AWS WorkSpaces: Amazon bringt virtuelle Desktops in der Cloud


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    Amazon WorkSpacesAmazon steigt mit WorkSpaces in das Geschäft mit Desktop as a Service (DaaS) ein. Der führen­de Cloud-Provider bietet ab 2014 per­sis­tente vir­tu­elle Desktops, die in den größeren Aus­führ­un­gen auch Microsoft Office enthalten. Die Ab­rech­nung erfolgt pauschal pro Desktop und Monat.

    Das Konzept des Desktops aus der Cloud beschäftigt Analysten schon länger, sie bescheinien derartigen Diensten immer wieder großes Potenzial. Bis dato beschränkte sich DaaS jedoch auf wenige Nischenanbieter. Mit der kürzlichen Übernahme von Desktone durch VMware und der Ankündigung von WorkSpaces kommt nun Bewegung in diesen Markt.

    Desktop auf Basis von Windows Server

    Amazons virtuelle Desktops bieten zwar die Benutzeroberfläche von Windows 7, aber tatsächlich beruhen sie auf Windows Server 2008 R2. Jeder Benutzer erhält dabei eine eigene Instanz des Betriebssystems in einer VM und nicht eine RDS-Session, wie dies etwa bei Mikogo der Fall ist. Der Grund dafür liegt in Microsofts Lizenzbedingungen, die für das Client-OS kein Service Provider License Agreement (SPLA) vorsehen. Daher beschreitet auch Citrix mit Server Hosted VDI diesen Weg.

    Der Desktop entspricht jenem von Windows 7, unter der Haube läuft jedoch Windows Server 2008 R2.

    WorkSpaces umfasst neben der VM mit Windows Server als Gast je nach Ausführung zwischen 50 und 100 GB an Speichervolumen, das als Laufwerk D: gemountet wird. Benutzer können dort ihre Daten permanent ablegen und Amazon kümmert sich um ihr Backup. Der Anbieter gewährleistet eine Verfügbarkeit des Storage-Systems von 99,99 Prozent. Im Gegensatz zu den in VDI-Projekten beliebten pooled Desktops handelt es sich hier also um persistente virtuelle Desktops, die ihre Einstellungen über eine Session hinaus behalten.

    Schlanke Ausstattung mit Software

    Amazon stattet WorkSpaces standardmäßig mit Adobe Reader, Adobe Flash, Firefox, Internet Explorer 9 und 7-Zip aus. Die Plus-Editionen von Standard und Performance enthalten zusätzlich Microsoft Office Professional und die Security-Software von Trend Micro. Darüber hinaus steht es Anwendern frei, ihre eigenen Programme zu installieren.

    Dies kann auch mit Hilfe der in Unternehmen vorhandenen Tools zur Software-Verteilung erfolgen, weil WorkSpaces über eine Virtual Private Cloud bereitgestellt werden. Sie lässt sich über ein VPN an das Firmennetzwerk anbinden, so dass dortige Dienste wie etwa Active Directory genutzt werden können. Ein virtueller Desktop in der Amazon-Cloud könnte somit einer vorhandenen AD-Domäne beitreten und über Group Policies verwaltet werden.

    PCoIP statt RDP/RemoteFX

    Als Protokoll zur Kommunikation mit den Client-Geräten verwendet Amazon nicht Microsofts RemoteFX, das in Server 2008 R2 noch nicht WAN-fähig war, sondern wie VMware das von Teradici entwickelte PC-over-IP (PCoIP). Zum Start des Dienstes möchte der Provider Clients für Windows, Mac OS, iOS, Android und Kindle Fire anbieten.

    Amazon positioniert WorkSpaces vorerst nicht als generelle Alternative zum Firmen-PC, sondern als Lösung für mobile Anwender, die von unterwegs von verschiedenen Endgeräten aus auf ihren Desktop zugreifen können. Weitere Zielgruppen sind temporäre Mitarbeiter, die im Rahmen von Projekten oder als Consultants tätig sind, oder Entwickler, die über verschiedene Standorte verteilt sind.

    Dezentrale Datenhaltung als Nachteil

    Für die Nutzung von WorkSpaces als regulären Firmen-Desktop stellt sich die Frage der Datenhaltung. Eine Speicherung aller Dokumente auf dem lokalen Rechner entspricht einem Zustand, den die meisten Unternehmen als nicht wünschenswert erachten und den sie längt überwunden haben. Die dafür eingesetzten Mechanismen wie die Umleitung auf Freigaben im Firmennetz dürften bei WorkSpaces mangels Bandbreite zumeist nicht in Frage kommen. Ähnliches gilt für die zentrale Verteilung von Softwarepakten.

    Editionen und Preise

    Preislich dürfte WorkSpaces unter dem liegen, was die meisten Unternehmen für die interne Bereitstellung von virtuellen Desktops ausgeben. Die Ausführung Standard mit 1 vCPU, 3,75 GB RAM und 50GB Storage kostet pro Monat 35 Dollar, die Performance-Ausführung mit 2 vCPUs, 7,5 GB RAM und 100 GB Speicherplatz liegt bei 60 Dollar. Beide gibt es zusätzlich in der erwähnten Plus-Variante mit Microsoft Office, das sich in einem Aufpreis von 15 Dollar niederschlägt.

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    Bild von Wolfgang Sommergut

    Wolfgang Sommergut hat lang­jährige Erfahrung als Fach­autor, Berater und Kon­ferenz­sprecher zu ver­schie­denen Themen der IT. Da­ne­ben war er als System­ad­mi­ni­stra­tor und Con­sultant tätig.
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