Spot, Reservierungen, Sparpläne: Kosten für Azure-VMs reduzieren


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    Azure-VMNeben einer rein nutzungs­basierten Bezahlung für die in Anspruch genommenen Ressourcen bietet Microsoft für Azure-VMs noch weitere Abrechnungs­modelle, die zum Teil hohe Rabatte umfassen. Bei ihnen handelt es sich um Spot, Reservierungen und Sparpläne. Jedes von ihnen geht jedoch mit bestimmten Ein­schränkungen oder Verpflichtungen einher.

    Eine Art von Volumenrabatt für jede Art von Azure-Ressource ergibt sich bereits durch den Typ des verwendeten Azure-Abonnements. Große Unternehmen verfügen meist über ein Enterprise-Agreement (EA), KMUs dagegen bevorzugen häufig das Cloud Solution Provider Model (CSP), bei dem Sie Cloud-Kontingente von einem Microsoft-Partner erwerben.

    Spezifischer für den Bezug von IaaS-Ressourcen wie Azure-VMs ist das Kaufmodell. Neben dem aktuell ausgewiesenen gültigen Bezugspreis gibt es mit Spot, Reservierungen und Sparplänen noch weitere Optionen.

    Die Preisinformationen auf der zugehörigen Produktseite

    Hohe Rabatte über Spot-Markt

    Auf der Preisseite ist auf dem ersten Blick zu erkennen, dass der so genannte Spot-Preis bis zu 90 Prozent unter dem aktuellen On-Demand-Preis liegen kann. Den so genannten Spot-Markt nutzt Microsoft, um die zwangsläufig vorhandenen Überkapazitäten nicht ungenutzt zu lassen.

    Fordern aber andere Kunden Kapazität auf einem regulären Weg an, dann haben diese Vorrang und Microsoft nimmt Ihnen die auf Spot basierenden VM-Instanzen wieder weg. So erzielt Microsoft eine optimale Auslastung seiner Rechenzentren. Der jeweils aktuelle Spot-Preis lässt sich jederzeit über das zugehörige API abfragen.

    Die VM-Serien und Preise werden auch im Bereitstellungsassistenten angezeigt.

    Möchten Sie die VM zum aktuellen Spot-Preis erwerben, dann setzen Sie im Tab Grundeinstellungen des VM-Assistenten den Haken bei Mit Azure Spot-Rabatt ausführen. Hier haben Sie die Wahl zwischen Nur Kapazität und Preis oder Kapazität.

    Im ersten Fall bekommen Sie die rabattierte VM nur solange, als auseichend Überkapazität bei Microsoft vorhanden ist. Im zweiten Fall können Sie ein Gebot (Höchstwert) für den VM-Preis abgeben, das mindestens den aktuellen Hardware-Kosten (gerade gültiger Spotpreis) entsprechen muss.

    Gehen Sie hier etwas höher, dann liegen Sie immer noch deutlich unter dem On-Demand-Preis, aber die Chance ist dann größer, dass Sie die VM - ausreichend Überkapazität vorausgesetzt - länger behalten, bis der aktuelle Spot-Preis Ihr Gebot überschreitet.

    Spot-VMs können erhebliche Einsparungen bieten, wenn Ihr Workload deren plötzlichen Verlust toleriert.

    Reservierungen

    Neben den Spot-Instanzen gibt es noch weitere Einsparoptionen. Bei Compute können Sie neben Nutzungsbasierter Bezahlung, welche den aktuell gültigen On-Demand-Preis zugrunde legt, auch Volumen-Rabatte dadurch erzielen, dass Sie Reservierungen oder Sparpläne für ein oder drei Jahre erwerben.

    Reservierungen machen vor allem dann Sinn, wenn Sie eine bestimmte Instanzgröße rund um die Uhr benötigen, da ungenutzte Reservierungen verfallen. Verpflichten Sie sich aber zur Abnahme auf ein oder drei Jahre, dann gewährt Microsoft einen entsprechenden Volumenrabatt vorbehaltlich der Verfügbarkeit von bis zu 70 Prozent.

    Dabei haben Sie trotzdem noch eine gewisse Flexibilität in der Anwendung einer Reserved Instance (RI), wenn Sie bei deren Konfiguration für Flexibilität bei der Instanzgröße entscheiden. Der Rabatt gilt dann automatisch für alle VMs der angezeigten Familie.

    Reservierte Instanzen ermöglichen bei 24/7-Nutzung hohe Nachlässe, weil sich Kunden zur Abnahme verpflichten.

    Reservierungen gibt es übrigens nicht nur für IaaS (VMs), sondern auch für zahlreiche andere Azure-Dienste. Suchen Sie dazu im Azure-Portal nach Reservierungen und dann auf Hinzufügen.

    Sie können Reservierungen für verschiedene Azure-Dienste erwerben und dadurch bei 24/7-Nutzung Geld sparen.

    Sparpläne (Saving Plans)

    Ein Sparplan für Azure Compute funktioniert ganz ähnlich wie eine Reservierung, indem Sie sich mit ein- oder dreijähriger Laufzeit für einen festen Stundenaufwand zur Abnahme verpflichten. Im Gegenzug räumt Microsoft einen Rabatt von bis zu 66 Prozent ein.

    Sie bezahlen für jede Stunde, in der Sie den Sparplan nutzen, den reduzierten Satz, bis Sie den Betrag erreichen, zu dem Sie sich verpflichtet haben. Danach rechnet Microsoft wieder den regulären nutzungs­basierten Tarif ab.

    Berechtigt für Compute-Sparplan-Rabatte sind neben VMs auch dedizierte Hosts, Container und Azure-App-Services.

    Reservierungen versus Sparpläne

    Da stellt sich unweigerlich die Frage, worin genau der Unterschied von Sparplänen zur reservierten Instanz besteht.

    Sowohl die Azure-Reservierung als auch der Sparplan gelten zunächst nur für den Infrastrukturteil der Ressource und nicht für die Lizenz. Das Kaufmodell ist dasselbe, entweder monatlich oder ein bzw. drei Jahre im Voraus. Abgerechnet wird pro Stunde. Die wesentlichen Unterschiede sind aber folgende:

    • Die Azure-Reservierung wird für eine bestimmte Region und einen bestimmten SKU-Typ erworben. Wie oben beschrieben, können Sie aber die Flexibilität aktivieren, die dann für dieselbe SKU-Familie gilt. Eine RI bietet die Möglichkeit zum Stornieren oder Zurückgeben bis zu einer  Erstattungs­obergrenze von 50 USD.
    • Beim Sparplan für Compute (im Falle von VMs) haben Sie aber ein hohes Maß an Flexibilität, bei dem die einzigen erforderlichen Informationen der Umfang, der Betrag des Azure-Plans und die Laufzeit sind. Es ist nicht notwendig, eine Region oder einen SKU-Typ auszuwählen. Dafür ist der Rabatt nicht ganz so hoch. Außerdem verfällt der Betrag, sobald er zugesagt und gekündigt wurde.

    Basierend auf den geschäftlichen Anforderungen können entweder RI, ein Sparplan oder beide erworben werden, um auf maximal zu profitieren. Allerdings sind Sparpläne nicht für Abonnements von Typ nutzungsbasierte Bezahlung verfügbar.

    Sparpläne bietet je nach Anforderung ggf. etwas mehr Flexibilität als Reservierungen.

    Lizenzkosten

    Zu den Lizenzkosten hier ein paar Denkanstöße: Die Lizenzkosten für Windows bei IaaS sind normalerweise im Stundenpreis der Hardware enthalten. Mit dem Azure-Hybridvorteil können Sie diesen Stundenpreis um den Lizenzkostenanteil reduzieren, wenn Sie über eine Windows-Server-Lizenz verfügen, die Sie zur Anwendung des Hybrid-Use-Benefits für Azure Cloud-VMs berechtigt (Software Assurance).

    Microsoft bietet schon im Azure-Portal beim Erstellen der VM die Möglichkeit, sich über die Voraussetzung für Hybrid Use Benefit zu informieren. Das Thema ist komplex, da Kunden ihre vorhandenen Lizenzen aus unter­schiedlichsten Kanälen mitbringen, unter anderem auch über SPLA (Service Provider Lizenz Agreement).

    Darüber hinaus ist das Ganze mit Reservierungen kombinierbar, und hier gibt es viele Fallstricke. Um diese zu umgehen, sollte man einen Lizenz-Experten konsultieren, um eine etwaige Unterlizensierung zu vermeiden. Überprüft wird die Inanspruchnahme des Rabatts bei Setzen des Häkchens selbst­verständlich nicht.

    Fazit

    Microsoft bietet mehrere Abrechnungsmodelle, unter denen virtuelle Maschinen in Azure gebucht werden können. Neben einer regulären verbrauchsabhängigen Nutzung lassen sich Kosten in erheblichem Ausmaß sparen, wenn man Spot-Preise, Reservierungen oder Sparpläne nutzt.

    Die Rabatte gibt es indes nicht umsonst, vielmehr muss man sie mit Einschränkungen oder längerfristigen Verpflichtungen bezahlen. Diese sollte man kennen, um die das Einsparpotenzial maximal auszuschöpfen.

    Neben der Möglichkeit, Kosten mit Spot, RIs oder Sparplänen durch Vorauszahlungs­nachlässe zu reduzieren, sollten Sie auch über die Betriebszeiten Ihrer VMs nachdenken. Ist es wirklich erforderlich, dass diese 24/7 jede Minute im Monat durchlaufen?

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    Bild von Thomas Drilling
    Thomas Drilling arbeitet seit mehr als 20 Jahren selb­ständig als Redakteur und Autor für viele ehe­malige und aktuelle IT-Magazine sowie Blogs. Thomas ist zudem Buch­autor und IT-Consultant. Seit 5 Jahren ist Thomas neben seiner journa­listischen Tätig­keit haupt­beruflicher, selb­ständiger IT-Trainer für VMware und Microsoft.

    Seine Themen­schwer­punkte sind Virtua­lisierung und Cloud Com­puting, speziell VMware, Amazon Web Services, Google Cloud und Microsoft Azure. Thomas ist zerti­fi­zierter VMware Professional, Advanced Professional und wurde von VMware in den Jahren 2016, 2017, 2018, 2019 und 2020 mit dem Blogger-Status vExpert ausge­zeichnet.

    Thomas ist außerdem zertifi­zierter AWS Solu­tions Archi­tect, Sysops Engineer und Devops Engineer sowie Microsoft Certified Azure Admini­strator.

    Thomas führt aktuell jeden zwei­ten Mon­tag einen 4-tägigen Grund­lagenkurs in Cloud Computing mit AWS via Zoom-Meeting durch. Weitere Infor­mationen und Anmel­dung über sein AWS-Blog.

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