Group Policy Preferences: Dateizuordnungen in Windows 7 zentral verwalten

    Dateiendungen mit Group Policy Preferences zu Programmen zuordnenDie Namensendung ist auch in den neuesten Windows-Versionen maßgeblich dafür, mit welchem Programm eine Datei geöffnet wird. Nachdem sich oft mehrere Anwendungen für einen Dateityp zuständig fühlen, ist es von Vorteil, wenn man das gleiche Programm für alle Benutzer zu einer bestimmten Datei-Extensionen zuordnet. Die Group Policy Preferences erlauben eine solche zentrale Verwaltung der Datei-Assoziationen.

    Wenn mit einer Extension mehrere Applikationen verbunden sind, dann kann nur eine von ihnen als Standard dienen. Sie startet automatisch beim Doppelklick auf eine Datei, während die anderen Anwendungen explizit im Kontextmenü unter dem Befehl Öffnen mit ausgewählt werden müssen. Da dies die wenigsten User tun, sollte man einheitlich für jeden Dateityp ein Programm als Standard festlegen, um Support-Anrufe irritierter Nutzer zu vermeiden.

    Group Policy Preferences statt Registry-Hacks

    Die Assoziation von Dateiendungen mit den Applikationen erfolgt über Einträge in die Registrierdatenbank. Wenn man firmenweit einheitliche Zuordnungen haben möchte, dann könnte man auf die Idee kommen, die entsprechenden Schlüssel in der Registry zu verändern. Eine viel bessere Option für das zentrale Management von PCs in einer Domäne ist indes die Verwendung von Group Policy Preferences (GPP).

    Definition von neuen Dateitypen

    Die GPP bieten im Gruppenrichtinienverwaltungs-Editor zwei verschiedene Zugänge für die Verwaltung von Dateiendungen. Unter Computerkonfiguration erlauben sie die Definition und Änderung von Dateitypen insgesamt, während sie bei den benutzerabhängigen Einstellungen nur festlegen, welche Anwendungen bei bestimmten Dateiendungen geöffnet werden.

    Die Variante unter Computerkonfiguration (Einstellungen => Systemsteuerungseinstellungen => Ordneroptionen) wird man in erster Linie nutzen, um neue Dateitypen zu registrieren, auch wenn es möglich ist, bestehende zu überschreiben. Hier besteht zudem die Möglichkeit neben dem reinen Öffnen von Dateien durch Programme weitere Aktionen zu definieren, abhängig davon, mit welchen Parametern sich die Anwendung aufrufen lässt.

    Benutzerspezifische Verknüpfung von Dateiendungen

    Die Verwaltung von Extensionen verlangt nur wenige Angaben. Hinter dem Reiter Gemeinsam findet sich die Zielgruppenadressierung.Für das hier diskutierte Problem der allgemeinen Zuordnung von Dateiendungen zu Applikationen eignet sich die Konfiguration auf Benutzerebene besser (Benutzerkonfiguration => Einstellungen => Systemsteuerungseinstellungen => Ordneroptionen). Wählt man dort aus dem Kontextmenü den Eintrag Neu, dann findet man im anschließenden Submenü den Befehl Öffnen mit.

    Dieser führt zu einem Dialog relativ überschaubaren Dialog, der die Eingabe der Endung (ohne Punkt) und des dafür zuständigen Programms verlangt. Außerdem kann man hier bestimmen ("Als Standard"), ob die Anwendung den betreffenden Dateityp beim Doppelklick öffnet oder nur als eine von mehreren im Kontextmenü Öffnen mit zu finden ist.

    Bei einer größeren Zahl an Clients besteht die Herausforderung darin, dass unter dem angegebenen Pfad tatsächlich auf allen Rechnern die Anwendung zu finden ist, mit der ein bestimmter Dateityp geöffnet werden soll. Ideal ist in diesem Fall, wenn man über eine zentrale Software-Verteilung konsequent einheitliche Verzeichnisstrukturen für alle Programme schafft.

    Pfade zu den Programmen verwalten

    Da dieser Idealzustand kaum irgendwo vorzufinden sein wird, muss man die Dateizuordnungen flexibel konfigurieren. Vergleichsweise einfach lassen sich die abweichenden Pfade zwischen 32- und 64-Bit-Windows beherrschen, wenn eine 32-Bit-Anwendung entweder unter \Programme oder \Programme(x86) zu finden ist. In diesem Fall hilft die Verwendung der Umgebungsvariablen %ProgramFiles%, die in beiden Systemen auf das Wurzelverzeichnis für 32-Bit-Programme verweist.

    Die Aufgabe wird auch dadurch erleichtert, wenn man das Programmverzeichnis der gewünschten Applikation in den Suchpfad aufnimmt. Dann kann man im GPO auf die Angabe eines festen Pfades verzichten, der Eintrag der ausführbaren Datei alleine reicht dann schon. Das gilt beispielsweise für die diversen Hilfsprogramme im Lieferumfang von Windows, wie etwa Notepad oder Paint.

    Existenz von Anwendungen prüfen

    Lassen sich die Unterschiede zwischen den verschiedenen PC-Konfigurationen weder mit Hilfe von Umgebungsvariablen noch durch den Suchpfad überbrücken, dann bieten die Group Policy Preferences mit dem Item Level Targeting die Möglichkeit, die Ausführung des Objekts an bestimmte Bedingungen zu knüpfen.

    Mit Hilfe des Item Level Targeting (Zielgruppenadressierung) kann man die Existenz eines Programms prüfen.

    Die entscheidende Abfrage bei der Zuordnung von Programmen zu Dateiendungen besteht in der Prüfung, ob eine Anwendung unter einem bestimmten Pfad überhaupt vorhanden ist. Zu diesem Zweck öffnet man im GPP-Dialog die Registerkarte Gemeinsam und aktiviert die Option Zielgruppenadressierung auf Elementebene.

    In der danach zugänglichen Kriterienliste wählt man Dateiübereinstimmung und gibt den Namen der ausführbaren Datei samt Pfad an. Damit vermeidet man auch die Ausführung des GPO auf PCs, auf denen die Applikation gar nicht installiert wurde.

    Ist eine bestimmte Software auf den PCs einer Firma in 2 oder 3 verschiedenen Verzeichnissen zu finden, dann kann man für jedes davon eine eigene Dateizuordnung definieren und die Existenz des Programms jeweils anhand der obigen Abfrage prüfen. Auf diese Weise wird nur die passende Policy ausgeführt.

    Erstellen, Aktualisieren, Ersetzen

    Das Verhalten der Gruppenrichtlinie kann man wie übliche über die Aktionen Erstellen, Aktualisieren und Ersetzen steuern. Das voreingestellte Aktualisieren verknüpft eine Extension mit einem Programm, wenn für sie noch keine Zuordnung besteht, und bringt die Einstellungen auf den aktuellen Stand, wenn sie bereits vorhanden ist.

    Dagegen beschränkt sich Erstellen auf das Einrichten und ändert nichts, wenn beispielsweise eine andere Software die betreffende Dateiendung für sich reklamiert. Ersetzen schließlich löscht grundsätzlich eine bestehende Verbindung und legt sie danach neu an.

    5 Kommentare

    Bild von Tobbi
    Tobbi sagt:
    4. März 2013 - 20:15

    Die GPPs bilden eine wirkliche sehr gute Ergänzung zu den Standard-GPOs. Besonders in der sehr filigranen Steuerung durch Bedingungen/WMI entfalten sie ihr volle Wirkung.

    Diese Form der Filterung oder "nur gültig wenn" würde sich sicherlich auch an anderen Stellen anbieten.
    Hoffe, die GPPs werden noch stärker erweitert, hier gibt es noch Potential.

    Bild von Udo Kubatov
    Udo Kubatov sagt:
    9. März 2015 - 20:11

    Hallo,
    es scheint allerdings so zu sein, dass diese Zuordnung einer Standardanwendung unter Windows 2012 Server bzw. Windows 8 nicht funktioniert. Siehe hier: http://www.mcseboard.de/topic/199767-standardprogramme-f%C3%BCr-alle-ben...

    Habe das selbst unter Server 2012 getestet und leider nicht hinbekommen. Sobald der Dateierweiterung bereits eine Standardanwendung zugeordnet ist, wird der vorgegebene Wert ignoriert. Ist noch keine Anwendung zugeordnet, so wird der Auswahldialog angezeigt (zumindest, wenn mehrere kompatible Anwendungen vorhanden sind).

    Hat jemand hierzu eine Lösung? Ich möchte standardmäßig PDFXCview.exe als PDF-Viewer verwenden. Der Acrobat Reader soll aber trotzdem alternativ auf dem System bleiben. Alle User sollen aber per Default PDFs mit PDFXCview öffnen.

    Bin für jeden Tipp dankbar.

    LG

    Udo

    Bild von Markus Roppenecker
    Markus Roppenecker sagt:
    11. Mai 2015 - 15:41

    Hallo Udo,

    mir hat folgende Gruppenrichtlinie geholfen, ich denke damit solltest du auch weiterkommen:

    Computer Richtlinien\Administrative Vorlagen\Windows-Komponenten\Datei-Explorer

    Konfigurationsdatei für Standardzuordnungen festlegen

    Dort ist auch nochmal genau beschrieben, wie die Datei erstellt wird.

    Ich hoffe es hilft.

    Beste Grüße,

    Markus

    Bild von Dirk Rudolph
    Dirk Rudolph sagt:
    21. April 2016 - 11:20

    Hallo,

    genau auf diesem Weg wollte ich die Standardprogramme unseren neuen Win10 Clients zuweisen. Leider fehlte auf meinen 2008R2 Server genau diese Einstellung. Ich kann mir nicht erklären warum. Kann man diese Richtline nachinstallieren?

    Vielen Dank Dirk

    Bild von Chris
    Chris sagt:
    7. Dezember 2018 - 11:33

    Die Einstellung per GPP funktioniert nur bis Windows 7, ab 8 aufwärts muss das per AppAssociation geregelt. Es wird eine zentrale XML Datei erzeugt die dann an die Clients verteilt werden muss der im Grunde das gleiche macht wie die "alte" GPP bis Windows 7

    https://docs.microsoft.com/en-us/windows-hardware/manufacture/desktop/ex...