Lizenz-Analyst: Warum Anwender mit einer Software Assurance nicht gewinnen

    Lizenz-ManagementMicrosoft möchte Firmenkunden die Software Assurance schmackhaft machen und wirbt mit Einsparungen von Lizenzkosten und exklusiven Zusatz­leistungen. Steven Kelley, Director der Firma Software Licensing Advisors, erklärt im Interview mit ITAM Review, warum die Rechnung in der Regel nicht aufgeht.

    Seit nunmehr 14 Jahren bietet Microsoft seinen Unternehmens­kunden die Möglichkeit, durch die Zahlung einer jährlichen Gebühr das Anrecht auf kommende Upgrades zu erwerben. Zusätzlich gewährt der Hersteller bei Abschluss eines solchen Vertrages eine Reihe von Vergünstigungen, etwa Trainingsgutscheine oder zusätzliche Support-Leistungen (siehe dazu: Microsoft Software Assurance: Die wichtigsten Fragen und Antworten).

    Kein wirklicher Wartungsvertrag

    Dennoch verdiene die Software Assurance (SA) nicht die Bezeichnung Wartungsvertrag, so Steven Kelley im Gespräch mit der englischen ITAM Review. Anders als bei vielen Herstellern handelt es sich dabei um keine Gebühr für dauerhaften Support oder laufende Wartung. Im Kern geht es um die Möglichkeit, künftige Updates zu günstigeren Konditionen zu erwerben.

    Das Einsparungspotenzial hängt jedoch von Faktoren ab, die sich vorab jedoch nicht kalkulieren lassen. Die zwei wichtigsten sind die Update-Intervalle und der zusätzliche Nutzen, den die nächste Produktversion bietet.

    Hohes Risiko für unnötige Kosten

    Bei einer jährlichen Gebühr von 25 Prozent der Lizenzkosten, wie sie beim Windows-Client anfällt, muss ein Upgrade innerhalb von 3 Jahren erscheinen, damit sich überhaupt Kostenvorteile erzielen lassen. Und dann muss die neue Version genügend Verbesserungen bringen, so dass sie tatsächlich im Unternehmen flächendeckend eingeführt wird.

    Ob die Anwender mit einer Software Assurance glücklich werden, ist fraglich.

    Kelley nennt jedoch mehrere Produktversionen, die von vielen Anwendern übersprungen wurden, darunter Office 2007, Exchange 2007, Vista und Windows 8.1. Er rechnet vor, dass ein Unternehmen nach der typischen Laufzeit von zwei Enterprise Agreements (also nach 6 Jahren) 174 Prozent der Lizenzgebühren bezahlt hat, wenn es eines von zwei Upgrades auslässt, die in diesem Zeitraum erschienen sind.

    Dagegen fahre eine Firma ohne Software Assurance deutlich günstiger, wenn sie nur eine der beiden neuen Versionen konventionell erwirbt, weil bei der Anschaffung einer größeren Zahl an Lizenzen meistens ein zusätzlicher Preisnachlass von 10 bis 20 Prozent ausgehandelt werde könne.

    Schwindender Nutzen der Software Assurance

    Zuletzt habe Microsoft die Vorteile einer Software Assurance weiter reduziert, indem es Produkte kostenlos an Anwender abgebe, die keinen solchen Vertrag besitzen. Das gilt besonders für das Update von Windows 8 auf 8.1 oder nun sogar von Windows 7 auf 10, ohne dass SA-Kunden dafür entschädigt würden. Schließlich bezahlen sie nach wie vor für das Anrecht auf das neueste Release, das andere umsonst erhalten.

    Im Gegenzug erhöhe der Hersteller den Druck, um Anwender trotzdem von der Notwendigkeit einer Software Assurance zu überzeugen. Dazu gehört, dass Microsoft bestimmte Nutzungsrechte aus einer normalen Lizenz entfernt und sie an eine SA bindet.

    Alle Clients mit Ausnahme von Windows-PCs mit Software Assurance benötigen eine VDA für den Zugriff auf zentrale Desktops.

    Das gilt etwa für den Einsatz von Windows für virtuelle Desktops oder das Recht, einen virtualisierten SQL Server auf einen anderen Host zu migrieren. Dieses muss man sich nun als License Mobility through Software Assurance extra erkaufen. Dabei stellt sich natürlich die Frage, ob diese Option einem Unternehmen die jährliche Gebühr von 25 Prozent der Lizenzkosten wert ist.

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