Dell kauft Quest Software: Überblick über die Produkte

    Dell kauft Quest SoftwareIm Bestreben, sein Software-Business auszubauen, setzt Dell seine Einkaufstour fort und übernimmt Quest Software für 2,4 Mrd. Dollar. Quest wuchs selbst über die Jahre vor allem durch Akquisitionen und sammelte auf diese Weise eine breite Palette an Management-Tools. Daher ergänzt der Deal nicht nur das Portfolio von Dell, sondern es kommt auch zu einigen Überschneidungen.

    Aus dem breiten Angebot von Quest Software hebt die Pressemitteilung zur Akquisition 4 Bereiche hervor, von denen sich Dell einen besonderen Nutzen verspricht: Identity Management, Performance Monitoring, Management von Windows-Servern und die Datenbank-Tools.

    Datenbank-Tools als Cash-Cow

    Die TOAD-Werkzeuge für das Management von Oracle, DB2, SQL Server und andere Datenbanken gelten als das angestammte Geschäft und eine wesentliche Einnahmequelle von Quest Software. Das betrifft vor allem den deutschen Markt, in dem der Hersteller mit den in den letzten Jahren erworbenen Produkten (vor allem für das Management virtueller Umgebungen) nur wenig Anteile gewinnen konnte.

    Zahlreiche Werkzeuge für das Windows-Management

    Das zweite traditionelle Standbein von Quest Software sind die Tools für das Windows-Management, die vor allem der Migration und der Archivierung von Exchange und Sharepoint sowie der Verwaltung von Active Directory dienen. Auch hier handelt es sich um ein gewachsenes und weitgehend selbständiges Geschäft, bei dem keine großen Synergieeffekte mit dem vorhandenen Portfolio von Dell zu erkennen sind.

    Die Pressemitteilung hebt dort jedoch den Aspekt der Anwendungsmodernisierung hervor, bei dem Quest die von Dell zuletzt erworbenen Produkte von Clerify und Make Technologies ergänzen könne. Diese Aussage bezieht sich primär auf das von Quest ebenfalls erst vor einem halben Jahr erworbene ChangeBASE, das die Migration von Anwendungen auf neuere Windows-Versionen unterstützt. Dagegen sollen die beiden anderen Tools Entwicklern bei der Modernisierung von (Mainframe-)Applikationen helfen, so dass es hier wenig Berührungspunkte gibt.

    Ausbau des Security-Portfolios

    Der dritte Bereich, Identity Management und Remote Access, setzt Dells Ambitionen als Security-Anbieter fort, für die es mit dem Kauf von SonicWALL einen Grundstein gelegt hatte. Während sich Letzterer aber auf Hardware-basiertes Unified Threat Management inklusive Client-Backup konzentriert, deckt Quest auch in diesem Segment ein breites Spektrum an Funktionen ab. Dazu gehören Lösungen für das Single-Sign-on, das Management von privilegierten Usern sowie ein Virtual Directory, das auf den Kauf der deutschen Völcker Informatik AG zurückgeht.

    Tools für das Management virtueller Infrastrukturen

    Der für Dell strategisch wichtigste Bereich dürften die Tools für das Management von virtuellen Infrastrukturen sein. Hier hatte sich Quest gleich über mehrere Akquisitionen eingedeckt, zuletzt mit Software für das Kapazitätsmanagement durch den Kauf von vKernel.

    Der Analyst Bernd Harzog sieht Dell nach dem Quest-Deal als führenden Anbieter von Virtualisierungs-Tools.

    Die Verlautbarung der Quest-Übernahme durch Dell nennt merkwürdigerweise genau diese Kategorie nicht explizit, sondern führt als vierten relevanten Bereich das Performance Management an. Allerdings steht dieses durch die Virtualisierung vor neuen Herausforderungen, weil dynamische Infrastrukturen das Auffinden von Engpässen erschweren und dafür angepasste Werkzeuge erfordern.

    Freilich bietet Quest mehr als Performance Management für virtualisierte Umgebungen. So besitzt es mit vReplicator eine Lösung für das Disaster Recovery, vOptimizer reduziert den Platzverbrauch von virtuellen Laufwerken (vmdk) und vFoglight dient dem Performance- und Kapazitäts-Management von VMware und Hyper-V. In einer grafischen Marktübersicht über alle Disziplinen des Virtualisierungsmanagements zeigt Bernd Harzog von The Virtualization Practice Dell nun als führenden Anbieter, der fast alle Bereiche abdecken kann.

    Überlappung bei Backup-Produkten

    Neben den angesprochenen Produktkategorien verfügt Quest Software noch über ein eigenes Portfolio für die Datensicherung. Dazu zählen neben Recovery-Tools für das Active Directory, Exchange und Sharepoint vor allem zwei Backup-Lösungen, zum einen jenes aus der NetVault-Familie mit dem Schwerpunkt auf der Sicherung physikalischer Systeme, und zum anderen vRanger für virtualisierte Server. In diesem Bereich hat sich Dell erst kürzlich mit dem Kauf von AppAssure verstärkt, so dass es hier zu Redundanzen kommt.

    Keine Aussagen zu Desktop-Virtualisierung

    In dem Statement anlässlich des Quest-Kaufs wird das Thema Desktop-Virtualisierung überhaupt nicht erwähnt. Das ist insofern überraschend, als Quest hier mit vWorkspace eine komplette Infrastruktur mitbringt. Diese Software ergänzt das mit Wyse akquirierte Thin-Client-Business und die schon 2010 eingeführten Services rund um virtuelle Desktops.

    Langwierige Integration oder Quest als eigenständiger Bereich?

    Wie bei solchen Mega-Übernahmen üblich, hängt der Gewinn für den Käufer vor allem davon ab, wie gut er die erworbenen Produkte in das eigene Portfolio integrieren kann. Im Fall von Quest Software ist dies eine besondere Herausforderung, weil dieses Unternehmen selbst so viele Hersteller kaufte, dass bei ihm die Integration zu einer nie abgeschlossenen Aufgabe wurde. Wenn Dell bei Quest Software ähnlich verfährt wie bei KACE oder SonicWALL, dann ist ohnehin davon auszugehen, dass der Tools-Anbieter bis auf weiteres weitgehend selbständig agiert.

    2 Kommentare

    Bild von Florian Klaffenbach
    Florian Klaffenbach sagt:
    4. Juli 2012 - 0:26

    Hallo Herr Sommergut,

    vielen Dank für den ausführlichen Blog.

    Mit freundlichen Grüßen
    Florian Klaffenbach

    Bild von Peter Kriegel
    4. Juli 2012 - 13:05

    Hallo Herr Sommergut!
    Danke für den guten Artikel.
    ich habe ihn auf meiner Homepage verlinkt:
    http://www.admin-source.de/BlogDeu/365/dell-kauft-software-hersteller-qu...