Finanzanalysten trauen Microsoft bei Smartphones und Tablets wenig zu

    Windows Phone 7Die Finanzanalysten von Goldman Sachs haben ihre Empfehlung für die Microsoft-Aktie von "kaufen" auf "neutral" korrigiert und dabei das Kursziel um 4 Dollar reduziert. Als Grund nannten sie Zweifel daran, dass Microsoft in dem wichtigen Markt für mobile Geräte wesentliche Anteile gewinnen könne. Diese Entscheidung lässt die Klage von Microsoft gegen HTC und Motorola sowie die Ankündigung von Windows-7-Slates rechtzeitig für das Weihnachtsgeschäft in einem anderen Licht erscheinen.

    Die Analysten ließen sich nicht davon beeindrucken, dass Microsofts etablierte Produkte wie Windows, Sharepoint oder SQL Server gut laufen. Sie sehen in diesem angestammten Segment keine spektakulären Wachstumschancen, die sie dagegen bei Smartphones, Tablets und den damit verknüpften Services vermuten. Aus diesem Grund überholte Apple bereits im Mai Microsoft als Technologiefirma mit der höchsten Marktkapitalisierung.

    PC-Modell auf mobile Geräte nicht übertragbar

    Aufgrund des lange währenden Verlusts von Marktanteilen für Windows Mobile steht Microsoft nun unter großem Druck, das Ruder bei Smartphones herumzureißen. Als besonders unangenehmen Gegner empfindet Microsoft Googles Android, weil es Open Source ist und das Geschäftsmodell eines kommerziellen Betriebssystems für mobile Geräte konterkariert.

    Während PC-Hersteller um Windows nicht herumkommen und daher bereit sind, das Betriebssystem für erhebliche Kosten von Microsoft zuzukaufen, lässt sich dieses Modell dank hochwertiger und preiswerter Alternativen wie Android nicht leicht auf Smartphones übertragen. Microsoft sieht auf absehbare Zeit offenbar keine Möglichkeit, eine Version von Windows Mobile anzubieten, die gegenüber Android so viel zusätzlichen Wert bietet, dass Anwender und Hersteller die höheren Kosten bereitwillig in Kauf nehmen würden.

    Lizenzen für Patente sollen Android verteuern

    Aus diesem Grund versucht das Unternehmen, den Wettbewerbsvorteil von Android auszugleichen, indem es die Handy-Hersteller zur Zahlung von Lizenzgebühren für angeblich verletzte Patente zwingen möchte. Microsoft hatte bereits Anfang des Jahres HTC verklagt, das sich daraufhin bereit erklärte, ein Lizenzabkommen zu unterzeichnen. Nun trifft es mit Motorola einen weiteren großen Hersteller von Android-Geräten.

    Die ins Treffen geführten Patente sind wie häufig in solchen Fällen ziemlich allgemein gehalten und zum Teil trivial. Sie treffen auf Betriebssysteme insgesamt zu oder beziehen sich auf Features, die für jedes Smartphone selbstverständlich sind. Beispiele für behaupteten Patentverletzungen sind die Verwendung eines gemeinsamen Namensraumes für kurze und lange Dateinamen oder das Erstellen einer Meeting-Einladung von einem mobilen Gerät aus.

    Großer Eile bei Windows-7-Slates

    Für Tablets arbeitet Google an Chrome OS, einer ebenfalls freien Software. Hauptgegner ist hier Apple mit dem iPad. Microsoft versucht den Erwartungen der Investoren gerecht zu werden, indem es möglichst bald zusammen mit Hardware-Partnern derartige Geräte auf den Markt bringt.

    Steve Ballmer kündigte daher an, bereits für das Weihnachtsgeschäft die ersten Windows 7 Slates auf den Markt bringen zu wollen. Diese Eile scheint riskant, weil Microsoft für einen solchen frühen Start noch nicht vorbereitet ist. Zum einen fehlt noch ein AppStore nach dem Vorbild von Apple, die Batterielaufzeiten dürften wegen des noch nicht verfügbaren Intel-Prozessors Oak Trail relativ kurz sein und es fehlt noch an einem konsequent touch-orientierten Interface. Daher wird eine deutlich verbesserte Gerätegeneration erst im Lauf des Jahres 2011 erwartet. Angesichts des Drucks von der Wall Street muss Steve Ballmer aber schon vorher in dieses Geschäft einsteigen.

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