vCenter, vFabric, vCloud: Management-Tools von VMware im Überblick

    vCloud DirectorDer wesentliche Wettbewerb zwischen den Virtuali­sierungs­platt­formen findet nicht mehr auf der Ebene der Hypervisor statt. Vielmehr hat er sich auf die Management-Werkzeuge verlagert, die eine weitgehende Automatisierung von Rechenzentren erlauben sollen. VMware hat in weniger als 2 Jahren ein umfangreiches Tools-Portfolio zusammengestellt, das alle Bereiche des System-Managements abdecken soll.

    VMware strebt seit einiger Zeit danach, den begrenzten Fokus auf seine eigene Plattform zu erweitern und dem umfassenden Anspruch an das System-Management gerecht zu werden. Dazu gehört, dass die Tools den ganzen Stack von Server-Hardware, Storage und Netzwerk über den Hypervisor bis zu den Betriebssystemen und Anwendungen überwachen können.

    Zukauf zahlreicher Management-Tools

    Die rasche Erweiterung seines Portfolios erreichte VMware primär über Akquisitionen, wobei es die zugekauften Produkte schrittweise integriert, ausbaut und in verschiedenen Bundles vermarktet. Die Meilensteine beim Zukauf von Management-Werkzeugen waren die Übernahme der Ionix-Produkte von der Mutter EMC, die Akquisition von Springsource und damit von Hyperic, der Kauf von Integrien mit den selbstlernenden Analysefunktionen von Alive sowie kürzlich die Übernahme der Firma DynamicOps.

    Die kurz nach ihrer Ankündigung erweiterte vCloud Suite enthält nun auch 2 Tools für das Provisioning von Workloads.

    Auf der VMworld in San Francisco gab VMware die Verfügbarkeit seiner Management-Tools in Form der vCloud Suite bekannt, die zusätzlich vSphere Enterprise Plus enthält. Nur wenige Wochen später aktualisiert der Hersteller das Paket. Jetzt ist die komplette Produktpalette für Service Provisioning und Operations Management in der vCloud Suite Enterprise Edition enthalten. Etwas unübersichtlich ist dabei, dass mit der vCenter Operations Suite ein weiteres Bundle zu ihrem Umfang gehört. Sie umfasst nun:

    • vCloud Automation Center
    • vFabric Application Director
    • vCloud Director mit vCloud Connector
    • vCloud Networking and Security (ehemals vShield)
    • vCenter Site Recovery Manager
    • vCenter Operations Suite für das Monitoring, Performance- und Kapazitäts-Management

    Tools für die Bereitstellung von Ressourcen

    Während die vCloud Suite bisher nur Tools für die Bereiche enthielt, die VMware mit Cloud Infrastructure und Operations Management beschreibt, kommen nun erstmals Tools für das Provisioning hinzu.

    vFabric Application Director

    Die Software dient dazu, die VMs für mehrschichtige Anwendungen (vApps) über eine Drag-and-Drop-Oberfläche zusammenzustellen. Benutzer können damit alle erforderlichen Komponenten wie Betriebssystem, Middleware oder Datenbanken kombinieren. Solche Konfigurationen lassen sich als Blueprint speichern, so dass Anwender auf dieser Basis weitere Instanzen der Applikation erzeugen können. Neu an vFabric App Director 5.0 ist die Fähigkeit, nun auch Windows inklusive Programmen wie Exchange, Sharepoint oder SQL Server zu konfigurieren. Bisher war das Tool auf Linux-Anwendungen beschränkt.

    vFabric App Director ist ein Beispiel für die allmähliche Öffnung von VMware gegenüber Systemen anderer Anbieter, nachdem es sich bisher fast ausschließlich auf die eigene Plattform konzentriert hat. Das Tool erstellt Modelle für Anwendungen, die sich auch für den Einsatz auf anderen Infrastrukturen eignen, darunter die Amazon Web Services.

    vCloud Automation Center

    Eine weitere neue Komponente der vCloud Suite ist vCloud Automation Center 5.1, hinter dem sich die von DynamicOps erworbene Software verbirgt. Es dient der Beantragung und Bereitstellung von IT-Ressourcen, wobei ein Self-Service-Portal den autorisierten Benutzern die Möglichkeit bietet, Dienste und Leistungen in Eigenregie zu bestellen. Umgekehrt kann Automation Center nicht mehr benötigte Ressourcen entdecken und für eine anderweitige Verwendung zurückfordern.

    Die Software stellt nicht nur Ressourcen auf Basis von vSphere oder auf logischen Partitionen der virtuellen Infrastruktur bereit, die mit vCloud Director eingerichtet wurden. Vielmehr unterstützt sie auch Hypervisor anderer Anbieter (Hyper-V, XenServer, KVM), Cloud-Dienste wie Amazon Web Services und sogar die Integration physikalischer Server.

    Operations Management

    Die wichtigsten Werkzeuge für das Management von dynamischen Infrastrukturen bündelt VMware in der vCenter Operations Suite. Die darin enthaltenen Produkte decken die nächste Phase nach dem Provisioning ab, für die der App Director und vCloud Automation Center zuständig sind. Zu ihren wichtigsten Aufgaben gehören das Monitoring und das Kapazitäts-Management, die Einhaltung von Richtlinien und vorgegebenen Konfigurationen sicherzustellen, sowie das Aufspüren von Performance-Engpässen.

    Die auf der VMworld Europe angekündigte Version 5.6 bringt neben einigen technischen Neuerungen vor allem die Integration von vFabric Hyperic für die Überwachung der Performance auf Anwendungsebene. Das Tool findet sich mit jeweils verschiedenen Funktionsumfängen nur in den Editionen Advanced und Enterprise. In ihrem vollen Umfang enthält die vCenter Operations Suite nun folgende Produkte (für eine detaillierte Beschreibung der Produkte siehe meinen Beitrag zu vCOps 5.0):

    • vCenter Operations Manager: Monitoring, Reporting, Analysefunktionen
    • vCenter Configuration Manager: die über den Kauf der Ionix-Produkte an VMware gelangte CMDB
    • vCenter Infrastructure Navigator: Application Discovery mit grafischer Darstellung der Beziehungen zur virtuellen Infrastruktur
    • vCenter Chargeback Manager: verbrauchsabhängige Abrechnung der Ressourcennutzung
    • vFabric Hyperic: Performance-Monitoring für Anwendungen

    Das Hinzufügen von Hyperic ist indes nur eine Maßnahme in einer weitgehenden Reorganisation der vCenter Operations Suite. Dabei reicht VMware nämlich in der neuen Version fortgeschrittene Features von den höheren in die unteren Editionen durch. Dies führt dazu, dass am oberen Ende die Ausführung Enterprise Plus entfällt, die neue Enterprise Edition nun aber der ehemaligen Plus-Variante entspricht. Diese Verschiebung setzt sich nach unten fort, so dass die bisherige Enterprise Edition nun äquivalent zur Advanced Edition ist, das vormalige Advanced mutiert zu Standard.

    Die vCenter Operations Suite 5.6 kennt keine Enterprise Plus Edition mehr und die neue Foundation ist Bestandteil von vSphere.

    Ganz unten wandelt sich die bisherige Standard Edition zu vCenter Operations Foundation, die für Anwender aller vSphere-Editionen kostenlos zum Download bereitsteht, sofern sie einen aktiven Support-Vertrag haben. Diese freie Edition enthält wie die Standard-Ausführung nur vCenter Operations Manager, wobei sie in der Foundation im Wesentlichen auf Monitoring, Log-Analyse und Alerts reduziert wird.

    Cloud Infrastructure

    Unter diesem Sammelbegriff fasst VMware mehrere Tools zusammen, die sehr unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Dazu zählen Disaster Recovery, Security oder das Partitionieren von vSphere-Ressourcen in logische Rechenzentren.

    vCloud Director und vCloud Connector

    Die Virtualisierung mit vSphere erzeugt einen großen Ressourcen-Pool, aus dem die Leistung der darunter liegende Hardware dynamisch auf anstehende Arbeitslasten verteilt werden kann. Die Einheiten, die sich dabei zuteilen lassen, sind virtuelle Maschinen bzw. Cluster, zu denen sie zusammengefasst werden.

    vCloud Director ist in der Lage, den gesamten Ressourcen-Pool in logische Einheiten, so genannte Virtual Datacenter zu unterteilen. Sie bedienen sich ihrerseits dynamisch aus dem Topf der virtualisierten Hardware. Damit erhalten IT-Abteilungen ein Werkzeug, mit dessen Hilfe sie im Stil eines Service-Providers Ressourcen auf geschäftliche Anforderungen abbilden können, sei es durch ihre Bereitstellung für organisatorische Einheiten oder für bestimmte Prozesse. Die virtuellen Rechenzentren sind voneinander abgeschottet, so dass der vCloud Director eine mandantenfähige Verwaltung von IT-Ressourcen erlaubt.

    Der zusammen mit vCloud Director verkaufte vCloud Connector dient unter anderem dazu, in einer Hybrid Cloud die internen und externen Ressourcen (der Public Cloud) zu verbinden.

    vCloud Networking and Security

    Dabei handelt es sich um das ehemalige vShield, das aus den Komponenten vShield Endpoint, vShield App und vShield Edge bestand. vShield Endpoint dient der Abwehr von Malware und wanderte mit vSphere 5.1 in die Virtuali­sierung­splatt­form, die beiden verbleibenden Bestandteile firmieren nun unter dem neuen Namen vCloud Networking and Security. Dieses liegt in den Editionen Standard und Advanced vor.

    Während beide Ausführungen eine Firewall, einen DHCP-Server und Support für VPNs mitbringen, bleiben Load Balancing und Hochverfügbarkeit der Enterprise Edition vorbehalten. Die in der aktuellen Version eingeführte Unterstützung für VXLAN ist dagegen in beiden Varianten vorhanden.

    Das ehemalige vShield App with Data Security heißt nun schlicht Data Security und ist auf die Enterprise Edition beschränkt. Sie integriert die Lösung für Data Loss Prevention von RSA. Dieses Feature dient dazu, Daten innerhalb der VMs automatisch zu klassifizieren und herauszufinden, welchen Sicherheitsrichtlinien diese aufgrund ihrer Sensibilität unterworfen werden müssen.

    vCenter Site Recovery Manager

    Beim SRM handelt es sich um die DR-Lösung von VMware, die VMs zu Rechenzentren an anderen Standorten übertragen kann. Sie eignet sich sowohl zur Wiederherstellung von virtuellen Infrastrukturen nach einem Ausfall als auch für die Migration von Anwendungen in externe Rechenzentren. Der Site Recovery Manager unterstützt automatisches Failover zu anderen Standorten und kann ganze Umgebungen anhand festgelegter Recovery-Pläne wiederherstellen.

    Site Recovery Manager automatisiert den Failover und die Migration virtueller Maschinen an einem sekundären Standort.

    Der SRM nutzt entweder Storage- oder Host-basierte Replikation. Letztere führte VMware mit vSphere 5 ein. In vSphere 5.1 lässt sich die Host-basierte Replikation ohne SRM direkt aus vCenter steuern, so dass das Basissystem selbst eine einfache Funktion für das Disaster Recovery bietet.

    IT Business Management

    Neben der Bereitstellung von IT-Ressourcen und dem Betrieb virtualisierter Rechenzentren bietet VMware noch Tools für einen dritten Bereich an, den die Firma IT Business Management nennt. Die gleichnamige Suite erschien jetzt in der Version 7.5 und dient dazu, die Qualität und die Kosten einer Private Cloud zu messen.

    Sie erhält ein neues Modul namens IT Benchmarking, das CIOs erlaubt, die Performance seiner Abteilung anhand zahlreicher Kennzahlen mit jener der IT-Organisationen in seiner Branche zu vergleichen.

    Fazit

    Das Portfolio der VMware-Produkte für das IT-Management nimmt sich mittlerweile imposant aus und deckt ein großes Funktionsspektrum ab. Dieses reicht weit über die Administration virtualisierter Ressourcen hinaus und erschließt allmählich auch Plattformen anderer Anbieter. Keiner der Mitbewerber, auch nicht aus den "Big Four" (BMC, HP, IBM, CA), kann mehr für das Management moderner dynamischer Infrastrukturen bieten. Allerdings resultiert daraus auch eine enorme Komplexität, die es schwer macht, den Zweck und die Positionierung der einzelnen Tools zu verstehen.

    Problematisch ist das Bundling der Tools in diverse Pakete und Editionen, wobei die Verschachtelung der vCenter Operations Suite mit der vCloud Suite zu einer erheblichen Unübersichtlichkeit führt. Hinzu kommt, dass für die vCloud Suite in allen Editionen nur eine Lizenzierung pro CPU vorgesehen ist, aber der Anbieter die vCenter Operations Suite bloß nach virtuellen Maschinen oder physikalischen Hosts abrechnet, wenn man sie separat kauft. Nimmt man die Vielfalt an vSphere-Editionen hinzu, dann kann der Erwerb von VMware-Produkten durchaus zu einer kniffligen Aufgabe werden.

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