Die wichtigsten Hindernisse für die Desktop-Virtualisierung


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    VDI TeaserAuch wenn das Thema Desktop-Virtualisierung noch immer große Aufmerksamkeit genießt und die Gartner-Analysten den weltweiten Markt für Hosted Virtual Desktops im Jahr 2013 auf 65 Mrd. Dollar schätzen, so sind die großen und unternehmensweiten Installationen noch rar. Nachdem die Hersteller mit ihren Produkten in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht haben, kann die Zurückhaltung der Anwender nicht alleine an technischen Unzulänglichkeiten der VDI-Lösungen liegen.

    Während die Virtualisierung von Servern dabei ist, der normale Betriebsmodus zu werden, weil die Vorteile dort relativ klar erkennbar sind, stehen dem breiten Einsatz der Desktop-Virtualisierung einige Hindernisse entgegen. Diese sind wirtschaftlicher, zu einem gewissen Grad immer noch technischer Natur und entspringen auch der Unternehmenskultur.

    Hohe Anfangsinvestitionen

    Der Einstieg in die Desktop-Virtualisierung erfordert den Aufbau einer RZ-Infrastruktur, die nicht nur die Anschaffung von Servern, sondern meist auch von SANs sowie ein leistungsfähiges Netzwerk voraussetzt. Die stark gestiegene Leistungsfähigkeit der Hardware kommt zwar besonders der Desktop-Virtualisierung zugute, dennoch bleiben die Kosten für VDI-Projekte relativ hoch.

    Während sich die Investitionen in Server-Virtualisierung aufgrund der damit erzielten Konsolidierung meist relativ schnell amortisieren, sind Kosteneinsparungen durch virtuelle Desktops schwerer zu erzielen. Ein wesentlicher Nutzen von VDI-Installationen besteht in der größeren Flexibilität für die Anwender, die sich betriebswirtschaftlich allerdings relativ schwer quantifizieren lässt.

    Alternative Modelle für zentrales Desktop-Management

    Unternehmen, die auf zentralistische Desktop-Modelle setzen, nutzen in der Regel bereits die Windows-Terminaldienste beziehungsweise Citrix XenApp. Diese bewährten Technologien erlauben eine höhere Anzahl von Anwendern pro Server, weil sich diese eine Instanz von Windows Server teilen, während bei virtuellen Desktops jeder Benutzer sein eigenes Betriebssystem erhält.

    Bei diesem etablierten Ansatz von Server Based Computing (SBC) werden zumeist einzelne Anwendungen anstatt eines ganzen Desktops zur Verfügung gestellt, so dass sich auf dem Client lokale und entfernte Applikationen kombinieren lassen. Damit kann das Problem inkompatibler Anwendungen gemeistert werden, während das Konzept zentraler Desktops keine auf dem Client installierten Programme vorsieht. Der Anspruch auf 100 Prozent zentral gehostete Applikationen lässt sich oft nur mit zusätzlichem Aufwand (etwa Blade-PCs für Anwender mit hohen Anforderungen) realisieren.

    Neben dem klassischen SBC konkurriert auch die Anwendungs-Virtualisierung mit VDI. Lösungen wie Microsoft App-V oder VMware ThinApp stellen Software zentral zur Verfügung, und übertragen sie per Streaming auf den Client. Eine herkömmliche Software-Distribution bzw. Installation entfällt damit. Applikations-Virtualisierung kombiniert die zentrale Bereitstellung von Anwendungen mit den Vorteilen der lokalen Ausführung. Wenn dieser Ansatz mit der Ablösung der Benutzerumgebung vom Betriebssystem verbunden wird, lässt sich in letzter Konsequenz die Client-Installation auf das reine Windows reduzieren.

    Eingeschränktes Benutzerlebnis

    Die Desktop-Zentralisierung bietet dem Anwender eigentlich eine größere Flexibilität, weil er von unterschiedlichen Endgeräten von jedem Ort mit Internet-Zugang auf seine zentral gehostete Arbeitsumgebung zugreifen kann und diese bei Bedarf genau so vorfindet, wie er sie verlassen hat. Anderseits schränken VDI-Systeme Anwender in mehrerer Hinsicht ein.

    Das betrifft zum einen trotz der (anstehenden) Verbesserungen bei den Remoting-Protokollen immer noch anspruchsvolle Grafikanwendungen oder VoIP-Telefonie. Zum anderen sind VDI-Lösungen derzeit nicht offline-fähig, was durch einen Client-Hypervisor wie XenClient behoben werden soll - wenn auch um den Preis zusätzlicher Komplexität. Dagegen können die meisten Produkte zur Anwendungs-Virtualisierung mit Hilfe eines lokalen Cache die zentral bereitgestellten Applikationen auch offline-fähig anbieten.

    Während sich das klassische SBC primär für aufgabenorientierte Arbeiten eignet (Call Center, Sachbearbeiter, etc.), soll VDI das zentralistische Desktop-Modell für neue Benutzergruppen erschließen, allen voran die so genannten Wissensarbeiter. Diese sind jedoch in vielen Unternehmen daran gewöhnt, dass sie ihre PC-Arbeitsumgebung gestalten können, sowohl durch Anpassung des Betriebssystems als auch durch Installation eigener Anwendungen. Diese Freiheiten würden beim Umstieg auf zentrale Desktops zugunsten des einfacheren Managements meist verloren gehen, auch wenn sich dies rein technisch vermeiden ließe.

    Lizenzrechtliche Nachteile für VDI

    Neben den Anschaffungskosten kommen laufende Aufwendungen für Lizenzen hinzu, die den ROI ungewiss erscheinen lassen. Im Vergleich zu herkömmlichen Desktops muss zusätzlich die Virtualisierungsplattform sowie die VDI-Lösung erstanden werden, die jedoch normalerweise einmal pro Sockel bzw. pro Benutzer abgerechnet wird.

    Dagegen verlangt Microsoft für das Recht, auf zentrale Windows-Clients im Rechenzentrum zugreifen zu dürfen, den Abschluss eines Wartungsvertrags (Software Assurance) oder den Erwerb einer Lizenz via Mietmodell. Wenn als Endgerät ein Windows-PC eingesetzt wird, dann ist es günstiger, eine Software Assurance (SA) abzuschließen. Damit erwirbt die Firma zwar zusätzliche Rechte, die sie aber sonst möglicherweise nicht in Anspruch genommen hätte. Für die SA fallen jährlich pro Arbeitsplatz 29 % der Kosten für eine Windows-Lizenz an, eine Kündigung derselben kommt für VDI-Nutzer nicht in Frage.

    Die Alternative wäre entweder die Aufgabe der VDI-Lösung oder der Erwerb der teureren Windows VDA, die für Nicht-Windows-Clients (Thin Clients) gedacht ist und pro Jahr und Gerät 100 Euro kostet. Dagegen kommt der Anwender der Terminaldienste (bzw. jetzt RDS) relativ günstig weg, weil er nur einmal eine CAL erwerben muss, deren Kosten unter einer VDA-Jahresgebühr liegt.

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    Bild von Wolfgang Sommergut
    Wolfgang Sommergut hat lang­jährige Erfahrung als Fach­autor, Berater und Kon­ferenz­sprecher zu ver­schie­denen Themen der IT. Da­ne­ben war er als System­ad­mi­ni­stra­tor und Con­sultant tätig.
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