Citrix XenServer 6.5: 64-Bit-Dom0, bis 96 vGPUs, Read-Cache


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    Logo XenServerCitrix kündigte rund eineinhalb Jahre nach dem letzten Release die Version 6.5 seines Hypervisors an. Sie bringt keine bahnbrechenden Neuerungen, aber mehrere Verbesser­ungen, die besonders der Virtualisierung von Desktops zugutekommen. Neu ist zudem die Enterprise Edition, die alle wichtigen Neuerungen erhält, während sie in der kostenlosen Standard Edition fehlen.

    Die langen Update-Intervalle und die in den jeweils aktuellen Releases enthaltenen Neuerungen zeigen, dass sich Citrix bei XenServer weitgehend auf die Produktpflege beschränkt. Die Verbesserungen der Version 6.5 bedeuten für bestehende Kunden unzweifelhaft einen erheblichen Fortschritt, dürften aber bei Anwendern von VMware oder Hyper-V kaum Neid wecken.

    Integration von Xen 4.4 und CentOS 5.1

    Ein Teil der Neuerungen dient dem Update der Plattform. Dazu gehört, dass XenServer nun auf dem Open-Source-Hypervisor Xen 4.4 beruht. In der Dom0, die der Parent Partition in Hyper-V entspricht, läuft nun eine 64-Bit-Version von CentOS 5.1, die das bisherige 32-Bit-Linux ablöst. Sie vereinfacht das Memory-Management und erhöht die Zahl der möglichen PCI-Geräte. Der Wechsel zum Kernel 3.10 beseitigt zudem für Citrix die Notwendigkeit, wie bisher Patches für einen angepassten Linux-Kern selbst bereitstellen zu müssen.

    Ein weiteres Open-Source-Projekt, aus dem sich die Entwicklung von XenServer speist, ist Open vSwitch. Für das aktuelle Release integrierte Citrix die Version 2.10 des virtuellen Switches. Laut Hersteller führt dies zu mehr Stabilität des Systems unter hoher Last und trägt zu der insgesamt besseren Netzwerk-Performance bei.

    Verbesserungen für VDI

    Nachdem Citrix seinen Hypervisor im Paket mit XenDesktop verkauft, dient dieser besonders der Ausführung von virtuellen Desktops. Aus diesem Grund richten sich zwei weitere Neuerungen an diesen Einsatz von XenServer. Dabei handelt es sich zum einen um die Virtualisierung von NVIDIA- Grafik­prozessoren, die Citrix mit XenServer 6.2 einführte und die nun mit 96 vGPUs pro Host doppelt so viele bereitstellen kann wie bisher. Dies ermöglicht eine größere VM-Dichte pro Server, wenn die virtuellen Desktops hohe Anforderungen an die Grafik stellen.

    XenServer 6.5 kann aufgrund insgesamt höherer Performance und des Read-Cache das Booten vieler Desktops besser bewältigen.

    Zum anderen kommt virtuellen Desktops der neue In-Memory Read-Cache entgegen, der die Belastung für Shared Storage besonders dann reduzieren kann, wenn morgens viele User ihre Rechner anschalten ("Boot Storm"). In diesem Fall werden von allen Desktops die Systemdateien von Windows geladen, die dann weitgehend aus dem Cache kommen können. Dieses Feature ergänzt den mit XenServer 5.6 eingeführten IntelliCache, der weiterhin in allen Editionen vorhanden ist, während der neue Read-Cache in der Standard­ausführung fehlt.

    Weiterhin keine Unterstützung für VHDX

    Eine weitere Storage-Neuerung von XenServer 6.5 besteht in der Fähigkeit, Blöcke auf LUNs wieder verfügbar zu machen, die zuvor von anderen VMs belegt wurden. Dagegen fehlt weiterhin die Unterstützung für Microsofts VHDX-Format für virtuelle Laufwerke. Aufgrund der von Citrix proklamierten Interoperabilität mit Hyper-V dürfte sie auf der Wunschliste vieler Anwender stehen.

    Neben den technischen Änderungen bringt XenServer 6.5 auch solche bei der Lizenzierung des Produkts. Mit der Einführung einer zusätzlichen Enterprise Edition revidiert der Hersteller seinen zuletzt eingeschlagenen Kurs, die meisten Features über die kostenlose Ausführung bereitzustellen und Einnahmen über Wartungsverträge zu generieren.

    Standard Edition ohne fortgeschrittene Features

    Wesentliche Funktionen bleiben nun den Editionen Desktop und Desktop+ oder eben der Enterprise vorbehalten. Dazu gehören Dynamic Workload Balancing (vergleichbar mit VMware DRS), die GPU-Virtualisierung (vGPU) mit NVIDIA GRID, Import-Tools für VMware vSphere sowie die Unterstützung für Intel Secure Measured Boot (TXT). Der Read-Cache ist nur in Desktop+ und Enterprise enthalten.

    Angesichts der relativ langsamen Weiterentwicklung von XenServer und der nun ungünstigeren Lizenzbedingungen dürfte Citrix die Abwanderung seiner Kunden zu Hyper-V kaum aufhalten können. Microsoft bietet den voll ausgestatteten Hypervisor kostenlos an und steht nicht in Verdacht, aus diesem Marktsegment früher oder später aussteigen zu wollen.

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    Bild von Wolfgang Sommergut
    Wolfgang Sommergut hat lang­jährige Erfahrung als Fachautor, Berater und Konferenzsprecher zu ver­schiedenen Themen der IT. Daneben war er als System­admini­stra­tor und Consultant tätig.
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