VMware-VMs mit Azure Migrate umziehen: Inventar ermitteln und bewerten


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    Azure MigrateAzure Migrate kann virtuelle Maschinen von ESXi-Hosts nach Azure übertragen, wahlweise mit einem lokalen Agenten oder einer Methode, die sich auf Azure Site Recovery stützt. Die Option ohne Agent nutzt unter anderem Hypervisor-Snapshots und VMwares Changed Block Tracking.

    Die agenten­basierte Migration eignet sich auch für andere virtuelle Server in privaten und öffentlichen Clouds (einschließlich AWS-Instanzen und GCP-VMs). Diese Methode stützt sich unter anderem auf eine Reihe von Back-End-Funktionen des Azure Dienstes Site Recovery.

    Die folgende Abbildung zeigt die Architektur der agenten­basierten Migration bei VMware:

    Die Migration mittels Agent nutzt bei VMware die Backend-Dienste von Azure Site Recovery.

    Die drei wesentlichen Komponenten der agenten­basierten Architektur sind der Konfigurations- und Prozess-Server. Beide sind in der Azure Replication Appliance (nicht Azure Migrate Appliance) enthalten. Hinzu kommt der Mobilitäts­dienst.

    Die Replication-VM läuft auf einem lokalen Server, der als Brücke zwischen der lokalen Umgebung und dem Cloud-Service dient. Die Appliance erkennt den lokalen Server-Bestand, so dass sie die Replikation und Migration orchestrieren kann.

    Dabei stellt der Konfigurations-Server eine Verbindung mit Azure Migrate her und koordiniert die Replikation, während der Prozess-Server die Daten repliziert. Dabei verschlüsselt und komprimiert er diese und sendet sie an Azure, wo die Server-Migration sie dann auf verwaltete Datenträger schreibt.

    Auf den zu migrierenden VMs ist dann jeweils der eigentliche Agent (Mobilitätsdienst) zu installieren. Er sendet Replikations­daten vom Server an den Prozess-Server.

    Agentenlose Migration

    Standard bei VMware ist, wie auch bei Hyper-V-VMs, die agentenlose Migration, bei der die erwähnte Azure-Migrate-Appliance im Mittelpunt steht. Sie ist in VMware einfacher bereit­zustellen, hat jedoch derzeit einige Einschränkungen, welche aber nur im Einzelfall ein Hindernis darstellen sollten.

    So ist zum Beispiel die Anzahl gleichzeitiger Replikationen auf maximal 300 VMs beschränkt. Ferner gibt es aktuell noch Probleme mit Linux/UEFI-Boot, verschlüsselten Festplatten bzw. Volumes sowie im Zusammenhang mit NFS-Volumes.

    Unter Hyper-V stützt sich die Migration auf einen dafür optimierten Workflow, bei dem man lediglich auf den Hosts oder Cluster-Knoten einen Software-Agenten benötigt. In den VMs selbst muss nichts installiert werden.

    Alternativ lässt sich auch bei Hyper-V, ähnlich wie bei VMware, eine Methode nutzen, die sich auf Azure Site Recovery stützt, ein Tool für die Notfall­wieder­herstellung. Es teilt sich nämlich einige Komponenten mit Azure Migrate, welche der Daten­replikation dienen, wenn auch für unter­schiedliche Zwecke.

    Voraussetzungen

    Um die im Folgenden für VMware geschilderten Möglichkeiten nachvollziehen zu können benötigt man eine vSphere-Umgebung mit vCenter ab 5.5, ESXi ab 5.5 und geöffnetem Port 443 in der ESXi-Firewall.

    Die Azure-Migrate-Appliance erfordert mindestens 8 vCPUs, 32 GB RAM sowie 80 GB freien Speicher­platz auf dem Datenträger. Was die reine Ermittlung von Konfigurations- und Leistungsdaten der virtuellen Server betrifft, unterstützt Azure Migrate alle Windows- und Linux-Versionen.

    Voraussetzung für die Ermittlung der installierten Anwendungen und für die Abhängigkeits­analyse bei der agenten­freien Methode ist, dass die VMware Tools (ab 10.2.1) auf den Servern ausgeführt werden.

    Ferner muss das SSO-Konto, das man auf vSphere-Seite nutzt, für das Bereitstellen der Azure-Migrate-Appliance berechtigt sein.

    Azure Migrate selbst benötigt einen vCenter-Account mit Lesezugriff für das Ermitteln (Discover) und Bewerten (Assessment) der VMware-Umgebung. Möchte man zusätzlich auch installierte Anwendungen entdecken oder die Abhängig­keits­analyse ohne Agent ausführen, dann braucht das Konto in VMware die Berechtigungen für VM-Gastvorgänge.

    Neben Azure Migrate: Server Migration unterstützt Azure Migrate auch Tools anderer Anbieter.

    Hat man ein Migrations-Projekt in Azure angelegt, dann kann man im Abschnitt Migration Tools das gewünschte Werkzeug hinzufügen, zum Beispiel Azure Migrate: Server Migration. Alternativ stehen für die Migration auch verschiedene ISVs wie etwa Zerto zur Verfügung.

    VMs ermitteln

    Hat man sich für Azure Migrate: Server Migration entscheiden, dann kann man mit einem Klick auf Ermitteln ähnlich wie beim Assessment die gewünschte Quell­umgebung konfigurieren. So steht etwa bei der Frage Sind Ihre Computer virtualisiert der Eintrag Hyper-V oder Andere (AWS, CGP) zur Auswahl.

    Ferner lässt sich hier bestimmen, ob die Migration agenten­basiert oder agentenlos erfolgen soll. Zudem wählt man die zu verwendende Appliance aus (etwa jene aus dem Bewertungsvorgang) bzw. erstellt eine neue, und generiert einen Projektschlüssel.

    Für das Discovery muss man eine neue Appliance erstellen oder eine vorhandene aufrüsten sowie einen Projektschlüssel generieren.

    Mit diesem lässt sich die Appliance selbst VMware-seitig in ihrem Gastsystem authenti­fizieren und konfigurieren. Den Appliance Configuration Manager findet man, indem man im Browser des Gastsystems die URL https://<vm-hostname>:44368 öffnet.

    Im Abschnitt 2. Register with Azure Migrate ist dann der Projektschlüssel zu hinterlegen, gefolgt von einem Klick auf Login. Hierbei muss man den Device code kopieren und dann noch einmal auf Copy code & Login klicken.

    Appliance registrieren

    Danach kann man sich im Browser mit dem gewünschten Microsoft-Organisationskonto bei Azure anmelden. Das Ergebnis sollte etwa so aussehen:

    Die Appliance wurde erfolgreich gegen ein Azure-Cloud-Konto authentifiziert.

    Die Arbeiten an der Appliance sind damit erledigt und man kann sich wieder dem Dienst Azure Migrate im Azure-Portal zuwenden. Hier sollte jetzt im Abschnitt Migrationstools bei Azure Migrate: Server Migration die Meldung Ermittlung wird ausgeführt erscheinen.

    Server unter VMware vSphere ermitteln

    Das Ergebnis könnte so aussehen:

    Das Ergebnis der Server-Ermittlung.

    Jetzt hat der User entweder die Möglichkeit, direkt in die Liste der ermittelten Server zu wechseln, indem er dem Link mit der Anzahl folgt, um dann gezielt einzelne Maschinen für die Replikation auszuwählen.

    Alternativ klickt man direkt auf Replizieren, wählt dann bei Sind Ihre Computer virtualisiert den Eintrag Ja, mit VMware vSphere und erneut die zu verwendende Appliance aus.

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    Bild von Thomas Drilling
    Thomas Drilling arbeitet seit mehr als 20 Jahren selbständig als Redakteur und Autor für viele ehemalige und aktuelle IT-Magazine sowie Blogs. Thomas ist zudem Buchautor und IT-Consultant. Seit 5 Jahren ist Thomas neben seiner journalistischen Tätigkeit hauptberuflicher, selbständiger IT-Trainer für VMware und Microsoft.

    Seine Themenschwerpunkte sind Virtualisierung und Cloud Computing, speziell VMware, Amazon Web Services, Google Cloud und Microsoft Azure. Thomas ist zerti­fi­zierter VMware Professional, Advanced Professional und wurde von VMware in den Jahren 2017,2017,2018,2019 und 2020 mit dem Blogger-Status vExpert ausgezeichnet.

    Thomas ist außerdem zertifizierter AWS Solutions Architect, Sysops Engineer und Devops Engineer sowie Microsoft Certified Azure Administrator.

    Thomas führt aktuell jeden zweiten Montag einen 4-tägigen Grundlagenkurs in Cloud Computing mit AWS via Zoom-Meeting durch. Weitere Informationen und Anmeldung über sein AWS-Blog.

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