Citrix XenDesktop 5: Alle wichtigen Neuerungen im Überblick

    XenDesktop 5Gerade 2 Monate nach dem SP1 für Xendesktop 4, das wichtige neue Funktionen brachte, kündigt Citrix bereits das nächste Major Release an. XenDeskop 5 zeichnet sich kaum durch spek­taku­läre Neuerungen aus, sondern räumt das Citrix-Produktportfolio für die Desktop-Virtualisierung auf. Wichtigstes Ziel des Updates ist somit eine konsistentere, leichter zu bedienende Lösung, die eine Reihe von bisherigen Schwächen beseitigt.

    In puncto Funktionsumfang war Citrix mit seiner Lösung für Server Hosted Virtual Desktops (SHVD) schon länger Marktführer. Als erstes Produkt erhielt XenDesktop 4 SP1 von Gartner das Prädikat Enterprise-Ready, VMware zog erst kürzlich mit View 4.5 nach. Beiden Produkten mangelte es zuvor noch an einer rollenbasierten Administration und einem Change Logging.

    Reduktion der XenDesktop-Komplexität

    Kritik musste sich Citrix jedoch häufig anhören, weil die Implementierung virtueller Desktops mehrere kaum integrierte Produkte erfordert, die für zusätzliche Komplexität sorgen. So stand auf der Wunschliste von Gartner anlässlich der Auszeichnung von XenDeskop als Enterprise-ready, dass die verschiedenen Admin-Konsolen unter einer Oberfläche zusammengeführt werden.

    Tatsächlich besteht eine der wesentlichen Neuerungen von XenDesktop 5 in einer neuen Version von Desktop Studio, die alle wichtigen Funktionen in einer Konsole anbietet. So lassen sich etwa auch neue VMs für Desktops direkt aus dieser Umgebung bereitstellen.

    Management mittels Web-Konsole und PowerShell

    Gleichzeitig erweitert XenDesktop 5 die Unterstützung für Powershell, so dass sich der Hersteller entschied, nicht alle bisher verstreuten Management-Funktionen in eine Konsole zu packen. Vielmehr konzentriert sich die GUI auf die gängigsten Aufgaben und überlässt Scripts die anderen Funktionen. Um den Einstieg zu erleichtern, zeigt die Konsole bei jeder Aktion an, welches Skript sie dafür im Hintergrund ausführt.

    Neu hinzu kommt eine Browser-basierte Admin-Oberfläche namens Desktop Director. Sie richtet sich primär an den Helpdesk, der damit Anwendern auch von außerhalb der Firewall bei der Lösung von Problemen helfen kann. In Hinblick auf Desktop as a Service eröffnet die Web-Oberfläche externen Dienstleistern oder Cloud-Providern zusätzliche Support-Möglichkeiten.

    Der Vereinfachung von XenDesktop dient auch eine neue Installationsroutine, die laut Citrix in der Lage ist, das System innerhalb von Minuten einzurichten - vorausgesetzt, die Infrastruktur in Form von Hypervisor und Active Directory sind bereits vorhanden.

    Erhöhte Ausfallsicherheit

    Ein weiterer Punkt auf der Wunschliste von Gartner betrifft die höhere Leistungsfähigkeit des Desktop Brokers (Desktop Delivery Controller). Dem ist Citrix nachgekommen, indem der DDC keine Statusinformationen von virtuellen Desktops mehr selbst speichert, sondern alle derartigen Informationen im SQL Server ablegt. Damit soll sich die Verfügbarkeit von XenDesktop-Installationen erhöhen.

    In puncto Ausfallsicherheit kommt hinzu, dass Desktops über mehrere Hypervisor-Pools verteilen lassen, so dass Ausfälle von Hosts besser abgefangen werden können. Wie bisher läuft XenDesktop auf XenServer, Hyper-V und ESX, wobei die Mehrzahl der Installationen auf dem Hypervisor von VMware läuft.

    XenServer 5.6 Service Pack 2 für Storage-Optimierung

    Der Citrix-eigene Hypervisor gehört - wenn auch in verschiedenen Ausführungen - zu allen Editionen von XenDesktop. Der Hersteller bietet so zusammen mit anderen Produkten für das Application Delivery einen kompletten Software-Stack für die Desktop-Virtualisierung an.

    Während Citrix bei der Server-Virtualisierung bisher relativ erfolglos blieb, versucht die Firma XenServer als Plattform für Desktops zu optimieren, die helfen soll, grundsätzliche Probleme von SHVD zu lösen. Dazu zählt besonders die Notwendigkeit für SANs, obwohl neben den Systemdateien nur geringwertige Daten auf dem teuren Speicher landen. Die damit verbundenen Anfangsinvestitionen für virtuelle Desktops gelten als eine wesentliche Hürde für das zentralistische Modell.

    Das SP2 erweitert XenServer 5.6 um den so genannten IntelliCache, der die überwiegend temporären Daten (inklusive Auslagerungsdatei) auf lokalen Server-Platten zwischenspeichert und damit keinen SAN-Speicher beansprucht. Dies dürfte auch der Performance virtueller Desktops zuträglich sein, weil Windows in seinem Storage-I/O-Verhalten auf (exklusiv verfügbare) lokale Platten abgestimmt wurde und in der Praxis mehr Schreib- als Lesevorgänge ausführt. IntelliCache ist ein Feature aller Editionen von XenServer.

    VMware nahm sich dieser Problematik in View 4.5 ebenfalls an und erweiterte den Composer und ein hierarchisches Speicher-Management, das temporäre Dateien auf lokale Laufwerke ablegt und das gemeinsame Systemabbild beispielsweise von einem schnellen SSD-Speicher startet.

    Neue Client-Software: XenClient, XenVault

    Eines der noch nicht befriedigend gelösten Probleme zentraler Desktops ist die fehlende Offline-Fähigkeit. Sie ist wesentlich, wenn die Hersteller neue Benutzergruppen jenseits der Task-Worker gewinnen möchten. Ein zentraler Baustein für mobile virtuelle Desktops ist der Client-Hypervisor, an dem Citrix seit längerer Zeit arbeitet. Der XenClient ist dafür gedacht private und Firmen-Desktops parallel, aber voneinander abgeschottet, auf einem PC auszuführen, wobei er laufend mit dem Server synchronisiert wird.

    Citrix gab XenClient kurz vor der Ankündigung von XenDesktop in der Version 1.0 frei, so dass er nun als offizieller Baustein für die Desktop-Virtualisierung gilt. Tatsächlich leidet die Software derzeit noch unter einer Reihe von Einschränkungen, etwa der Unterstützung für relativ wenige Rechner, weil sie Intels vPro zwingend voraussetzt. Einige wesentliche Features sind noch "experimental", darunter der 3D-Support oder die nahtlose Integration von Anwendungen von einem Desktop in einen anderen.

    XenClient muss direkt auf die Hardware installiert werden und eignet sich daher primär für firmeneigene Notebooks, weil beispielsweise PCs von externen Dienstleistern erst gelöscht werden müssten, um den Hypervisor zu installieren. Für derartige Konstellationen stellte Citrix kürzlich XenVault vor, einen verschlüsselten Speicher für Enterprise-Anwendungen auf nicht von der IT-Abteilung verwalteten PCs.

    Allerdings handelt es sich dabei weniger um einen Offline-Client für XenDesktop, sondern für Anwendungen, die über XenApp oder Microsofts App-V bereitgestellt werden. VMware bietet als offline-fähigen Client in View 4.5 den Local Mode an, eine Virtualisierungssoftware nach dem Muster des VMware Player, die ein Host-Betriebssystem voraussetzt und nicht direkt auf die Hardware installiert wird.

    Receiver mit App-Store

    Der Receiver ist die Client-Software von Citrix, die nicht nur wie früher das ICA-Protokoll implementiert, sondern eine Reihe weiterer Aufgaben erfüllt. So enthält er die Ablaufumgebung für virtualisierte XenApp-Anwendungen und lässt sich über Plugins erweitern, dazu zählt etwa XenVault.

    Nachdem Rivale VMware mit View nur relativ wenige Endgeräte bedienen kann, ist Citrix bestrebt, seinen Vorsprung hier weiter auszubauen. Anlässlich von XenDesktop 5 stellte das Unternehmen eine neue Version des Receiver vor, die auch für aktuellste Tablets (iPad) und Smartphones verfügbar ist.

    Beim Remote-Display-Protokoll führte Citrix die Unterstützung für 32-Bit-Farben und ein dazu gehörendes Kompressionsverfahren, das abhängig von der verfügbaren Bandbreite arbeitet.

    Eine wesentliche Neuerung ist der App Store, ebenfalls Teil des Receivers. Er soll Endanwendern erlauben, in Selbstbedienungsmanier die Anwendungen auszuwählen, die sie für ihre Arbeit benötigen. Faktisch handelt es sich dabei um die nächste Version von Dazzle, wobei Citrix diese Bezeichnung aber nicht mehr verwendet.

    Während Dazzle auf Applikationen beschränkt war, die mit Citrix-Mitteln bereitgestellt wurden, unterstützt der neue App-Store auch Web-, Cloud- sowie herkömmliche Windows-Anwendungen und bietet zudem ein Single-Sign-on für alle diese Applikationen. VMware arbeitet derzeit noch an einem ähnlichen Konzept unter dem Codenamen Horizon.

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