VMware vSphere 4.1 - die wichtigsten Neuerungen im Überblick

    VMware vSphereVMware vSphere 4.1 repräsentiert zwar nur ein kleineres Update der Virtualisierungsplattform, es bringt aber eine Vielzahl von teils beachtenswerten Neuerungen. Die meisten neuen Features dienen dem Ziel, die rohe Leistungsfähigkeit des Systems zu erhöhen und gleichzeitig Ressourcen flexibler nutzen zu können. Änderungen bei der Zusammenstellungen der einzelnen Editionen sind vor allen eine Reaktion auf die erstarkte Konkurrenz.

    Microsoft und Linux-Distributoren wie Red Hat integrieren immer mehr Virtualisierungsfunktionen in ihre Betriebssysteme und werden damit längerfristig Virtualisierung als eigenständigen Geschäftszweig austrocknen. Das aktuelle Update von VMware zeigt aber, dass es der Konkurrenz noch ein ganzes Stück voraus ist. Die Absicherung seines Kerngeschäfts durch den weiteren Ausbau seines Hauptprodukts ist eine wesentliche Komponente in der Strategie von VMware, auch wenn längerfristig eine Ausweitung seines Geschäftsbereichs auf der Tagesordnung steht.

    Mehr VMs pro Host, pro Cluster, pro vCenter

    Ein wesentlicher Fortschritt von vSphere 4.1 besteht in der erhöhten Skalierbarkeit der Plattform. Die damit erreichbaren Installationen sind nur für relativ wenige Unternehmen interessant, sie werden besonders für Provider von Cloud-Services benötigt. VMware liefert mit vSphere die nötige Technik für vereinbarte Kooperationen in diesem Umfeld, etwa das zusammen mit Salesforce geplante VMforce.

    vSphere 4.1 verschiebt einige wichtige Limits der Vorgängerversion deutlich nach oben:

    • 1000 Hosts pro vCenter-Server (bisher 300)
    • 3000 virtuelle Maschinen (VMs) pro Cluster (bisher 1280, im Vergleich: max. 1000 VMs unter Hyper-V)
    • 10000 gleichzeitig aktive VMs pro vCenter-Server (bisher 3000)
    • 15000 VMs, die pro vCenter-Server registriert sein können (bisher 4500)

    Memory Compression, ein schon seit längerem angekündigtes Feature, betrifft den Hypervisor selbst und dient ebenfalls der besseren Skalierbarkeit. Ziel dieser weiteren Technik zur besseren Nutzung von Arbeitsspeicher ist es, die VM-Dichte pro Host zu erhöhen.

    Während virtualisierte Systeme bei modernen Prozessoren dank ihrer enormen Leistung kaum noch an Grenzen stoßen, hat sich RAM zur knappen Resssource entwickelt, die durch verschiedene Optimierungstechniken möglichst effizient genutzt werden soll. Die Komprimierung von Daten im RAM schlägt zwar laut VMware mit einer zusätzlichen CPU-Auslastung von 2 bis 3 Prozent zu Buche, die aber durch die daraus resultierende bessere Speichernutzung gerechtfertigt sein soll.

    Flexiblere Nutzung von IT-Ressourcen

    Die Server-Virtualisierung kreist um das Konzept des Ressource-Poolings, das die vorhandene Computerleistung bündelt und ja nach Bedarf dynamisch an bestimmte Anwendungen verteilt. Viele der in vSphere bisher schon vorhandenen Funktionen, die auch die später eingestiegene Konkurrenz zunehmend implementiert, dienen diesem Zweck. Dazu zählen etwa die unterbrechungsfreie Migration einer VM auf andere Hosts (vMotion), oder die darauf aufbauende automatisierte Lastenverteilung mit dem Distributed Ressource Scheduling (DRS).

    vSphere 4.1 zeigt, dass bei diesen scheinbaren Basisfunktionen das Ende der Entwicklung noch nicht erreicht ist. Die Fortschritte liegen dabei oft im Detail, so dass die Vergleichbarkeit zwischen den Systemen schwieriger wird, weil alle Hersteller diese Features in ihren Marketing-Folien großzügig abhaken.

    So ist das deutlich beschleunigte vMotion nun in der Lage, bis zu 8 VMs pro Host gleichzeitig zu migrieren, während Microsoft noch argumentiert, dass eine VM pro Host in Hyper-V R2 ausreiche. Das auf vMotion aufbauende DRS bietet nun ein Feature namens "Virtual Machine Host Affinity Rules", das die Platzierung bestimmter VMs auf bestimmten Hosts erzwingen kann. Damit lassen sich lizenzrechtliche Vorgaben von Anwendungs- und Systemsoftware in virtuellen Maschinen besser einhalten, wenn diese beispielsweise die maximale Anzahl von Instanzen pro Host begrenzt.

    Der besseren Ressourcenverteilung dient auch Network-I/O-Control, das eine flexible Zuteilung vorhandener Bandbreite an verschiedene Traffic-Typen erlaubt, seien es VMs, vMotion, Fault Tolerance oder IP-Storage. Mit diesem Quality of Service können beispielsweise geschäftskritische Anwendungen Vorfahrt vor weniger dringenden System-Aktivitäten erhalten.

    Deployment und Management

    Die Version 4.1 zeichnet eine Vielzahl von kleineren Verbesserungen aus, die den Gebrauchswert der Plattform insgesamt erhöhen. Einige der Features werden in bestimmten Umgebungen möglicherweise nicht benötigt, während sie anderswo bereits lange empfundene Defizite beseitigen. Daher ist es schwierig, aus den zahlreichen Veränderungen bei der Systemverwaltung die wichtigsten herauszustellen. Folgende neue Funktionen dürften aber die meisten Anwender benötigen:

    • Die mittlerweile möglichen Installationen über eine Vielzahl von Hosts erhöht die Notwendigkeit für die effiziente Verteilung des Hypervisors. Die in der Version 4.1 per Skript automatisierbare Installation von CD oder über PXE Boot soll nun solchen Deployment-Ansprüchen genügen.
    • Nach einem Abkommen mit Likewise bietet VMware in vSphere nun auch eine Integration mit dem Active Directory, so dass die Benutzer-Authentifizierung für ESX/ESXi transparent über das Microsoft-Verzeichnis läuft.
    • Der integrierte vCenter Converter ist nun in der Lage, virtuelle Maschinen auf einem Host unter Hyper-V anzuzeigen und inaktive VMs zu konvertieren und in vSphere zu übernehmen.

    Einstieg in ein neues Lizenzmodell?

    Eine mit dem Erscheinen von vSphere 4.1 angekündigte Neuerung berechnet die Lizenzkosten für einige Zusatzprodukten nicht mehr pro Server und Sockel, sondern pro VM. Betroffen davon sind vCenter AppSpeed, vCenter Chargeback und vCenter Site Recovery Manager. Sie werden ab 1. September in VM Packs zu jeweils 25 Lizenzen verkauft. vCenter Application Discovery Manager und VMware vCenter Configuration Manager können bereits wahlweise pro VM oder pro Server erworben werden. Im 4. Quartal folgt vCenter CapacityIQ mit der VM-bezogenen Lizenzierung.

    Hintergrund dieser Änderung ist, dass diese Zusatzprodukte häufig nicht für alle VMs auf allen Hosts benötigt werden, aber die bisherige konventionelle Abrechnung pro Sockel oder Server den Kunden nur wenig Flexibilität bot. Dieses Modell führte sogar dazu, dass Anwender kritische Anwendungen auf einem oder wenigen Hosts konzentrierten, um etwa Lizenzen für den Site Recovery Manager zu sparen.

    VMware beschreitet bei der Abrechnung der Pro-VM-Lizenzen neue Wege, indem Kunden die Software ein Jahr lang nutzen können und der Hersteller seine Forderung nachträglich anhand der höchsten Zahl während dieses Zeitraums verwalteten VMs stellt.

    Analysten sehen in der VM-abhängigen Lizenzierung das zukünftige Modell für die VMware-Produkte insgesamt. Die Abrechnung pro Sockel oder pro Server sei einer virtuellen Umgebung nicht angepasst, weil es gerade ihre Aufgabe ist, von der Hardware zu abstrahieren. Vor allem aber passt die herkömmliche Bindung der Lizenzen an die Hardware schlecht für eine Software, die das Service-orientierte Modell der Cloud in die Rechenzentren der Unternehmen bringen soll. Mit zunehmender Nutzung der Cloud stellen sich die Kunden auf Abrechnungen ein, die sich an bezogenen Leistungen wie Rechenzeit, Transfervolumen oder Speicherplatz orientieren, und möchten in ihrem eigenen RZ nicht mehr Sockel zählen, um die passende Zahl an Lizenzen zu erwerben.

    Widersprüchliche Botschaften für kleinere Unternehmen

    Editionen von vSphere für kleinere FirmenÄnderungen gibt es auch bei der Verteilung von Features auf die verschiedenen Editionen. Gerade im unteren Segment, wo neben Microsoft besonders Citrix mit dem in der Version 5.6 stark verbesserten XenServer aggressiv um Kunden wirbt, legt VMware Funktionen drauf und reduziert teilweise den Preis. So kostet das Essentials Kit, das 3 Server mit maximal 2 CPUs zulässt, in der Version 4.1 nur mehr 495 Dollar statt wie in der Vergangenheit 995 Dollar.

    Dieser Einsteigerversion fehlen aber vMotion oder jegliche HA-Funktionen, die in Microsoft kostenlosem Hyper-V Server 2008 R2 enthalten sind. Die nächstgrößere Ausführung, Essentials Kit Plus kann vMotion und bietet Hochverfügbarkeit, ihr Preis hat sich gegenüber vSphere 4 aber um 500 Dollar auf 3500 Dollar erhöht, wobei die gleichen Hardware-Beschränkungen auf 6 CPUs gelten wie bei der kleineren Variante. Offenbar sieht VMware angesichts dieser Preispolitik seine Position nur im untersten Segment bedroht.

    Ausblick auf die nächste Version

    Anlässlich das eben erschienen vSphere 4.1 mit seiner langen Liste an neuen Funktionen gibt VMware noch keine detaillierten Auskünfte über die Planungen für den Nachfolger. Allerdings kündigte der Hersteller eine Reihe von Änderungen an, auf die sich Anwender einstellen müssen. Dazu zählt vor allem, dass ESX ausgemustert wird und nur mehr ESXi, der Hypervisor ohne Konsolen-Betriebssystem, zum Einsatz kommt.

    Auf der Strecke bleibt, wie schon länger angekündigt, auch Consolidated Backup (VBC), das primär als Brückentechnik diente, um herkömmliche Backup-Systeme zur Sicherung virtueller Umgebungen einsetzen zu können. Mit dem steigenden Angebot an spezialisierten Backup-Lösungen für ESX entfällt die Notwendigkeit dafür.

    3 Kommentare

    Bild von Raul Garcia
    Raul Garcia sagt:
    10. November 2010 - 22:45

    Wie sieht es denn dann mit den Lizenzverhalten aus?
    Für den ESX Server musste man ja schon immer eine Lizenz erwerben, für den ESXi nicht.
    Wenn man nun ein ESXi Server mit dem vCenter verbinden möchte benötigt man zum einen die vCenter Lizenz für eine gewisse Anzahl an Hosts + die "Agent" Lizenz für den ESXi oder genügt die vCenter Lizenz?

    Bild von Wolfgang Sommergut
    11. November 2010 - 15:45

    ESXi ist nicht gleichbedeutend mit kostenlos. Vielmehr handelt es sich dabei um die Hypervisor-Version ohne Konsolenbetriebssystem. Ihr gehört laut VMware die Zukunft, ESX soll voraussichtlich im nächsten größeren Update von vSphere nicht mehr dabei sein. Die kostenlose Ausführung von ESXi heißt mittlerweile vSphere Hypervisor.

    Die Lizenzierung von vSphere 4.1. richtet sich nach der Anzahl der in allen Hosts insgesamt vorhandenen Prozessoren. Erwirbt man etwa Lizenzen für 8 CPUs, dann ist es egal, ob vSphere auf 4 Servern mit 2CPUs oder auf 2 Server mit 4 CPUs läuft. Wie viele Instanzen von ESXi/ESX dabei installiert werden, ist also gleichgültig, solange die Zahl der lizenzierten Prozessoren nicht überschritten wird.

    Bild von Herbert Achternbusch
    Herbert Achternbusch sagt:
    13. Januar 2011 - 14:59

    Hallo,

    in den Antworten zum Artikel wurde immer von CPU's gesprochen. Wie verhält es sich aber mit den heutzutage öftern auftretenden Core's.

    Z.B. werden wir uns in der nahen Zukunft einen Server mit zwei CPU's aber insgesamt 12 Core's anschaffen. Müssen dann zwei oder zwölf Lizenzen bezahlt werden?

    Grüssle,

    Herbert