Übersicht: Kostenlose Tools für Hyper-V

    5nine Manager als Alternative zu Hyper-V ManagerMit dem steigenden Interesse an Microsofts Hypervisor nimmt auch die Zahl der Drittanbieter zu, die Tools für das Management von Hyper-V entwickeln. Darunter finden sich eine Reihe nützlicher Programme, die kostenlos sind. Es handelt sich dabei überwiegend um Einsteiger­versionen von kostenpflichtiger Software, aber es gibt in diesem Bereich auch ein paar Open-Source-Programme.

    Während die zahlreichen Freeware-Tools für VMware ESXi nur dem Management des Hypervisors oder virtueller Maschinen dienen, besteht aufgrund der Architektur von Hyper-V dort ein Bedarf an Programmen, die ein größeres Spektrum abdecken. Nachdem bei Hyper-V immer zumindest eine Core-Variante von Windows in der Parent Partition läuft, sind auch Tools für die Verwaltung von Core von Nutzen.

    Aufgrund der Vorreiterrolle von VMware bei der x86-Virtualisierung ist das Ökosystem von Drittanbietern um ESXi und vSphere früher entstanden und das Angebot an Tools ist bis dato um einiges größer als für Hyper-V. Das verstärkte Engagement von Microsoft führt nun dazu, dass viele Hersteller aus dem VMware-Umfeld mit ihren Werkzeugen nun auch Hyper-V unterstützen. Daher eignen sich einige der hier erwähnten kostenlosen Tools für beide Plattformen.

    Backup und Replikation

    Hyper-V in Windows Server 2012 bringt eine Basisausstattung für die Datensicherung und das Disaster Recovery mit. So ist Windows Server Backup nun in der Lage, ausgewählte VMs zu sichern oder wiederherzustellen, während sie vorher nur im Rahmen eines Volume-Backups gesichert wurden (und obendrein war ein Registry-Eingriff nötig, um den VSS-Writer für Hyper-V zu registrieren).

    Für ein einfaches Disaster Recovery ist Hyper-V Replica vorgesehen. Dieses kann für kleine Umgebungen durchaus reichen, dagegen wird man bei Windows Server Backup aufgrund seiner Beschränkungen (kein Support für SMB 3 und Cluster Shared Volumes) selbst bei der Sicherung einzelner Hosts Alternativen in Erwägung ziehen.

    Veeam Backup Free Edition

    Wie das Vollprodukt Backup and Replication unterstützt die Free Edition sowohl VMware ESXi als auch Hyper-V. Sie eignet sich für das Sichern oder das Migrieren einzelner VMs. Zu den Features zählen das Wiederherstellen ganzer VMs oder einzelner darin enthaltener Dateien (File Level Restore). Durch die Integration des ehedem eigenständigen FastSCP lässt sich die Free Edition auch nutzen, um VMs zwischen Hosts zu kopieren.

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    Altaro Hyper-V Backup Free Edition

    Altaro, ein relativ neuer Hersteller von Backup-Software für virtuelle Umgebungen, bietet ebenfalls eine kostenlose Einsteigerversion von Hyper-V Backup. Diese ist auf die Sicherung von 2 VMs beschränkt und verzichtet darüber hinaus auf eine Reihe wichtiger Funktionen. So lässt sie keine Wiederherstellung einzelner Dateien aus einer VM zu und gestattet keinen Restore von VHDs unter einem anderen Dateinamen. Sie unterstützt jedoch das Backup laufender VMs und eine inkrementelle Sicherung.

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    Unitrends Enterprise Backup

    Der Hersteller bietet neben der Enterprise Edition auch eine kostenlose Version seiner Software an. Sie ist auf die Sicherung von 8 VMs beschränkt. Beim Download handelt es sich um die Testversion der Enterprise Edition, die nach Ablauf der 30-Tage-Frist zur Free Edition mutiert.

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    HV Backup

    HV Backup ist ein Open-Source-Tool für die Kommandozeile, das ein .NET Framework 3.5 voraussetzt. Die Software nutzt den VSS Writer für Hyper-V, um VMs in einem konsistenten Zustand zu sichern. Sie unterstützt zudem das Backup von VMs auf Cluster Shared Volumes. Das Tool erzeugt für jede VM ein eigenes ZIP-Archiv, das alle zur virtuellen Maschine gehörenden Dateien enthält.

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    Monitoring und Reporting

    VMTurbo Virtual Health Monitor

    Dabei handelt es sich um ein Tool, das einige Features des mächtigen Hauptprodukts für das Virtualisierungs-Management bietet (siehe meinen ausführlichen Beitrag). Die kostenlose Version beherrscht das Erfassen von Performance-Daten, sie benachrichtigt beim Auftreten von Kapazitäts- und Performance-Problemen und erlaubt das Erstellen von Berichten. Im Gegensatz zu vielen anderen kostenlosen Tools schränkt VMTurbo die Nutzung nicht auf eine bestimmte Zahl von CPUs oder Server ein. Der Virtual Health Monitor unterstützt neben Hyper-V auch VMware, KVM und XenServer.

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    Veeam ONE Free Edition

    Wie das kostenlose Backup von Veeam unterstützt auch ONE sowohl VMware als auch Hyper-V. Die Software sammelt Performance-Daten von den Servern, zeigt die Prozesse auf dem Host und in den VMs an und versendet Alarmmeldungen bei Auftreten kritischer Ereignisse. Die Free Edition kennt keine Einschränkungen hinsichtlich der Zahl an Servern oder Benutzern, es fehlen ihr aber eine Reihe von fortgeschrittenen Funktionen der Vollversion. Ein Update ist ohne Neuinstallation durch bloße Eingabe eines Lizenzschlüssels möglich.

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    SolarWinds Free VM Monitor

    Die Software dient vor allem dem Health-Monitoring von VMs und Hosts. Es liefert dabei Daten in Echtzeit zur Auslastung von CPU, Arbeitsspeicher oder zur Zahl aktiver VMs. Zusätzlich ist es möglich, für bestimmte Metriken Grenzwerte festzulegen, bei deren Überschreiten der Free VM Monitor den Administrator benachrichtigt. Die Software eignet sich nur zur Überwachung einzelner Hosts und liegt in separaten Ausführungen für Hyper-V und VMware vor.

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    ManageEngine Free HyperV Server Monitor

    Der Free Hyper-V Monitor überwacht ebenfalls einige wesentliche System­para­meter wie CPU-Last, RAM-Auslastung, Festplattennutzung und Netzwerk-Traffic. Darüber hinaus listet das Tool alle konfigurierten VMs auf, sowohl aktive als auch inaktive. Der Ressourcen-Verbrauch von Hosts lässt sich nach virtuellen Maschinen aufschlüsseln. Auch ManageEngine sieht die Definition von Grenzwerten vor, bei deren Überschreiten eine Warnung erzeugt wird. Das Tool ist auf die Überwachung von 2 Hyper-V-Hosts beschränkt.

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    HyperV_Mon

    Der Hersteller TMurgent empfiehlt seine Software nicht für das permanente Monitoring von Hyper-V, sondern sieht ihren Nutzen primär in stichprobenartigen Überprüfungen der Systemauslastung. Zu diesem Zweck liefert das Tool die grundlegenden Daten wie die CPU-Nutzung, aufgeschlüsselt nach Host und Gastsystemen. Zusätzlich gibt es Auskunft über den gesamten und verfügbaren Speicher sowie über File- und Netzwerk-I/O. HyperV_Mon erfordert die .NET Runtime 4.0 und muss nicht installiert werden.

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    Virtual Machine Migration Test Wizard

    Dieses Open-Source-Tool berichtet nur über einen bestimmten Aspekt von Hyper-V, nämlich über die Chancen für eine erfolgreiche Migration von VMs auf andere Hosts. Dabei gibt es nicht nur Auskunft darüber, ob sich eine virtuelle Maschine per Live Migration, also der empfindlichsten Variante, auf einen anderen Server übertragen lässt. Es berücksichtigt auch manuelle Formen der Migration wie Export/Import oder die Wiederherstellung von Backups.

    Das Tool eignet sich nicht nur dazu, um unmittelbar vor einer Migration zu prüfen, ob diese gelingen kann. Vielmehr lässt es sich schon einsetzen, um beim Hinzufügen eines Hosts zu einem Cluster herauszufinden, ob Inkompatibilitäten drohen.

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    Management von Server Core

    Die Architektur von Hyper-V erfordert ein vollwertiges Betriebssystem in der Parent Partition, das im Vergleich zu den Gästen in den VMs eine privilegierte Position einnimmt. Microsoft empfiehlt für diese Aufgabe die Installationsoption Server Core. Dort sollten aus technischen und lizenzrechtlichen Gründen jedoch keine weiteren Server-Rollen oder Anwendungen laufen.

    Allerdings verfügt selbst die magerste Variante des Konsolenbetriebssystems im kostenlosen Hyper-V Server 2012 einige Management-Werkzeuge, um den Hypervisor und VMs zu verwalten. Dazu zählt vor allem PowerShell 3.0 mit ihren neuen Cmdlets für Hyper-V. Wenn man dagegen grafische Tools bevorzugt, dann gibt es zu diesem Zweck ein paar kostenlose Angebote.

    Core Configurator 2.0

    Das Open-Source-Programm war eines der ersten Tools, das für die wichtigsten Aufgaben unter Server Core eine GUI bereitstellt. Es besteht aus eine Reihe von PowerShell-Scripts. Beim Management von Hyper-V beschränkt es sich auf wenige und einfache Funktionen, nämlich das Starten und Stoppen von virtuellen Maschinen. Darüber hinaus bietet es eine Thumbnail-Ansicht von aktiven VMs. Die Software läuft unter Server 2008 und 2008 R2, jedoch nicht unter Server 2012, dafür ist der Nachfolger Corefig vorgesehen.

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    5nine Manager for Hyper-V

    Beim 5nine Manager handelt es sich um ein Tool, das die meisten Aspekte bei der Konfiguration von Hyper-V-Hosts und VMs abdeckt. Es kann VMs anlegen, starten und herunterfahren, Snapshots erstellen und zu solchen wieder zurückkehren. Außerdem lässt es sich einsetzen, um die Einstellungen einer VM zu bearbeiten oder virtuelle Netzwerke zu konfigurieren. Die einzig spürbare Einschränkung der kostenlosen Version besteht darin, dass man keine RDP-Verbindung zu Gastsystemen aufbauen kann.

    5nine Manager kann im Gegensatz zu Hyper-V Manager mehrere Versionen des Hypervisors verwalten.

    Aufgrund seines Funktionsumfangs eignet sich der 5nine Manager als Ersatz für den Hyper-V Manager von Microsoft. Gerade in gemischten Umgebungen aus Server 2008 (R2) und Server 2012 (R2) ist der 5nine Manager die bessere Wahl, weil er mehrere Versionen des Hypervisors verwalten kann. Dagegen kann die Version des Hyper-V Manager, die Bestandteil von RSAT für Windows 7 ist, Hyper-V Server 2012 nicht verwalten, und jener in Windows 8 ist nicht kompatibel mit Hyper-V 2.0.

    5nine Manager kann wahlweise auf einem Client, auf einer Vollinstallation von Windows Server oder auf der Core-Variante installiert werden. Es setzt das .NET Framework 4.0. voraus. Siehe dazu meine ausführliche Besprechung von 5nine Manager for Hyper-V.

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    Storage-Management

    StarWind iSCSI SAN Free Edition

    Dabei handelt es sich nicht direkt um ein Management-Tool für Hyper-V, sondern um ein iSCSI-Target mit einer Reihe von Zusatzfunktionen. Dazu zählen ein kontinuierliches Backup, Deduplizierung, Snapshots und Thin Provisioning.

    Man kann die kostenlose Version von StarWind iSCSI SAN nutzen, um einen Windows-Rechner als Shared Storage für Hyper-V (SAN oder NAS) einzusetzen. Darüber hinaus lässt sich die Software dem Hersteller zufolge auf dem kostenlosen Hyper-V Server installieren. Die beiden Freeware-Produkte könnte man daher zu einem Billig-SAN kombinieren, beispielsweise für Testumgebungen.

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    VHD(X)-Konvertierung

    Die Hersteller von Virtualisierungs-Software implementieren aus naheliegenden Gründen nur Funktionen für den Import, aber nicht für den Export in Fremdformate. Hier springen Drittanbieter mit kostenlosen Tools ein, die eine Umwandlung in beiden Richtungen ermöglichen. Siehe dazu unsere ausführliche Übersicht für Konvertierungs-Tools.

    In Windows Server 2012 Hyper-V führt Microsoft mit VHDX ein weiteres Format für virtuelle Festplatten ein. Für die Konvertierung zwischen VHD und VHDX benötigt man jedoch keine Zusatzprogramme, diese Aufgabe lässt sich mit Bordmitteln erledigen.

    VHDs vergrößern, verkleinern, kompaktieren

    Aufgrund der spartanischen Mittel, die Windows 7 und Server 2008 (R2) für diese Zwecke bieten, entstanden mehrere kostenlose Tools, um diese Lücke zu füllen. Dazu zählen etwa der VHD Resizer oder VHDtool (siehe dazu unsere Übersicht zu Tools für VHDs).

    Unter Windows Server 2012 entfällt zunehmend die Notwendigkeit für solche Produkte, weil PowerShell dank vieler neuer Cmdlets für das Management von Hyper-V diesen Job selbst übernehmen kann.

    6 Kommentare

    Bild von Felix
    Felix sagt:
    31. Oktober 2012 - 11:00

    Klasse Infos -passt super, weil ich gerade prüfe, ob ich auf meinem Rechner Server 2012 (Core) installiere und weitere Systeme (W7, W8) dann virtuell in Hyper-V aufsetze ... Dazu eine Frage:

    Gibt es eine Möglichkeit, von einem Server Core auf das virtuelle OS zuzugreifen? Das genannte 5nine kann das ja wohl (in der kostenlosen Version) nicht? Bisher habe ich es via "minimal GUI" gemacht, aber wenn es in einer reinen Core-Umgebung ginge, wäre das besser.

    Bild von Wolfgang Sommergut
    1. November 2012 - 14:44

    Das kostenlose 5nine kann keine RDP-Verbindung zu einem Gastsystem aufbauen. Aber man kann natürlich von einem Windows-PC wie gewohnt eine Remotedesktop-Verbindung herstellen.

    Bild von Felix
    Felix sagt:
    1. November 2012 - 22:23

    Danke für die Antwort!
    ABER: die Frage ist, ob man von dem Server Core selbst (!) eine RDP-Verbindung zu dem gehosteten Client aufmachen kann?! Dass ich von irgendeinem (anderen) Windows-Client eine Session starten ist klar, aber ich möchte eben alles auf EINER Hardware laufen lassen ...

    Bild von Jan Kappen
    Jan Kappen sagt:
    1. November 2012 - 22:39

    Hi,
    standardmäßig ist dies nicht möglich, man kann sich allerdings scheinbar eine Lösung "basteln":

    http://geekswithblogs.net/twickers/archive/2010/02/24/138162.aspx

    Ob so etwas in einer Produktivumgebung Sinn macht musst du selbst entscheiden, wenn es "nur" für dich selbst ist kann dies deine Lösung sein :)
    Gruß, Jan

    Bild von Felix
    Felix sagt:
    3. November 2012 - 18:08

    Vielen Dank! Das muss ich dann mal ausprobieren -würde es mir ermöglichen, auf meinem neuen Rechner diverse OSe auszuprobieren!

    Bild von Felix
    Felix sagt:
    3. November 2012 - 23:08

    ... und dann habe ich noch das hier gefunden:
    http://publicjotting.blogspot.de/2012/06/remote-desktop-mstscexe-on-wind...

    Und das klappt!
    :-)