Kostenloser Hyper-V Server 2019: Neue Funktionen und Einschränkungen

    Installation von Hyper-V Server 2019Mit rund 7 Monaten Verspätung veröffent­lichte Microsoft den kosten­losen Hyper-V Server 2019. Die neue Version profi­tiert wie üblich von einigen Neuerungen des Voll­produkts sowie von Add-ons für Windows Server. Dazu zählen aktuell das Admin Center und Core App Compatibility, das die Ausführung der MMC erlaubt.

    Nachdem Windows Server 2019 beim Hypervisor nur wenige Innovationen brachte, fallen für den kostenlosen Hyper-V Server nur wenige Verbesserungen ab. Zu diesen zählen etwa Shielded VMs für Linux. Hinzu kommen Fortschritte durch das Update auf die VM Confi­guration Version 9.0, darunter die Unterstützung für den Ruhezustand (Hibernate).

    Nicht die aktuellste VM Configuration Version

    Die lange Pause zwischen dem Erscheinen von Windows Server 2019 und Hyper-V Server 2019 nutzte Microsoft indes nicht, um Letzteren beim Support für virtuelle Hardware auf den neuesten Stand zu bringen. Der Aufruf von

    Get-VMHostSupportedVersion

    zeigt 9.0 als maximale Version an.

    Hyper-V Server unterstützt maximal die VM Configuration Version 9.0

    Der kürzlich im SAC erschienene Server 1903 sowie das Mai-Release von Windows 10 stehen bereits bei der VM Configuration 9.1. Entsprechend führt der Befehl

    New-VM -Name MyVM -Version 9.1

    unter Hyper-V Server 2019 zu einem Fehler. Mit dem kleinen Update auf 9.1 bei den VM-Versionen sind jedoch keine neuen Funktionen verbunden. Außerdem ist die Gefahr von Kompatibilitäts­problemen gering, weil bei den beiden neuesten OS-Versionen noch die virtuelle Hardware 9.0 als Standard eingestellt ist.

    Allgemeine Verbesserungen aus Windows Server

    Wie schon bei der Version 2016, die wesentlich mehr Neuerungen verzeichnen konnte, kommen auch Hyper-V Server 2019 mehrere allgemeine Verbesserungen in Windows Server zugute. Dazu gehört etwa, dass Microsoft Dedup nun auch auf ReFS unterstützt.

    Hinzu kommen einige Fortschritte des Cluster-Features, wie die Cross-Domain Cluster Migration, welche den Umzug von Server-Verbünden zwischen Domänen im Active Directory erlaubt. Neu ist auch die Möglichkeit, einen Freigabe­zeugen zu nutzen, der nicht AD-Mitglied ist.

    MMC-basierte Admin-Tools auf der Konsole

    Im Wesentlichen handelt es sich bei Hyper-V Server um Server Core, reduziert auf die Rolle Hyper-V. Aus diesem Grund profitiert er von einer Neuerung, die Microsoft speziell für diese Installations­variante eingeführt hat.

    Es handelt sich dabei um das Feature on Demand (FOD) namens Core App Compatibility, das die Aus­führung zusätzlicher GUI-Anwendungen erlaubt. Grundsätzlich unterstützt der Hyper-V Server auch ohne dieses FOD grafische Programme, auch wenn deren Zahl stark eingeschränkt ist. Dazu gehören etwa einige Applets aus der System­steuerung, der Task-Manager oder Notepad.

    Dank Core App Compatibility lassen sich diverse MMC-Snapins auf der Konsole ausführen.

    Mit der Core App Compatibility erhöht sich die Zahl der grafischen Management-Tools erheblich, welche Admins auf der Konsole ausführen können. Das betrifft vor allem die mmc.exe mit einer Reihe von Snap-ins, darunter jene für die Ereignis­anzeige, das Disk- oder Failover­cluster-Management.

    Kein Hyper-V Manager

    Nicht an Bord ist ausgerechnet der Hyper-V Manager, der hier am meisten gefragt wäre. Ein Blick in das Verzeichnis %windir%\system32 zeigt, dass die erforderliche Datei virtmgmt.msc fehlt.

    Über den Server Manager kann man die Hyper-V Tools hinzufügen, aber der Hyper-V Manager steht damit nicht zur Verfügung

    Über das Hinzufügen von Rollen und Features kann man remote im Server Manager dann die Management-Tools für den Hypervisor zwar installieren, diese beschränken sich aber auf das PowerShell-Modul.

    Remote-Management mit Admin Center

    Dank der Core App Compatibility erweitern sich also die Management-Optionen für Hyper-V 2019, indem neben der Remote-Verwaltung über die RSAT und PowerShell weitere lokale Tools an der Konsole hinzukommen.

    Doch damit nicht genug. Als zusätzliche Variante steht jetzt auch das Windows Admin Center (WAC) zur Verfügung, das beim Erscheinen des Vorgängers noch nicht existierte (nichts­destotrotz lässt sich auch Hyper-V Manager 2016 nun damit verwalten).

    Die Browser-basierten Tools bieten alle wesentlichen Funktionen zur Konfiguration des Hosts, von virtuellen Switches und VMs. Sie eignen sich besonders für einfache Aufgaben wie das Ändern des Betriebs­zustands von virtuellen Maschinen, weil man sie von jedem Rechner erledigen kann, ohne dort eine Software installieren zu müssen. Andere Tätigkeiten wie das Anlegen von virtuellen Maschinen sind mit den Web-Tools relativ umständlich.

    Windows Admin Center 1906 erlaubt den im- und Export von VMs sowie das Tagging virtueller Maschinen.

    In der Preview 1906 erhielt das WAC weitere Funktionen für die Verwaltung von Hyper-V, die sich auch auf Hyper-V Server 2019 anwenden lassen. Dazu gehört der Import und Export von virtuellen Maschinen, wobei beide Vorgänge auf lokale Laufwerke des Hosts beschränkt sind.

    Neu ist auch die Möglichkeit, virtuelle Maschinen mit Tags zu kennzeichnen und sie dann beispiels­weise in der Ansicht danach zu sortieren. Dieses Feature ist nicht zu verwechseln mit den Anmerkungen für VMs, die man im Hyper-V Manager vergeben kann.

    Verfügbarkeit und Installation

    Microsoft stellt Hyper-V Server 2019 wie gewohnt als ISO zum kostenlosen Download im Eval-Center bereit. Aufgrund der Lizenz­bedingungen für Windows Server besteht die primäre Anwendung des kostenlosen Hyper-V Server darin, in den VMs virtuelle Desktops oder Linux bereit­zustellen.

    Wer Windows Server in virtuellen Maschinen betreiben möchte, muss die erforderlichen Virtualisierungs­rechte über die Standard oder Datacenter Edition erwerben, welche auch die Bare-Metal-Installation des vollen Betriebs­systems inklusive Hypervisor erlauben.

    Während Microsoft ein In-Place-Upgrade von Server 2012 R2 und 2016 auf 2019 unterstützt, gilt das nicht für Hyper-V Server.

    Das Setup von Hyper-V Server 2019 bietet zwar ein Upgrade an, scheitert aber daran.

    Trotzdem wurde ein direktes Upgrade in der Vergangenheit gerne praktiziert, vor allem in Lab-Umgebungen, weil es einige Arbeit erspart. Startet man in Hyper-V 2016 das Setup der Version 2019, dann kann man alle Dialoge durchlaufen und erhält keinen Hinweis auf mögliche Probleme.

    Das Setup scheitert beim Inplace-Upgrade daran, dass der Hyper-V Server keinen Lizenzschlüssel benötigt.

    Ganz zum Schluss scheitert die Installation dann aber mit der Meldung

    0x80070490 - 0x2000E - In der Phase SAFE_OS ist während des Vorgangs SET_PRODUCT_KEY ein Fehler aufgetreten.

    Dabei scheint es sich um kein Upgrade-Problem im engeren Sinne zu handeln, sondern um einen Mangel des schlampig auf Hyper-V Server übertragenen Windows-Setup.

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