Desktop-Virtualisierung statt PCs: Hardware billiger, Software teurer

    Anforderungen für virtuelle DesktopsMicrosoft beauftragte eine Studie, welche die Gesamtkosten (TCO, Total Cost of Ownership) von virtuellen und herkömmlichen Desktops ver­gleicht. Insgesamt stellte sich heraus, dass zentrale virtuelle Desktops (SHVD) teurer sind als herkömmliche PCs. Schuld daran sind nicht zuletzt die höheren Lizenzkosten von Microsoft.

    Auf die TCO-Studie wird in einem Beitrag der Product-Managerin Karri Alexion-Tiernan verwiesen, die einen Überblick über die von Microsoft unterstützten Formen der Desktop-Virtualisierung gibt. Er reflektiert die immer noch aktuelle Position, die zur Isolierung der Anwendungen vom Betriebssystem (durch App-V) ermuntert, aber die Ausführung von Windows in virtuellen Maschinen eher als Sonderfall betrachtet.

    VDI bei Hardware günstiger

    Den Nutzen von SHVD sieht die Autorin vor allem darin, dass Unternehmensdaten das Rechenzentrum nicht verlassen und dass sie flexiblere Nutzungsszenarien erlauben. Wie die TCO-Studie jedoch ergibt, haben diese einen höheren Preis. Überraschenderweise sind nicht die Hardware-Kosten, wie die oft beschworenen Ausgaben für SANs dafür verantwortlich, sondern die teureren Software-Lizenzen.

    Kosten für die Hardware: VDI und PCs im Vergleich

    Die Berechnung geht von einer Konfiguration für 2500 Office-Worker aus, die 80% ihrer Zeit am Rechner verbringen, vornehmlich mit Anwendungen wie MS Office. Die Kosten für einen PC (Core 2 Duo, 2 GB RAM, 160 GB HDD) mit Flachbildschirm wurden mit 750 Dollar veranschlagt, für Thin Clients von Wyse plus Monitor auf 450 Dollar. Für die PCs wurde eine Lebensdauer von 4 Jahren, für die Thin Clients 7 von Jahren angenommen.

    Bei virtuellen Desktops wurden im Rechenzentrum pro User zwischen 1 und 1,5 GB RAM einkalkuliert und angenommen, dass pro Kern eines Nehalem-Prozessor 6 Desktops betrieben werden können. Unter Einbeziehung von zusätzlichen Kosten für SAN-Speicher schneidet VDI um 32 % günstiger ab als herkömmliche PCs.

    Software als Preistreiber für VDI

    Insgesamt sind laut Studie die Kosten für Software-Lizenzen hauptverantwortlich für die schlechteren TCO von VDI. Da Microsoft als Auftraggeber der Untersuchung auch der wichtigste Software-Lieferant ist, sind die Ergebnisse hier am wenigsten stichhaltig.

    Kosten für die Software: VDI und PCs im Vergleich

    Vor allem ist nicht plausibel, warum die Microsoft-Kosten für XP und Windows 7 bei einer lokalen Installation gleich hoch sein sollen wie bei VDI. Bekanntlich erfordert der Zugriff auf zentrale Desktops den Abschluss einer Software Assurance oder den Erwerb einer VDA für jedes Endgerät. Die untersuchte Gruppe von Unternehmen hatte teilweise ein Enterprise Agreement (inklusive Software Assurance), erwarben VDA-Lizenzen oder besaßen wie die Mehrheit der Firmen, die herkömmliche Desktops nutzt, weder eine SA noch eine VDA.

    Selbst wenn Unternehmen bereits ein Enterprise Agreement haben, dann müssten die Kosten der inkludierten Software Assurance zumindest teilweise auf den damit abgedeckten VDI-Zugriff angerechnet werden.

    In Fällen, wo Firmen VDA-Lizenzen einsetzen, um das Recht zu erhalten, Desktops im Rechenzentrum zu betreiben, müssen diese voll als von Microsoft verursachte Kosten für VDI aufscheinen.

    Etwas tendenziös wirkt zudem, dass Kosten für die VDI-Infrastruktur immer VMware zugeschrieben werden, obwohl der enge Microsoft-Verbündete Citrix ähnliche Preise verlangt.

    Insgesamt kommt die Studie trotz der Flat Rate für Microsoft zu Mehrkosten für virtuelle Desktops in Höhe von 64%, so dass die Einsparungen bei der Hardware mehr als wett gemacht werden.

    Support- und Managementkosten

    Kaum jemand dürfte davon ausgehen, dass das Management und der Support von zentralen Desktops billiger sein könnte als von herkömmlichen PCs. Schließlich ist der Aufbau und der Betrieb von virtualisierten Servern plus einer darauf basierenden Desktop-Infrastruktur komplexer als das klassische Client-Management und erfordert zudem höhere Qualifikationen. Dennoch fällt der Unterschied überraschend moderat aus.

    Arbeitskosten: VDI und PCs im Vergleich

    So schlägt das Management der virtualisierten Server nur mit 25 von insgesamt ca. 300 Dollar pro Jahr zu Buche. Es fällt zudem auf, dass die Unterschiede beim Posten "Desktop Engineering" zwischen XP und Windows 7 physikalisch größer sind als zwischen XP und Windows 7 virtuell.

    Daraus kann man den Schluss ziehen, dass viele Verbesserungen von Windows beim Deployment und Client-Management stärker herkömmlichen Desktops zugute kommt. Die neuen Deployment-Techniken etwa spielen beim Provisioning von virtuellen Desktops keine Rolle.

    Insgesamt sind bei den Arbeitskosten die Unterschiede relativ gering, so das Ergebnis der Studie, die Software-Lizenzen der größte Preistreiber bei VDI ist.

    1 Kommentar

    Bild von  Christoph
    Christoph sagt:
    27. September 2015 - 17:03

    Ja, da kann man leider nur für alles, was nicht unbedingt unter Windows laufen muss, Linux verwenden. Ist die einzige Möglichkeit, dem Lizenz-Wucher wenigstens ein bisschen zu entkommen.