Gartner-Quadrant x86-Virtualisierung: VMware und Microsoft teilen sich den Markt

    x86-VirtualisierungDie Gartner-Analysten stellten ihre jährliche Marktübersicht zur x86-Virtualisierung vor. Die zwei dominierenden Hersteller haben sich demnach von den restlichen Konkurrenten abge­setzt, die nun alle als Nischenanbieter gelten. Innerhalb des Führungsduos bleiben die Verhält­nisse relativ konstant, weil es Microsoft kaum gelingt, vSphere abzulösen.

    Wie bisher richtet Gartner in dieser Untersuchung den Blick nur auf die unmittelbare Infrastruktur für die Virtualisierung von x86-Servern. Sie umfasst den Hypervisor oder Container (im Fall der OS-Partitionierung) sowie die grund­legenden Werkzeuge zu Verwaltung von Hosts und VMs. Fortgeschrittene Tools zur Automatisierung des Managements, zur Überwachung der Performance von Anwendungen oder für das Disaster Recovery bleiben unberücksichtigt.

    Hoher Grad der Server-Virtualisierung erreicht

    Diese Beschränkung auf die Basistechnologie mag man für unangebracht halten, weil mittlerweile die meisten Innovationen bei den Tools zur Automatisierung der Plattformen passieren. Dennoch scheint es verfrüht, Hypervisor und die dazugehörigen Tools als Commodity abzutun. So brachte ESXi 6.0 als zentrale Komponente von vSphere 6.0 erhebliche Verbesserungen in puncto Skalierbarkeit. Allerdings ging diese Version des VMware-Produkts nicht mehr in die Gartner-Untersuchung ein.

    VMware und Microsoft machen die x86-Virtualisierung weitgehend unter sich aus.

    Um die aktuelle Marktsituation einschätzen zu können, muss man sich vor Augen halten, dass laut Gartner mittlerweile 75 Prozent aller x86-Server virtualisiert sind. Aufgrund dieser hohen Saturierung können Anbieter ihre Anteile nicht mehr entscheidend durch Gewinnung von Kunden ausbauen, die erst in die Virtualisierung einsteigen.

    Daher sind die beiden führenden Anbieter bestrebt, ihre Position zu zementieren (VMware) bzw. auf Kosten des Mitbewerbers zu verbessern (Microsoft). Gartner attestiert dabei VMware, dass es seine dominierende Marktposition und mit vSphere 5.5 auch einen technischen Vorsprung gegenüber Windows Server 2012 R2 behalten habe.

    Nur wenige VMware-Kunden wechselwillig

    Die meisten VMware-Kunden seien mit den Fähigkeiten der Software und dem Support zufrieden. Bedenken hätten sie indes wegen der Preise und der Gefahr, zu stark an den Hersteller gebunden zu sein ("Vendor Lock-in").

    Gerade die Großkunden von VMware, die teilweise schon lange vSphere einsetzen, zeigten nur wenig Bereitschaft zum Wechsel auf Hyper-V oder ein anderes System. Es liegt auf der Hand, dass die Migration solcher großer Installationen, die häufig eine Reihe von Zusatzprodukten aus dem VMware-Ökosystem einsetzen, einen erheblichen Aufwand erfordert.

    Dieser hält sich bei kleineren Unternehmen, die weniger Bedarf an Highend-Tools und Automatisierung des Managements haben, stärker in Grenzen. Deshalb beobachtet Gartner hier einen Systemwechsel deutlich öfter. Trotzdem ist VMware auch in diesem Segment gelungen, seine führende Position zu behaupten, weil der Umstieg auch in die Gegenrichtung erfolgt, wenn Anwender Hyper-V aufgeben.

    Lizenzen für Hyper-V etwas preiswerter

    Microsoft setzt den Marktführer hier jedoch preislich unter Druck, so dass die Analysten davon ausgehen, dass VMware künftig speziell die kleineren Editionen zu besseren Konditionen anbieten wird. Chancen für Microsoft ergeben sich vor allen dadurch, dass größere Unternehmen in Niederlassungen oder in separaten Rechenzentren Alternativen zu VMware einführen.

    Die Gartner-Studie bescheinigt Microsoft insgesamt, dass es hinsichtlich des Funktionsumfangs weitgehend gegenüber VMware aufgeschlossen habe. Schwachpunkte seien nach wie vor das relativ umständliche Management, für das der Hersteller mehrere Tools mit sich überlappenden Features anbietet.

    Vornehmlich große Unternehmen begegneten Hyper-V immer noch mit Skepsis, wenn es um die Virtualisierung kritischer Workloads gehe. Verantwortlich dafür könnten auch die von Gartner behaupteten höheren Ausfallzeiten von Hyper-V sein, die durch das Patchen von Windows in der Parent Partition verursacht würden. Daher benötige Microsoft noch mehr erfolgreiche Referenzprojekte.

    Oracle steigt zu den Niche Players ab

    Der diesjährige Quadrant berücksichtigt wie 2014 insgesamt 7 Hersteller, wobei mit Ausnahme des führenden Duos keiner mehr außerhalb des Abschnitts Niche Player zu finden ist. Im Vorjahr galt Oracle noch knapp als Herausforderer, hat aber diesen Status mittlerweile eingebüßt.

    Gartner stellt unter seinen Kunden ein nachlassendes Interesse an Oracle VM fest. Die privilegierten Lizenz- und Support-Bedingungen, die für Oracle-Software auf dem hauseigenen Hypervisor gelten, seien der hauptsächliche Grund, warum sich Anwender überhaupt noch mit dem Produkt beschäftigen.

    Citrix XenServer für VDI und Cloud

    Citrix, das sich vor einiger Zeit noch als vehementer Mitbewerber von VMware positionierte, habe sich aus der eigentlichen Server-Virtualisierung weitgehend zurückgezogen. Es positioniere XenServer primär als Software für die Desktop-Virtualisierung und für Cloud-Provider.

    XenServer 6.5 kann aufgrund insgesamt höherer Performance und des Read-Cache das Booten vieler Desktops besser bewältigen.

    Zuletzt habe der Hersteller mit XenServer 6.5 eine Reihe wichtiger Verbesserungen gebracht, so dass die Software gegenüber den beiden führenden Produkten funktional nicht zu sehr ins Hintertreffen gerät. Die Verfasser der Marktübersicht konstatieren für XenServer dennoch ein schwindendes Interesse unter den Gartner-Kunden.

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