App-V 4.6: Neue Funktionen, Lizenzbedingungen und Tools

    Architektur App-VDas Update von Microsoft Application Virtualization (App-V) auf die Version 4.6 ist eine der wesentlichen Neuerungen des Microsoft Desktop Optimization Pack (MDOP) 2010. Die Software entwickelt sich immer mehr zu einem zentralen Baustein für die Bereitstellung von Anwendungen unter Windows. App-V 4.6 ist nicht nur die Version für Windows 7 und Server 2008 R2, sondern bringt zusätzlich einige neue Funktionen.

    Die wichtigste Neuerung von App-V 4.6 ist jedoch zweifellos, dass Microsofts Tool zur Applikations-Virtualisierung nun in einer Fassung für die neuesten Client- und Server-Versionen von Windows vorliegt. Nachdem der Server 2008 R2 nur mehr in einer 64-Bit-Ausführung erhältlich ist, bedeutet das, dass nicht nur die Ablaufumgebung von App-V als 64-Bit-Software vorliegt, sondern dass nun auch 64-Bit-Programme virtualisiert werden können. Damit ist App-V seinem Hauptkonkurrenten VMware ThinApp voraus, das in der Version 4.5 zwar auch das neueste Windows unterstützt, aber nur 32-Bit-Anwendungen virtualisiert.

    Bei den 2 anspruchsvollsten Szenarien für den Optimized Desktop empfiehlt Microsoft den Einsatz von App-V zur Bereitstellung von Applikationen. Es handelt sich dabei um den "Office Worker" und "Mobile Worker", die bis dato mit klassisch installierten Anwendungen bedient werden. Mit der Version 4.6 existiert nun die Ausführung von App-V, mit der im Zuge der Windows-7-Migration tatsächlich auf das neue Modell der Software-Bereitstellung gewechselt werden kann. App-V 4.6 bringt unter Windows 7 folgende Neuerungen:

    • Integration mit AppLocker: Nachdem virtualisierte Anwendungen in einer Sandbox ausgeführt werden, die Programme gegenüber Windows abschirmt, ist nicht gewährleistet, dass Systemdienste erkennen können, welche Prozesse innerhalb der Ablaufumgebung gestartet werden. In schlechtesten Fall könnte man über AppLocker entweder alle oder keine virtualisierten Anwendungen zulassen, indem man den App-V-Client in die Liste aufnimmt oder von dort entfernt. App-V 4.6 schafft die nötige Transparenz, so dass sich die Nutzung von virtualisierten Anwendungen mit AppLocker einschränken lässt. Dieses Feature wurde bereits mit dem SP1 für App-V ausgeliefert und ist nun Bestandteil des regulären Releases.
    • Unterstützung von BranchCache: Dieses neue Feature von Windows 7 Enterprise soll die Anbindung von Zweigstellen vor allem über WANs verbes­sern. Beim Einsatz von App-V 4.6 können gestreamte Anwendungen ebenfalls von BranchCache zwischengespeichert werden, so dass sich der Start von Programmen beschleunigt und weniger Bandbreite verbraucht wird.
    • Zusammenarbeit mit der neuen Taskbar: Unter Windows 7 fiel die von XP bekannte Schnellstartleiste weg, stattdessen können Anwendungen an die Taskleiste angeheftet werden. Wenn Programme während der Paketierung mit dem Sequenzer von App-V 4.6 auf diese Weise in der Taskbar fixiert werden, bleibt diese Einstellung für den Benutzer erhalten.

    Unterstützung für Office 2010

    Gerade Office als Sammlung komplexer Anwendungen und zahlreichen Abhängigkeiten von Addins und gemeinsamen Komponenten ist eine harte Nuss für die Anwendungsvirtualisierung. Microsoft stellt für die Version 2010 ein eigenes Deployment Kit zur Verfügung, das sowohl im Master-Windows, in dem der Administrator Office erfasst, als auch auf jedem Endbenutzer-PC installiert werden. Es bietet folgende zusätzliche Systemintegration:

    • Öffnen, speichern und bearbeiten von Dateien in Sharepoint
    • Suche mit Desktop Search in Outlook 2010
    • Indizierung von Office-Dateien durch Desktop Search
    • Zuordnung des mailto:-Handlers zu einem virtualisierten Outlook
    • Dokumente per Druckbefehl in OneNote speichern

    Neuerungen für zentrale Desktops

    Ein wesentliches neues Feature kommt vor allem virtuellen Desktops zugute. Es handelt sich dabei um den Read-only Cache, den sich mehrere virtuelle Maschinen teilen können. Auf diese Weise lässt sich SAN-Speicherplatz sparen. Die Einrichtung einer solchen gemeinsam genutzten FSD-Datei unterliegt einigen Bedingungen. Microsoft stellt dafür eine eigene Anleitung bereit.

    Wie schon in der Vorversion gibt es auch bei App-V 4.6 einen Client für den Terminal-Server bzw. nach neuer Nomenklatur die Remote Desktop Services (RDS). Einer der wesentlichen Vorteile der Anwendungsvirtualisierung besteht darin, Konflikte zwischen Programmen zu vermeiden und ein Nebeneinander von mehreren Versionen einer Software zu ermöglichen. In einer Multi-User-Umgebung gehören solche Unverträglichkeiten zu den notorischen Begleiterscheinungen, so dass App-V dort noch interessanter erscheinen mag als auf dem Desktop.

    Während App-V 4.6 für den Desktop wie bisher nur von Kunden mit gültiger Software Assurance als Teil des MDOP bezogen werden kann, umfasst die neue Client Access Licence (CAL) für RDS auch eine Lizenz für App-V. Das gilt sowohl für Windows Server 2008 als auch 2008 R2.

    Neue Tools im Resource Kit

    Zeitgleich mit der Freigabe von App-V 4.6 kündigte Microsoft neue Tools an, die unter anderem beim Update von einer früheren Version von App-V helfen. Sie sind Teil eines umfangreichen Resource-Kits, das noch weitere Werkzeuge für den Betrieb von Microsofts Anwendungsvirtualisierung enthält. Das App-V-Teamblog gibt einen guten Überblick über die Tools-Sammlung.

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