ESXi 6.0 Free und vSphere Client: Einschränkungen und Funktionen

    ESXi 6.0 Free mit vSphere ClientWie schon in früheren Versionen bietet VMware auch von ESXi 6.0 eine funktions­reduzierte Aus­führung für die kostenlose Nutzung an. Während sie von der gestiegenen Leistungs­fähigkeit des Vollprodukts kaum profitiert, entspannt sich die Management-Situation durch den aktualisierten vSphere Client.

    Zu den wesentlichen Verbesserungen von vSphere 6.0 und damit auch des Hypervisors gehört eine deutlich höhere Skalierbarkeit des Systems. Viele Maximalwerte haben sich zum Teil mehr als verdoppelt, so etwa die Zahl der unterstützten VMs pro Host oder dessen mögliche Ausstattung mit RAM und Prozessoren. Ähnliches gilt auch für VMs, die bis zu 128 vCPUs und 4TB vRAM haben können.

    Maximal 8 vCPUs pro VM, keine RAM-Limit für Hosts

    Diese Grenzen werden selbst in großen produktiven Umgebungen nur selten erreicht. Der kostenlose Hypervisor hingegen richtet sich an Benutzer, die ESXi in einem Lab ausprobieren oder für kleine Installationen mit wenigen Hosts einsetzen möchten. Hier spielen Monster-VMs und Highend-Server keine Rolle, so dass die weiterhin bestehende Einschränkung auf 8 vCPUs pro VM zu verschmerzen ist.

    Unangenehmer erwies sich in der Vergangenheit hingegen das Limit von 32GB RAM pro Host, das bereits mit ESXi 5.5 Free gefallen ist. Die kostenlose Version von ESXi 6.0 verzichtet beim Arbeitsspeicher des Servers erwartungsgemäß ebenfalls auf diese Einschränkung.

    Unterstützung für NFS 4.1

    Während neue Storage-Features wie Virtual Volumes oder vSAN 6.0 mindestens die Standard Edition voraussetzen oder für eine der kostenpflichtigen Editionen extra erworben werden müssen, profitiert auch ESXi 6.0 Free von der verbesserten Unterstützung für NFS. Diese ist nun kompatibel mit der Version 4.1 des Dateisystems und bietet damit Features wie Kerberos-Authentifizierung und ein effizienteres Sperren von Dateien.

    Weiterhin Backup-Notstand

    Entgegen ursprünglichen Gerüchten stranguliert VMware weiterhin den Zugriff auf die APIs des Hypervisors, was sich besonders nachteilig auf die Datensicherung auswirkt. Praktisch alle modernen Backup-Programme verwenden das vStorage APIs for Data Protection, so dass sie VMs unter ESXi 6.0 Free nicht sichern können.

    Die meisten Backup-Programme wie Veeam B&R können aufgrund der API-Beschränkungen keine VMs unter ESXi 6.0 sichern.

    Dies betrifft auch die kostenlose Version von Veeam Backup & Replication 8, die eigentlich eine ideale Ergänzung für den Gratis-Hypervisor wäre. Zu den wenigen Ausnahmen, die den kostenlosen Hypervisor von VMware unterstützen, zählt der Trilead Explorer, von dem es ebenfalls eine kostenfreie Edition gibt.

    Notdürftig aktualisierter vSphere Client

    Ein weiteres großes Manko des kostenlosen ESXi besteht seit der Version 5.1 darin, dass VMware strategisch auf den vSphere Web Client als Management-Tool setzt und den nativen Windows-Client seitdem auf dem Stand von Virtual Hardware 8 eingefroren hat. Der Web-Client erfordert jedoch vCenter und kann sich nicht direkt mit einem Host verbinden, so dass Nutzer von ESXi Free auf das alte Werkzeug beschränkt bleiben.

    Der vSphere Client kann VMs unter ESXi 6 verwalten, bleibt dabei aber auf die Features von vSphere 5.1 beschränkt.

    Unter ESXi 5.5 konnte der vSphere Client eine VM zwar noch auf eine neuere Version der vHardware aktualisieren, aber danach diese nicht mehr administrieren. Diese unhaltbare Situation wurde mit vSphere 5.5 Update 2 beseitigt, aber der Windows-Client ist weiterhin nicht in der Lage, Features zu verwalten, die seit ESXi 5.1 neu hinzugekommen sind. Dieser Zustand dauert unter ESXi 6.0 fort, bloß mit dem Unterschied, dass der vSphere Client nun auch mit Hardware 11 zurechtkommt.

    Auch wenn die Neuerungen des vSphere Client nur gering ausfallen, muss man ihn auf den neuesten Stand bringen, um Hosts und VMs unter ESXi 6.0 ansprechen zu können. Nutzt man noch die Version 5.5, dann erkennt diese den neuen Hypervisor selbständig und bietet an, das Update auf den vSphere Client 6.0 zu installieren.

    VMware Workstation für das VM-Management

    Als Alternative zum veralteten vSphere Client bietet sich teilweise die VMware Workstation an, die seit der Version 10 einige Aufgaben des ESXi-Managements übernehmen kann. Dazu zählt primär das Anlegen und Editieren sowie das Ein- und Ausschalten von VMs. Sie unterstützt in der neuesten Ausführung auch virtuelle Maschinen auf Basis der vHardware 11.

    Die Funktionen zur Verwaltung von ESXi 6.0 haben sich in der Workstation 11 gegenüber der Version 10 nicht verändert.

    Wie schon ihre Vorgängerin kann auch die Workstation 11 die Konfiguration von Hosts (u.a. Netzwerk, vSwitch, Datastores) nicht bearbeiten, dafür benötigt man weiterhin den vSphere Client. Insgesamt hat sie für die Verwaltung von ESXi und darauf laufenden VMs keine neuen Funktionen erhalten.

    Embedded ESXi Host Client

    Die neueste Option für das Management von ESXi Free ist der Host Client. Er stellt eine HTML5-Konsole bereit, die sich optisch weitgehend am vSphere Web Client orientiert. Er wird als VIB direkt am ESXi-Server installiert (siehe dazu: vSphere Host Client: Web-Konsole für ESXi Free und Standalone-Hosts).

    Der vSphere Host Client kann alle möglichen Ressourcen des Hosts verwalten.

    Er liegt momentan noch als Fling der VMware Labs vor und beherrscht bereits die meisten Funktionen für die Administration von ESXi und virtuellen Maschinen. Es ist absehbar, dass der Host Client den C#-Client für das Management von einzelnen Hosts ersetzen wird, sobald ihn VMware offiziell freigibt.

    Update: Der Embedded Host Client gehört seit ESXi 6.0 U2 zum Lieferumfang des Hypervisors.

    Lizenzrechtliche Aspekte

    Wie gewohnt startet auch ESXi 6.0 nach der Installation im Testmodus, der 60 Tage lang gültig ist. Während dieser Zeit sind alle Funktionen des Hypervisors freigeschaltet und der vSphere Client weist gut sichtbar auf die verbleibende Frist hin.

    Im 60 Tage währenden Testmodus bietet der Hypervisor sämtliche Funktionen.

    Spätestens nach deren Ablauf muss man den Lizenzschlüssel eingeben, den man zusammen mit dem Download der ISO-Datei erhalten hat. Die dafür erforderliche Prozedur hat sich seit der Version 4.1 nicht geändert, benötigt wird dafür der vSphere Client. Im Anschluss daran gelten alle oben beschriebenen Limitierungen der kostenlosen ESXi-Version.

    Wer ESXi 6.0 nicht produktiv einsetzen, sondern nur in einer Testumgebung ausprobieren möchte, dann muss nicht mehr mit den teilweise kleinlichen Beschränkungen der Free Edition und ihren limitierten Management-Tools leben. Alternativ kann man 9 VMware-Produkte mit vollem Funktionsumfang für 200 Dollar pro Jahr im Rahmen von EVALExperience nutzen. Es handelt sich dabei um ein Programm, das VMware zusammen mit der VMUG ins Leben gerufen hat.

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