Gartner-Quadrant x86-Virtualisierung: VMware trotzt der Konkurrenz

    x86-VirtualisierungDurch den Einstieg von Microsoft in die x86-Virtualisierung vor 6 Jahren und die Konkurrenz von Citrix, Oracle oder Red Hat würde VMware stark unter Druck geraten, so lauteten einige Prognosen. Der aktuelle Gartner-Report zu diesem Marktsegment zeigt jedoch, dass VMware unangefochtener Leader bleibt. Außer Microsoft hat der Hersteller keine ernsthaften Mitbewerber, und ein Ende des Wachstums droht primär durch die Sättigung des Marktes.

    Der Gartner-Quadrant zur x86-Virtualisierung zeigt über die letzten Jahre im Wesentlichen immer das gleiche Bild: Seit Microsoft 2011 in die Position der Leader aufrückte, stellte sich in erster Linie die Frage, ob und wie schnell es den Abstand zu VMware verringern könne. Der Rest des Feldes versammelte sich nämlich links unten im Abschnitt der Nischenanbieter oder kam nur knapp darüber hinaus.

    Zwei Leader, der Rest unter ferner liefen

    An diesem Bild hat sich auch 2014 nichts Grundlegendes geändert. VMware und Microsoft bleiben die beiden einzigen führenden Hersteller, wobei sich der Abstand zwischen ihnen im Vergleich zu 2013 nicht mehr sichtbar verändert hat. Ausschlaggebend dafür war, dass nicht nur Windows Server 2012 R2 Hyper-V zahlreiche Neuerungen brachte, sondern auch vSphere 5.5.

    Gartner Quadrant 2014 zu x86-Virtualisierung: VMware behauptet seine Position, die meisten Konkurrenten sind abgeschlagen.

    Die Marktübersicht von Gartner betrachtet nur die grundlegenden Funktionen, die VMware in vSphere und Microsoft in Hyper-V sowie System Center Virtual Machine Manager bereitstellen. Nicht berücksichtigt werden dabei fortgeschrittene Management-Tools für die Automatisierung oder das Monitoring von virtuellen Infrastrukturen, Lösungen für das Disaster Recovery oder die Desktop-Virtualisierung.

    Geringe Neigung zum Wechsel des Hypervisors

    Auch wenn Microsoft und andere Anbieter VMware technisch auf den Fersen bleiben, so schlägt sich dies nicht in großen Veränderungen der Marktanteile nieder. Das liegt vor allem am bereits erreichten Grad der Virtualisierung, die Verfasser des Reports sprechen von 70 Prozent aller Workloads, die mittlerweile in VMs laufen. Angesichts dieser Zahlen ist allerdings absehbar, dass die Zeiten des stürmischen Wachstums auch für den Marktführer zu Ende gehen.

    Besonders große Unternehmen, die schon einen erheblichen Teil ihrer Server virtualisiert haben, schrecken vor dem Aufwand eines Plattformwechsels zurück. Gartner berichtet, dass unter seinen Kunden nur sehr wenige den Umstieg von VMware auf Hyper-V oder andere Systeme in Betracht ziehen. Zwar liegen die Anschaffungskosten bei Microsoft niedriger, aber die meisten Anwender seien mit VMware zufrieden.

    Hyper-V als sekundärer Hypervisor

    Aufgrund dieser Gegebenheiten blieben Microsoft oder Red Hat zum einen die Nachzügler als Kunden, die erst jetzt in die Virtualisierung einsteigen. Ihre Chancen seien laut Gartner dort am größten, wo ihre Betriebssysteme stark genutzt würden, also Windows Server und RHEL. Zum anderen biete sich diesen Anbietern eine weitere Nische in großen Firmen, die Hyper-V oder RHEV als sekundären Hypervisor etwa für Außenstellen einsetzen.

    Bei den übrigen Anbietern überwiegen Stagnation oder gar Rückschritte. Ganz besonders trifft das auf Citrix zu, das 2011 noch unter den führenden Unternehmen rangierte und nun zu den Nischenanbietern abgestiegen ist. Diese Entwicklung ist eine Folge der strategischen Neuausrichtung, die XenServer als Plattform für Desktop-Virtualisierung und Cloud positioniert. Im Zuge dessen gab Citrix die Version 6.2 von XenServer als Open Source frei und stellte die Entwicklung mehrerer Enterprise-Features ein, darunter die automatische Live Migration (vergleichbar mit VMware DRS), die SAN-Anbindung über StorageLink oder Distributed Virtual Switch.

    Leichte Verbesserung für Red Hat

    Im Gegensatz dazu investierte Red Hat in seine Virtualisierungs­technik und brachte unter anderem RHEV 3.3 und 3.4 auf den Markt, wobei Letzteres erst im Juni 2014 erschien und von Gartner nicht mehr berücksichtigt wurde. Die Innovationen des Linux-Anbieters schlagen sich im Quadraten nur in einer Seitwärtsbewegung nieder, die ihm eine höhere Completeness of Vision (u.a. Marktverständnis, Innovation) einbringt, aber die Fähigkeit zur Umsetzung seiner Ziele (Ability to execute) unberührt lässt.

    Lizenzpolitik für Oracle-Hypervisor

    Oracle, bis dato als einziger Anbieter als Challenger eingestuft, bewegt sich dagegen in Richtung Nischenanbieter, wo es sich 2011 noch befand. Ein wesentlicher Hebel für den Hersteller besteht darin, dass er seinen Xen-basierten Hypervisor für die Nutzung der eigenen Produkte wie Datenbank, Middleware und Business-Anwendungen optimiert.

    Dazu gehört nicht nur die technische Abstimmung, sondern in der Vergangenheit auch eine Lizenz- und Zertifizierungspolitik zu Ungunsten der Mitbewerber. Durch die überfällige Zertifizierung seiner Produkte für Hyper-V (und schon früher für VMware) schwindet die Exklusivität von Oracle VM, auch wenn es der Hersteller nach wie vor lizenzrechtlich bevorzugt.

    Parallels und Huawei als Exoten

    Der Quadrant enthält noch zwei weitere Anbieter, die eine gewisse Sonderrolle spielen. Parallels ist weniger durch seinen Bare-Metal-Hypervisor im Markt präsent, sondern vor allem durch seine Container-Technologie für Windows und Linux. Damit richtet sich das Unternehmen primär an Hoster und Service Provider.

    Neu in der Marktübersicht ist Huawei, das man bei uns vor allem als Lieferant von Netzwerk-Equipment kennt. Die chinesische Firma verfügt jedoch seit 2011 über das Xen-basierte FusionSphere inklusive Management-Software und arbeitet an einer Produkt-Suite auf Basis von KVM. Huawei ist mit diesem Geschäftsbereich vor allem in den Schwellenländern China, Indien, Brasilien und Russland präsent.

    1 Kommentar

    Bild von Vamp898
    Vamp898 sagt:
    21. August 2014 - 13:23

    Naja, das hat wohl mehrere Gründe.

    Vorab entscheidet nicht der Techniker sondern letzten Endes der Chef. Der will so wenig Arbeit und Aufwand wie möglich und der schaut erstmal nach dem wo am lautesten auf dem Markt schreit.

    Am Lautesten schreien tut definitiv VMware, fast schon wie der Todesschrei eines Sterns der einem schwarzen Loch zu nahe kommt.

    Admins wollen für nichts verantwortlich sein und keine Probleme mit der Software haben, auch verdienen Admins die einen High-End geclusterten KVM Virtualisierungsserver mit Gentoo einrichten können, problemlos über das doppelte ihrer VMware/Hyper-V Kollegen verlangen.

    Wenn der Chef zwei Admins haben die sich bewerben, der eine verlangt 3500 und der andere >5000 € muss er nicht lange überlegen welchen er einstellt und der für 3500 bekommt das halt nicht hin.

    Zudem reichen in großen Firmen einzelne Admins niemals aus, da hat man ein Team aus Admins.

    Bei 5 Admins macht das dann einen Unterschied von >=7500 € pro Monat, dafür kann man einige Lizenzen kaufen.

    Dann bekommt man solche Admins auch noch schwerer her. Kurzum, es ist viel Aufwändiger und Teurer, dafür bezahlt man ja im Endeffekt VMware Lizenzen, denkt man zumindest.

    Mit modernen Technologien bekommt man aus so einem High-End Server, pro VM gerechnet, knapp die Doppelte Geschwindigkeit mit KVM statt VMware. Wenn man das mal auf die Stromkosten, Kühlkosten, den Verschleiß, den Lizenzkosten u.s.w. hoch rechnet, endet das allerdings, wie so oft in einer Milchmädchen Rechnung.

    Vor allem wird irgend wann der Punkt kommen wo einem die Hardware Kosten so zu Buche schlagen, und die VMware Seminar Werbung ala "Optimierung" so sehr nerven, dass man seine Mitarbeiter zu Schulungen schickt dass die sich fortbilden müssen und das ganze dann doch wieder wesentlich aufwändiger und komplexer wird als man es sich gewünscht hat.

    Ich denke es hat einen guten Grund warum Firmen wie Google, Intel, AMD, ARM, HP, IBM, , Dell, RedHat, Acronis u.s.w. auf KVM setzen und Firmen die nicht viel mit IT haben, diese aber brauchen, eher auf VMware.

    Die einen sind experten die wissen was sie tun und gute Admins haben, die anderen bezahlen lieber dafür das sie ihre ruhe haben --> denken sie zum. Wie gesagt, im Endeffekt eine Milchmädchenrechnung, aber von solchen Milchmädchenrechnungen leben Firmen wie VMware, SAP und zu einem großen Teil nicht zuletzt Microsoft.

    Man denkt es ist einfach, unkompliziert, kompatibel, effektiv, wenn man dann merkt dass dies nicht der Fall ist, ist es, eben weil es nicht so ist, zu spät zum umentscheiden. Dann hat man sich von einem Hersteller in Fesseln gekauft und muss schauen wie man damit klar kommt.