Seafile: Dropbox-Alternative unter Windows Server installieren

    Seafile TeaserFür das Synchroni­sieren von Dateien zwischen End­ge­räten haben sich Dienste wie Dropbox etab­liert. Wer seine Daten nicht in die Cloud über­tragen möchte, kann mit Seafile seinen eigenen Sync-Dienst auf­bauen. Für kleinere Umge­bungen, die keinen Support benötigen, reicht auch die kosten­lose Community Edition.

    Mit Seafile können Sie Dateien oder ganze Festplatten von Ihrem Desktop-PC mit Ihrem Seafile Cloud Server abgleichen und auch über das Internet darauf zugreifen. Die kostenlose Seafile App synchronisiert Daten auch mit Ihrem Smartphone oder Tablet.

    Schutz der Daten bei Hardware-Defekten

    Ich selbst nutze die Seafile Cloud auf einem Windows Server 2012 R2. Hierauf synchronisiere ich Daten von meinem PC und meinem iPad. Man könnte dies auch als Backup bezeichnen. Falls der PC oder das Tablet einmal defekt sein sollten, so liegen die synchroni­sierten Daten immer noch auf dem Server. Das soll aber natürlich nicht heißen, dass Seafile ein richtiges Backup ersetzen kann.

    Zum Leistungsumfang von Seafile gehören:

    • Synchronisation von Dateien
    • Client-seitige AES 256/CBC Verschlüsslung der Dateien möglich
    • Versionierung von Dateien, um Änderungen zurückzunehmen
    • Teilen von Dateien mit Kollegen über das Web-Interface (auch in Gruppen organisierbar)
    • Web-Oberfläche, in der Dateien verwaltet werden können
    • (Mini-)Messenger und Wiki im Web-Interface
    • Desktop-Clients zur Synchro­nisation für Windows, Mac OS X und Linux
    • Mobile Clients für Android und iOS, die Dateien aufrufen und hochladen können

    Installation auf Windows Server 2016

    Als wesentliche System­voraussetzung benötigt man zuerst Python, das man von der Website des Projekts kostenlos herunterladen kann. Die Installation gestaltet sich recht einfach.

    Wichtig ist es, im Setup-Wizard die Option Add python.exe to Path zu aktivieren.

    python.exe sollte bei der Installation in den Suchpfad aufgenommen werden.

    Damit steht schon mal das Grundgerüst für die Seafile Cloud.

    Kommen wir nun zur eigentlichen Installation. Auf dem Laufwerk, auf dem später die Seafile Cloud laufen soll, legen wir einen Ordner an (der Name kann hier variieren). Es würde sich hier anbieten, eine eigene Festplatte für Seafile zu verwenden, um diese von der Betriebs­system­partition zu trennen.

    In meinem Beispiel lege ich unter dem Laufwerk C den Ordner Seafile an.

    Jetzt lade ich von der Seafile-Homepage den Seafile Server for Windows herunter. Den Inhalt des ZIP-Archivs entpacke ich in unseren Seafile-Ordner, welchen ich eben auf dem Laufwerk C angelegt habe. Danach wechsle ich ins eben erzeugte Unterverzeichnis und führe dort die Datei run.bat als Administrator aus.

    Die Installation von Seafile erfolgt über die mitgelieferte Batch-Datei run.bat

    Danach öffnet sich der Installationsdialog und es wird gefragt, auf welchem Laufwerk die Daten abgelegt werden.

    Der Wizard erwartet die Auswahl des Laufwerks für die Daten.

    Die Installation läuft nun sehr schnell und von alleine durch. Auf dem oben ausgewählten Laufwerk wird nun ein Ordner Seafile-server angelegt. Dies sind nun alle Ordner, welche der Seafile Server später braucht. Hier werden alle synchron­isierten Daten abgelegt.

    Icon für die Konfiguration von Seafile im System TrayNach dem Abschluss der Installation müsste nun im System Tray ein „S“ erscheinen. Sollte dies nicht der Fall sein, dann führen Sie noch einmal die run.bat aus dem Installations­verzeichnis aus.

    Nun kann man über einen Klick auf das erwähnte S-Icon in der Taskleiste (Syncwerk Server Icon) das System konfigurieren.

    Konfiguration von Seafile über das Kontextmenü des S-Icons im System Tray.

    Als erstes empfehle ich, Seafile als Dienst laufen zu lassen (Install as a Windows Service), so dass die Seafile Cloud auch dann verfügbar ist, wenn sich kein Benutzer angemeldet hat. in meinem Beispiel habe ich den Befehl schon ausgeführt, daher ist er im Screenshot ausgegraut.

    Anlegen des administrativen Kontos für Seafile

    Zudem muss unter Add an admin account ein erstes Konto angelegt werden, mit dem man sich an der Seafile Cloud anmelden kann.

    Damit würde der Seafile Server jetzt laufen. Testen können Sie dies lokal auf dem Server im Web-Browser unter der URL http://localhost:8000.

    Erste Anmeldung am Seafile Server über die Browser-Oberfläche

    Damit der Server jetzt auch aus dem Netzwerk erreichbar ist, sollten Sie in der Windows-Firewall die TCP Ports 443, 8000, 8082, 10001 und 12001 freigeben.

    Darüber hinaus wollen Sie den Server aus Ihrem Netzwerk unter seinem Namen oder seiner IP Adresse ansprechen. Die Einstellungen dafür nimmt man in der Datei ccnet.conf vor. Zu finden ist diese unter C:\seafile-server\conf. Sie lässt sich einfach per Notepad bearbeiten.

    Anpassen der Netzwerkeinstellungen über die Konfigurationsdatei ccnet.conf

    Geändert werden sollte dort der Wert für Service_URL. Der Server ist zwar jetzt schon aus dem LAN erreichbar und man kann sich auch anmelden, aber er lässt keinen Dateitransfer zu, da die aufgerufene URL des Servers nicht mit dem Ziel übereinstimmt.

    Geänderte IP-Adresse in der ccnet.conf

    Nach dem Editieren der Datei muss der Seafile-Dienst einmal neu gestartet werden, um die Einstellungen zu übernehmen.

    Hochladen der ersten Dateien auf den Seafile Server über den Web-Browser

    Wenn Sie nun versuchen, aus Ihrem LAN heraus etwas auf dem Seafile Server hochzuladen, sollte dies ohne Probleme funktionieren.

    Sie haben nun einen funktionierenden Seafile Server bzw. eine Seafile Cloud in Ihrem Netzwerk. Beachten Sie aber bitte, dass die Verbindung vom und zum Seafile Server nicht verschlüsselt ist. Sollten Sie also vorhaben, den Server auch außerhalb Ihres LANs zur Verfügung zu stellen, so empfiehlt es sich, den Datenverkehr über HTTPS laufen zu lassen.

    Stärken und Schwächen von Seafile

    Pro

    • Software läuft stabil
    • Höhere Sicherheit durch Client-seitige Verschlüsselung
    • Synchronisation läuft in der Regel problemlos, auch bei großen und vielen Dateien
    • In C und Python entwickelt, wodurch es ressourcensparend ist und performant sogar auf einem Raspberry Pi läuft
    • Einfache und problemlose Handhabung bei Updates
    • Kann unter Windows und Linux betrieben werden

    Contra

    • Keine Synchronisation von Kalender und Kontakten
    • Standardkonfiguration verwendet spezielle Ports, die durch manche Firmenfirewalls geblockt werden
    • Erweiterung durch (selbst entwickelte) Plugins nicht (leicht) möglich

    3 Kommentare

    Bild von TB
    TB sagt:
    24. Oktober 2017 - 22:50

    Danke für den Beitrag. Aber mal angenommen ich möchte meinen Server jetzt von außerhalb meines Netzwerkes über dyn dns erreichen, dann muss ich ja die IP mit der dynDomain ersetzen. Der ist dann auch von außerhalb erreichbar, aber wie kann ich ihn dann auch noch gleichzeitig im Lan zuhause benutzen? Gibt es da eine Möglichkeit?
    LG TB

    Bild von mm
    mm sagt:
    30. Oktober 2017 - 11:30

    Hallo TB,
    Ich nehme an du besitzt eine Firewall oder einen Router. Zugriffe von aussen sollten über die Firewall gefiltert/gesteuert werden. Das heisst die lok. IP-Adresse in der Config belassen, danach auf der Firewall NAT konfigurieren und entsprechende Route definieren.
    gruss

    Bild von Ralf
    Ralf sagt:
    5. November 2017 - 9:11

    Hi!

    Ein aus meiner Sicht wichtiger Aspekt von Seafile ist hier noch gar nicht erwähnt worden: Seadrive! Seadrive kam mit der Seafile Version 6 hinzu. Seadrive bindet Inhalte auf dem Seafile Server als virtuelle Laufwerke in die eigene Verzeichnisstruktur ein. Insofern funktioniert Seadrive ähnlich Windows-Freigaben, aber doch mit wichtigen Unterschieden: a.) Der gesamte Verzeichnisbaum wird gecacht. Die Navigation ist ohne Verzögerung möglich. b.) Die Ablage von Daten ist auch offline möglich. Caching sei dank. c.) Einmal abgerufene Daten müssen nicht erneut runtergeladen werden. Man hat auf Sie sofort Zugriff. Richtig: Caching steckt dahinter. In diesem YouTube Video kann man sich das anschauen: https://www.youtube.com/watch?v=tWHSuY7ZZvM

    Gerade für Leute mit kleiner SSD ist das ein riesen Vorteil. Der Seadrive Client ist zwar noch nicht offiziell production-ready, aber wir nutzen ihn seit einigen Monaten und haben keine Problem.

    Grüße
    Ralf