kon­ta­kten und Auf­gaben. Die Version 2016 (15.1) ist 2015 er­schienen, sie lässt seit dem Cumu­lative Update 3 auch auf Windows Server 2016 instal­lieren. Diese Anlei­tung zeigt, wie man dabei vor­geht.

    Exchange Server 2016 brachte eine Reihe von Neuerungen, die auch die Architektur und somit das Setup des Systems betreffen. Weitergehende Änderungen gab es auch bei der Kommunikation des Messaging-Systems mit den Clients.

    Änderungen bei den Client-Optionen

    So verwendet es jetzt standardmäßig kein normales Messaging Application Programming Interface (MAPI/TCP) mehr, sondern kommuniziert mit Outlook über HTTPS (MAPI/HTTP). Microsoft Outlook 2007 funktioniert daher nicht mehr mit Exchange 2016!

    Outlook Web App bekommt einen neuen Namen und heißt nun Outlook on the web. Es bringt einige neue Funktionen, welche bisher den Nutzern von Office 365 vorbehalten waren. So können jetzt alle Änderungen über den Undo-Button rückgängig gemacht werden.

    Outlook on the web bietet nun auch eine Suche für Kalender.

    Zudem wurde eine neue Funktionsleiste eingeführt, über die häufig verwendete Befehle schneller erreichbar sind. Die überarbeitete Suchfunktion findet jetzt auch Kalendereinträge.

    Konsolidierung der Server-Rollen

    In Exchange 2013 waren insgesamt drei Rollen verfügbar (in den Versionen 2007/2010 waren es sogar noch 5). Jetzt wurden die Rollen noch weiter auf nur noch zwei reduziert (Edge Transport Server und Mailbox Server). Es gibt keine eigene Rolle für den Clientzugriff (CAS) mehr, diese ist nun Teil der Mailbox-Server-Rolle.

    Microsoft verspricht außerdem eine wesentlich höhere Leistung der Datenbank­verfügbarkeits­gruppen (DAG) und ein besseres Failover, wenn eine Datenbank oder sogar ein Server ausfällt.

    Beispiel für Server-Konfiguration

    Für die folgende Anleitung verwende ich einen Windows Server 2016, dessen Speicherplatz auf diese Laufwerke aufgeteilt ist:

    • C: Betriebssystem
    • D: Exchange Installation
    • E: Exchange Datenbanken
    • F: Exchange Logdateien

    Die Laufwerke können je nach Anforderung auf schnellen oder langsameren Festplatten liegen. Man könnte auch darüber nachdenken, eine weitere Partition für die Auslagerungsdatei zu erstellen, um diese vom Laufwerk C und dem Betriebssystem zu trennen.

    Vorbereitungen

    Gelegentlich bekommt man den Tipp, dass man für die Installation von Exchange 2016 einen anderen Benutzer nehmen sollte als den Administrator. Dabei sollte man beachten, dass dieser User Mitglied in folgenden Gruppen ist:

    • Domänen-Admins
    • Organisations-Admins
    • Schema-Admins

    Vor dem Start des Exchange-Setups muss eine ganze Reihe von Features installiert werden. Dies lässt sich am einfachsten über PowerShell (als Administrator starten) erledigen:

    Install-WindowsFeature NET-WCF-HTTP-Activation45, RPC-over-HTTP-proxy, RSAT-Clustering, RSAT-Clustering-CmdInterface, RSAT-Clustering-Mgmt, RSAT-Clustering-PowerShell, Web-Mgmt-Console, WAS-Process-Model, Web-Asp-Net45, Web-Basic-Auth, Web-Client-Auth, Web-Digest-Auth, Web-Dir-Browsing, Web-Dyn-Compression, Web-Http-Errors, Web-Http-Logging, Web-Http-Redirect, Web-Http-Tracing, Web-ISAPI-Ext, Web-ISAPI-Filter, Web-Lgcy-Mgmt-Console, Web-Metabase, Web-Mgmt-Console, Web-Mgmt-Service, Web-Net-Ext45, Web-Request-Monitor, Web-Server, Web-Stat-Compression, Web-Static-Content, Web-Windows-Auth, Web-WMI, Windows-Identity-Foundation, RSAT-ADDS

    Die für Exchange 2016 erforderlichen Windows-Features lassen sich am einfachsten über PowerShell hinzufügen.

    Weitere Voraussetzungen sind das .Net Framework 4.5.2, das durch die obige Feature-Installation jedoch schon in einer neueren Version vorhanden ist, sowie das Microsoft Unified Communications Managed API 4.0

    Das Unified Communications Management API gehört zu den weiteren Voraussetzungen für Exchange 2016.

    Der Server sollte jetzt einmal neu gestartet werden, bevor die eigentlich Installation von Exchange beginnt.

    Active Directory vorbereiten

    Hinweis: Um das Active Directory-Schema anpassen zu können, muss der betreffende Benutzer Mitglied der Gruppe Schema-Admins sein. Die Installations­routine von Exchange kann zwar das Schema selbst modifizieren, sauberer ist es allerdings, wenn man es vor der eigentlichen Installation selbst erweitert.

    Über die Eingabe­aufforderung geben Sie folgende Befehle ein (Achtung: diese müssen in dem Verzeichnis ausgeführt werden, in dem sich auch das Installations­medium für Exchange 2016 befindet):

    Schema des Active Directory für Exchange 2016 vorbereiten

    Installation von Exchange 2016

    Nachdem alle Vorbereitungen erfolgreich abgeschlossen wurden, kann nun die Installation über die grafische Oberfläche erfolgen. Wichtig ist an dieser Stelle, das sei es noch einmal erwähnt, dass Windows Server 2016 erst ab dem Cumulative Update (CU) 3 von Exchange Server 2016 unterstützt wird.

    Das CU umfasst sämtliche Installations­dateien, so dass man das Setup von der CU-ISO startet.

    Vor dem Start der Installation sollte der Virescanner vorübergehend abgeschaltet werden.

    Hinweis: Die Installation des Exchange-Servers kann sich bei eingeschaltetem Windows Defender extrem in die Länge ziehen, da jede Datei nochmal einzeln überprüft wird. Es empfiehlt sich, vor der Installation den Windows Defender zeitweilig zu deaktivieren und danach wieder einzuschalten (siehe dazu meine Anleitung).

    Die Installation von Exchange ist im Großen und Ganzen recht unspektakulär, daher kommentiere ich im Weiteren nur an relevanten Stellen.

    Bei "Empfohlene Einstellungen" sollte man die Option "nicht verwenden" wählen, um weitere Einstellungen zu erhalten.

    Im Dialog "Empfohlene Einstellungen" empfiehlt es sich, die Option "nicht verwenden" zu wählen, damit anschließend die weiteren Einstellungen verfügbar sind.

    In den meisten Fällen beschränkt sich die Installation auf die Rolle des Postfach-Servers.

    Wie schon etwas weiter oben beschrieben, hat Exchange 2016 nur noch eine Rolle (Postfachrolle). Die Rolle Edge Transport wird hier aktuell nicht benötigt, sie installiert man in der Regel in einem Umkreisnetzwerk.

    Auswahl des Installationsverzeichnisses für Exchange 2016

    Im nächsten Fenster kann nun das Installations­verzeichnis gewählt werden. Auf meinem Server habe ich hierfür das Laufwerk D eingerichtet.

    Wenn man bereits einen andere Sicherheitslösung einsetzt, dann kann man den Dialog mit Ja beantworten.

    Bei den Einstellungen zum Schutz vor Schadsoftware kann man die Prüfung aktivieren, muss man aber nicht. Das hängt im Wesentlichen davon aber, ob man im Unternehmen bereits eine andere Sicherheitslösung einsetzt.

    Nach dem Abschluss der Installation muss der Server neu gestartet werden.

    Wenn alles soweit passt und keine weiteren Fehler auftauchen, kann man die eigentliche Installation starten. Sie wird nun einige Zeit dauern. Nach der Fertigstellung sollte der Server einmal neu gestartet werden. Die Installation ist damit abgeschlossen und Sie können damit beginnen, Exchange 2016 zu konfigurieren.

    3 Kommentare

    Bild von Christian Wimmer
    Christian Wimmer sagt:
    16. Februar 2017 - 16:15

    "Massaging Application Programming Interface"

    Netter Vertipper :)

    Bild von Wolfgang Sommergut
    16. Februar 2017 - 16:44

    Danke, ist korrigiert :-)

    Bild von PJames
    PJames sagt:
    19. Juli 2017 - 14:00

    Guter, hilfreicher Artikel. Vor allem, die AD-Vorbereitungs Scripte. Hier wird in der offiziellen Doku oft nur vage darauf eingegangen.
    Vielen Dank!