Microsoft bringt RDP-Clients für Android, iOS und MacOS

    Store-App für RDPEntgegen der lange geübten Praxis, vollwertige RDP-Clients nur für die eigene Plattform anzubieten, kündigte Microsoft nun Implemen­tierungen für mehrere Betriebssysteme an. Sie beruhen auf RDP 8.1 und erlauben den Zugriff auf Session Hosts und auf virtuelle Desktops, die über RDS bereitgestellt werden.

    Als Microsoft in den 90er Jahren die Rechte für die Multiuser-Erweiterungen von Citrix erwarb, verpflichtete es sich für einen längeren Zeitraum, nur Windows mit RDP zu unterstützen. Auch nach Ablauf der vereinbarten Frist führte Redmond diesen Kurs fort, wenn man von einem zweitklassigen Mac-Client absieht. Aus diesem Grund besteht bis heute ein wesentlicher Nutzen von XenApp und anderen Zusatzprodukten für die Terminaldienste darin, dass sie Support für heterogene Clients bieten.

    Neueste RDP-Features für viele Clients

    Mit einer unscheinbaren Ankündigung gibt Microsoft nun seine Zurückhaltung bei der Unterstützung fremder Betriebssysteme auf. Die Pressemitteilung spricht von "vielfältigen Geräten und Plattformen, darunter Windows, Windows RT, iOS, OS X und Android". Sie lässt damit ausdrücklich die Möglichkeit offen, dass noch weitere Systeme hinzukommen. Berücksichtigt man, dass mit RDP 8.0 auch für Windows 7 eine weitgehend aktuelle Implementierung vorliegt, dann kann künftig eine Vielzahl von Geräten die neuesten Errungenschaften der Remote Desktop Services nutzen.

    Der neue RDP-Client für Android

    Derzeit füllen diverse Drittanbieter oder Open-Source-Projekte mit ihren RDP-Clients die Lücke bei Nicht-Windows-Systemen. Ihr Funktionsumfang sowie die Qualität der Implementierungen sind sehr unterschiedlich, der Support ist nicht immer gegeben und häufig sind die Produkte nicht auf dem neuesten Stand. Offizielle RDP-Clients von Microsoft verändern daher die Situation grundsätzlich.

    Mit Windows gleichwertige Implementierungen

    Im Moment gibt es noch keine technischen Details zur den Fähigkeiten der neuen Clients. Da sie aber gleichzeitig mit Windows Server 2012 R2 verfügbar sein sollen, werden sie auf dem Stand von RDP 8.1 sein. Es ist davon auszugehen, dass sie alle in dieser Version eingeführten Neuerungen bieten, darunter ein weiter verbessertes RemoteFX.

    Der Mac erhält offenbar einen von Grund auf neu entwickelten Client, der funktional äquivalent sein soll mit jenem für Windows. Der bisher verfügbare Remote Desktop Connection Client für den Mac ist nicht mehr auf der Höhe der Zeit und lässt unter anderem die Unterstützung für das Remote Desktop Gateway vermissen. Eine solche Auffrischung kann auch die Store App für RDP gebrauchen, die zum Beispiel keine Umleitung von lokalen Laufwerken erlaubt.

    CALs für Session Host erforderlich

    Gemäß der herrschenden Lizenzpolitik von Microsoft sind für den Zugriff auf Terminal-Sessions separate Client Access Licenses (CALs) erforderlich. Dies gilt natürlich auch für Geräte, die unter dem Betriebssystem eines anderen Herstellers laufen.

    Eine Lizenzierung kann pro Gerät oder pro User erfolgen. Nachdem Smartphones und Tablets auf Basis von Android oder iOS in der Regel ergänzend zu einem PC eingesetzt werden, dürfte in solchen Fällen die User-basierte Lizenzierung meistens günstiger sein. Wer schon heute derartige CALs für Windows Server 2012 besitzt, kann diese unter dem Release 2 weiternutzen. Dies ist vor allem deswegen interessant, weil der Preis der RDS-CALs mit Server 2012 R2 um ca. 20 Prozent steigen wird.

    Komplizierte Lizenzierung für virtuelle Desktops

    Die neuen RDP-Clients eignen sich auch für den Zugriff auf virtuelle Desktops, die auf Basis der Remote Desktop Services bereitgestellt werden. Wie bei VDI-Systemen von Citrix oder VMware sind dafür generell keine CALs erforderlich.

    Dafür muss man für Android, iOS & Co. Lizenzen des Typs Windows Virtual Desktop Access (Windows VDA) zu erwerben, weil man für sie keine Software Assurance abschließen kann, die auch VDI-Rechte abdeckt. Ausgenommen sind private Geräte von Mitarbeitern, wenn sie mit ihnen von außerhalb der Firma auf virtuelle Desktops zugreifen. Nehmen sie ihre privaten Smartphones jedoch in die Arbeit mit, dann benötigen sie eine so genannte Companion Device License - es sei denn, das Gerät läuft unter Windows RT.

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