Citrix-Updates: XenDesktop 5.5, XenApp 6.5, HDX, Receiver 3.0

    XenAppCitrix aktualisiert seine zwei Hauptprodukte für Desktop-Virtualisierung und Application Delivery, XenDesktop und XenApp. Die meisten Neuerungen entspringen dabei umfangreichen Erweiterungen für HDX, mit dem der Hersteller seinen auf ICA beruhenden Stack aus Protokollen und Client-Technologien bezeichnet. Die wichtigsten Fortschritte erzielen die Updates daher bei der Performance und der Benutzerfreundlichkeit.

    Die Erneuerung der Remote-Display-Technik hat vor allem zum Ziel, das Benutzererlebnis von Server-basierter Desktops jenem von herkömmlichen Windows-PCs anzunähern. Die Fähigkeiten der Thin-Client-Protokolle sind entscheidend für die Akzeptanz von zentralen Desktops und Anwendungen durch die End-User. Daher sind sie Gegenstand eines technischen Wettlaufs zwischen den Anbietern, wobei Citrix aufgrund seines mehrjährigen Entwicklungsvorsprungs immer noch Vorteile gegenüber neueren Konkurrenten wie dem Software-basiertes PCoIP oder SPICE hat.

    HDX-Verbesserungen bringen Fortschritte für alle Updates

    Insgesamt nennt Citrix die Zahl von 150 Erweiterungen und Verbesserungen in HDX. Entscheidende Fortschritte erzielte der Hersteller nach eigenen Angaben bei der Anbindung von Endgeräten über WANs. Gerade hier war HDX schon bisher führend, die neue Version soll trotzdem noch eine bis zu 3-fach bessere Performance bieten als bisher. Besonders profitieren sollen davon das Drucken und Scannen, für die Citrix eine bis zu 6-fache Beschleunigung gegenüber der alten Version verspricht. Der Start von Applikationen soll im Schnitt nur noch halb so lange dauern wie bisher.

    Lokale Ausführung von Flash und Aero

    Verbessert wurde auch die Multimedia-Unterstützung, unter anderem durch Flash-Redirection. Dabei werden die Flash-Inhalte nicht am Server gerendert, sondern an dafür geeignete Clients übertragen und dort lokal ausgeführt. Das kommt sowohl Video- als auch Audiodaten zugute. Auf die gleiche Weise unterstützt Citrix nun auch Aero für virtuelle Desktops unter Windows 7 vollständig, wobei in diesem Fall die DirectX-Befehle an das Endgerät zur Ausführung auf dessen GPU übertragen werden.

    RemoteFX über ICA

    Neu ist auch die von Citrix schon zu seinem Erscheinen angekündigte Unterstützung von RemoteFX. Während Microsoft diese Protokollerweiterung als Display Channel für RDP implementiert, bindet sie Citrix an ICA. RemoteFX kommt zum Einsatz, wenn Aero auf Thin Clients bereitgestellt werden soll, für die eine Aero-Redirection nicht in Frage kommt. In diesem Fall bietet sich RemoteFX als Alternative an, weil es das Rendering von Multimedia-Inhalten grundsätzlich auf den Server verlagert.

    Ringcube-Nutzung im Rahmen eines Early Access Program

    Eine weitere Neuerung von XenDesktop 5.5 besteht im Bundling von vDesk, das erst kürzlich mit dem Kauf von Ringcube an Citrix gelangte, mit allen Editionen der Software. Dabei handelt es sich noch um keine technische Integration, so dass Citrix nur im Rahmen eines Early Access Program Support gewährt und der produktive Einsatz derzeit nicht in Betracht kommt. Die Software von Ringcube, die nun auf Personal vDisk umbenannt wurde, soll die Vorteile von zentralen Einheits-Desktops mit der Möglichkeit zur persönlichen Anpassung der Arbeitsumgebung durch den User verbinden.

    Damit führt Citrix in seinem Bestreben, den Desktop zu modularisieren, einen weiteren Layer für die benutzerspezifischen Änderungen ein. Er eröffnet zwar neue Optionen bei der Implementierung von virtuellen Desktops, erhöht aber gleichzeitig die Komplexität der ohnehin als kompliziert geltenden Citrix-Lösung, die aus mehreren, bis heute nicht vollständig integrierten Produkten besteht. Derzeit erhalten Kunden die Ringcube-Software ohne Aufpreis mit XenApp, Citrix machte keine Angaben darüber, ob dies nach erfolgter Integration der beiden Produkte für alle Editionen so bleiben würde.

    XenApp 6.5

    Rund eineinhalb Jahre nach der Veröffentlichung von XenApp 6 bringt Citrix mit der Version 6.5 ein Update, das ebenfalls das primäre Ziel verfolgt, die Performance und das Benutzererlebnis zu verbessern. Einen wesentlichen Beitrag leisten auch hier die neuen Erweiterungen für HDX, die zum Großteil auch Eingang in den Nachfolger des Presentation Server fanden. Das betrifft vor allem die Verbesserungen für Multimedia-Anwendungen durch Flash- und Aero-Redirection sowie die Integration von RemoteFX.

    Neben diesen HDX-bedingten Fortschritten kommen noch XenApp-spezifische Verbesserungen hinzu:

    • Schnellerer Start von Anwendungen: ein Feature namens Instant App Access sorgt dafür, dass schon beim Anmelden eines Benutzers vorab eine Session gestartet wird. Diese existiert dann in der Regel schon, bevor der Anwender auf das Icon des gewünschten Programms klickt, so dass sich die Startzeit auf das Laden der Software reduziert. Zusätzlich werden Sessions beim Abmelden nicht gleich geschlossen (Session Linger), sondern nur getrennt, so dass ein unverzügliches Verbinden nach einer erneuten Anmeldung möglich ist.
    • Multistream ICA: Administratoren können nun ICA-Traffic auf bis zu vier TCP/IP-Streams verteilen. Der Vorteil dieses Verfahrens besteht darin, dass es einen feiner abgestuften Quality of Service (QoS) erlaubt. So lassen sich nun beispielsweise bestimmte Multimedia-Anwendungen priorisieren, ohne gleichzeitig andere Applikationen über HTTP zu beeinträchtigen.
    • Der bisher als Add-on-Pack für XenApp 6 verfügbare Support für Enhanced Desktop Experience wandert nun in das Produkt. Sein Zweck besteht darin, den publizierten Server-Desktop möglichst an jenen von Windows 7 anzugleichen. Dazu installiert es unter anderem Themes, Anwendungen aus der Gruppe Zubehör, das vom Client bekannten Startmenü und eine ebensolche Taskleiste.

    Receiver 3.0 für Windows und 11.4 für Mac

    Die zahlreichen Veränderungen in HDX müssen sich naturgemäß in der Implementierung der Client-Software niederschlagen. Entsprechend erhält der Receiver sowohl unter Windows als unter dem Mac ein Update, das sie neuen Funktionen unterstützt. Im Zuge dessen verbessert Citrix die Usability des Clients, etwa durch ein überarbeitetes Single-Sign-on sowie eine vereinfachte Self-Service-Funktion, über die Benutzer ihre Anwendungen suchen, abonnieren und ausführen können.

    Im Rahmen des gleichzeitigen Updates für mehrere Produkte kündigte Citrix auch XenClient 2.0 an. Die neue Version des Client-Hypervisors läuft auf einer größeren Zahl von Notebooks und überarbeitet zahlreiche wichtige Funktionen, die in der ersten Version nur den Stand experimenteller Implementierungen erreichten.

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