Client-Virtualisierung könnte Windows 8 bestimmen

    Mark RussinovichMark Russinovich, Chief Client Architect bei Microsoft und zuvor Gründer von Wininternals Software, äußert sich im Gespräch mit Paul Thurott darüber, was sich bei Windows 7 unter der Haube geändert hat. Im Wesentlichen bestätigt er die allgemeine Einschätzung, dass es sich dabei um moderate Weiterentwicklung von Vista handelt. Der Nutzen von Windows 7 bestehe vor allem darin, dass es in der Summe viele kleine Verbesserungen bringe.

    Auf Nachfragen von Thurott zu Windows 8 geht Russinovich nicht näher ein und widerspricht zumindest nicht der Erwartung, dass es das nächste Mal größere Änderungen geben könnte. Die weitere Perspektive des Desktops dürfte aber kaum durch wesentliche neue Features des Betriebssystems geprägt sein.

    Besteht Windows 8 aus zwei virtuellen Maschinen?

    Plausibel erscheint daher die Sicht von Gartner-Analyst Brian Gammage, der für das nächste Windows folgende Zwänge sieht:

    • Microsoft will/muss neue Funktionen in Windows einbauen
    • Die Abwärtskompatibilität mit älteren Versionen steht jedoch nicht zur Debatte
    • Windows kann aber nicht noch größer werden, weil die Komplexität zu einer Hürde für den Akzeptanz wird
    Eine Ausweg aus der Zwickmühle, das System weiterzuentwickeln, ohne die Komplexität zu erhöhen, sieht Gammage in der Virtualisierung. Der XP Mode würde dafür als Modell dienen und erlauben, dass das Betriebssystem in zwei virtuelle Maschinen aufgeteilt wird: Eine für die Abwärtskompatibilität, sie bestünde aus einem kaum veränderten Windows 7, die andere enthielte die wesentlichen Neuerungen. Während der alte Code wie bisher vorinstalliert würde, könnte der neue über das Web geladen werden.

    Russinovich bevorzugt Applikationsvirtualisierung

    Interessant sind angesichts solcher Spekulationen daher die Aussagen von Russinovich zu Virtualisierungstechniken am Client, die sich durchaus mit den Vorstellungen von Gartner vereinbaren lassen. Die größte Bedeutung sieht er aber offenbar in App-V, weil es wesentliche Schwächen im gewachsenen Anwendungsmodell von Windows kompensieren könne. Dieses trenne nicht sauber zwischen Programm- und Benutzerdaten, zwischen System- und Benutzereinstellungen. Wenn die Applikationsvirtualisierung tatsächlich an solch zentraler Stelle eine derartige Bedeutung zukommt, dann darf man darauf spekulieren, dass die Kernfunktionen von App-V mit Windows 8 in das OS integriert werden.

    Was die Virtualisierung der Client-Hardware anlangt, äußert sich Russinovich zurückhaltend bis ablehnend. Das Windows-Team habe sich immer wieder die Frage gestellt, ob es irgendwelche Szenarien gebe, bei denen der Nutzen eines Client-Hypervisors den zusätzlichen Management-Aufwand und die Performance-Einbußen rechtfertige. Selbst wenn jemand zu diesem Schluss kommen, würde Microsoft fragen, ob sich das Problem nicht mehr einem Typ-2-Hypervisor wie Virtual PC lösen lasse. Wenn Russinovich hier für seine Firma spricht, dann ist das eine Absage an Client Hypervisor, wie sie gerade von Citrix und VMware entwickelt werden.

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