Die Wahl des richtigen Cloud-Providers: Amazon, Google, Microsoft oder doch Pironet und Nionex?

    Cloud-ComputingDer neuste Hype der IT-Branche heißt zweifellos Cloud-Computing. Im Gegensatz zu vielen anderen Themen, die im 2-Jahres-Takt hochgekocht werden, steht es für einen ähnlich grundlegenden Wandel wie seinerzeit der Übergang vom Mainframe auf Client/Server. Angesichts der frühen Entwicklungsstufe und der Bedeutung des neuen Modells sowie der Aufregung um das Thema ist der Markt wenig transparent und erschwert die Auswahl eines Anbieters. Eine von der Experton Group verfasste Studie bewertet die wichtigsten Player (PDF) für den deutschen Markt.

    Tabelle Cloud-DiensteEines der größten Probleme bei der Auswahl eines Providers besteht darin, dass sich die verschiedenen Services relativ schwer vergleichen lassen und die Anbieter alle möglichen Dienste unter dem Titel Cloud verkaufen, obwohl es sich dabei oft um herkömmliches Hosting oder Managed Services handelt. Zudem gibt es von IaaS bis SaaS ein ganzes Spektrum von Cloud-Diensten sowie Mischformen davon. Hinzu kommen rechtliche Unsicherheiten im Spannungsfeld von nationalen Vorschriften und global agierenden Providern.

    Die Ergebnisse von Experton sind keine klaren Empfehlungen für die richtige Nutzung von Cloud-Diensten. Die Präsentation und die Diskussion auf der heutigen Presseveranstaltung gaben jedoch einige wichtige Anregungen, die ich zusammen mit meinen eigenen Eindrücken im folgenden wiedergebe:

    • Es gibt verschiedene Definitionen und Variationen von Cloud-Computing. Im Zentrum steht die einfache Formel "Virtualisierung + Geschäftsmodell". Skaleneffekte, Standardisierung und Automatisierung bilden die Grundlage für weltweite, IP-basierte IT-Ressourcen. Sie werden über das Internet bereitgestellt, gemanagt und abgerechnet. Cloud-Computing transformiert "eine Schrauber-Branche" in eine Industrie.
    • Nach dem Sparzwang für die Unternehmens-IT in den letzten Jahren vergrößerte sich ihr Abstand zu den hoch effizienten und optimal ausgelasteten Rechenzentren der Cloud-Anbieter. Bis zu 80 % der IT-Budgets gehen in die Erhaltung der bestehenden Systeme (Maintenance), für Innovationen bleibt kaum Spielraum. Dagegen hat Amazon seit 2004 jedes Jahr die Zahl seiner Feature-Releases verdoppelt. Umso attraktiver werden für Unternehmen die Angebote aus der Cloud.
    • Mit dem Umstieg von selbst betriebenen Systemen zur Nutzung von Cloud-Diensten verschieben sich die Ausgaben von Investitionen (CAPEX) zu laufenden Betriebskosten (OPEX).
    • In den meisten Diskussionen um den Wandel zu Cloud-Computing dominiert die Annahme, dass Unternehmen die heute intern erbrachten Leistungen zu geringeren Kosten von außen beziehen werden. Entsprechend negativ werden die Folgen für bestimmte Berufsgruppen oder Hersteller gesehen. Die von jedermann mietbaren IT-Dienste werden m.E. jedoch zu einer stark steigenden Nachfrage führen und erlauben auch kleinen Firmen die Nutzung von hoch komplexen und kostspieligen Anwendungen, die für sie heute außer Reichweite sind.
    • Ein Indikator für die Verschiebung der Gewichte von firmeneigener IT zu Cloud sind die Verkaufszahlen für Hardware. Ein Drittel der weltweit verkauften Server ging an die Top 3 unter den Cloud-Anbietern, Amazon, Google und Microsoft. Der Umsatz im Endkundengeschäft stagniert und wird langfristig zurückgehen.
    • Die Hardwarehersteller befinden sich in einer Zwickmühle. Einerseits sollten sie aufgrund der erwarteten Marktentwicklung selbst zu Cloud-Anbietern werden. Andererseits sind sie heute Lieferanten für die großen Rechenzentren und würden diese Aufträge verlieren, wenn sie in Konkurrenz zu Amazon & Co. träten. Entsprechend attestiert Experton HP und Fujitsu ein schwaches Profil als Cloud-Anbieter.
    • Die großen Enterprise-Lieferanten haben ein unterschiedliches Verhältnis von Chancen und Risiken, d.h., sie können unter Umständen durch die Umstellung zum Cloud-Computing mehr verlieren als gewinnen. Wenn sie jedoch Cloud-Dienste anbieten, dann haben sie im Vergleich zu den Pionieren wie Amazon oder Google einen Vertrauensvorsprung bei den Anwendern.
    • Die entscheidende Frage für viele CIOs ist nicht, ob sie ihre Daten einem Cloud-Provider anvertrauen wollen, sondern vielmehr, wie sie sie im Notfall wieder zurück ins eigene Rechenzentrum bekommen. Daher sind traditionelle IT-Hersteller wie IBM und Microsoft im Vorteil, wenn sie Software und Service so kombinieren, dass ihre Produkte wahlweise intern oder in der Cloud betrieben werden können.
    • Die rechtlichen Rahmenbedingungen spielen den lokalen Anbietern wie Pironet oder der Bertelsmann-Tochter Nionex in die Hände. Zum einen haben sie ihre Rechenzentren vor Ort, was für viele IT-Manager per se Vertrauen schafft. Zum anderen ist gewährleistet, dass nicht gegen den national geltenden Datenschutz verstoßen wird, wenn die Daten etwa in den USA verarbeitet werden.
    • Die Pioniere und führenden Anbieter des Cloud-Computing kommen aus den USA und verfolgen ein globales Geschäft, ohne dabei allzu sehr auf länderspezifische Gegebenheiten einzugehen. Das betrifft etwa auch die Lokalisierung der AGBs oder den Gerichtsstand. Experton rät ausschließlich zu deutschen Verträgen, weil sie sonst im Streitfall erst für das Gericht übersetzt werden müssten und sich dadurch Interpretationspielräume ergeben.

    Keine Kommentare