Migration auf Windows 10: Neuinstallation oder In-Place-Upgrade?

    Die 4 Phasen des In-Place-Upgrades."Windows as a Service" bedeutet, dass Windows 10 neue Funktionen laufend per Update erhält. Ein solches In-Place-Upgrade ist auch für die Migration von Windows 7/8.1 vorge­sehen, aber gleich­zeitig existieren weiterhin alle Mittel für eine herköm­mliche Neu­installation. Wann ist also welches Verfahren zu empfehlen?

    Die von Microsoft bevorzugte Methode für den Umstieg auf Windows 10 ist das In-Place-Upgrade. Es reduziert den Aufwand für die Migration, weil der Umzug der Benutzer­profile oder das Neuinstallieren aller Programme entfällt.

    In-Place-Upgrade installiert frisches Windows 10

    Wer schon länger mit Windows arbeitet, dem stellt sich natürlich die Frage, ob ein In-Place-Upgrade von Windows 7/8.1 auf 10 zu einem ähnlich stabilen System führt wie eine von Grund auf frische Installation. Schließlich hat Windows in der Vergangenheit gezeigt, dass es nach einer langen Betriebsdauer zu Erosions­erscheinungen neigt.

    Das In-Place-Upgrade ist ein komplexer Vorgang, der Einstellungen und Anwendungen auf ein frisches Windows 10 überträgt.

    Allerdings gilt es zu bedenken, dass ein In-Place-Upgrade keineswegs nur Windows 10 über das alte Betriebssystem spielt. Vielmehr handelt es sich dabei de facto um eine Neuinstallation, bei der das alte Windows unter \windows.old stillgelegt wird.

    Treiber-Update, Prüfung von Anwendungen

    Der neu gestaltete Upgrade-Prozess ist aufwändig und beginnt mit einer umfassenden Evaluierung und Inventarisierung des Rechners. Wenn die Voraus­setzungen für das Upgrade gegeben sind, dann startet das System von WinRE und kopiert die Systemdateien von Windows 10 auf das betreffende Laufwerk. In dieser Phase lädt das Setup auch die neuesten Treiber von Windows Update, zusätzlich können Admins ein Verzeichnis angeben, das weitere Treiber enthält.

    Die Kompatibilität vorhandener Programme wird anhand einer Datenbank geprüft und über Anpassungen hergestellt.

    Auch bei der Migration von Anwendungen passiert mehr, als bloß die Registry-Einträge zu übernehmen. Das Setup prüft auf Basis einer umfang­reichen Datenbank, ob die vorhandenen Applikationen mit Windows 10 kompatibel sind. Sie enthält zudem Informationen über die Einstellungen, mit der ein Programm unter Windows 10 zum Laufen gebracht werden kann, und das Setup wendet diese automatisch an.

    Eine detaillierte Beschreibung des In-Place-Upgrades lieferte Microsoft auf der Ignite-Konferenz, die betreffende Session "Upgrading to Windows 10: In Depth" kann noch auf Channel9 angesehen werden.

    Rückkehr zum alten Windows jederzeit möglich

    Ein weiterer Vorteil des In-Place-Upgrades besteht darin, dass es in jeder Phase auf das alte Betriebssystem zurückgerollt werden kann. Dies geschieht automatisch, wenn etwa das erste Booten von Windows 10 fehlschlägt. Benutzer können aber auch nach erfolgreicher Migration zum Vorgänger­system zurückkehren, wenn sie mit dem neuen Windows aus irgendeinem Grund nicht einverstanden sind.

    Dagegen lässt sich ein solcher Rollback bei einer Neuinstallation nur schwer realisieren, weil dort ja die vorhandene Installation gelöscht und ein neues (angepasstes) Systemabbild aufgespielt wird. Für In-Place-Upgrades eignen sich übrigens keine solchen modifizierten Images, vielmehr muss das unmodifizierte install.wim aus dem Installations­medium mit MDT oder SCCM verteilt werden.

    Szenarien für eine Neuinstallation

    Trotz des deutlich verbesserten In-Place-Upgrades, das Microsoft als Standard empfiehlt, eignet es sich nicht für jede Migration. Das gilt besonders dann, wenn der Umstieg auf das neue Betriebssystem als Anlass für größere Änderungen genommen wird.

    Die wichtigsten Gründe für eine Neuinstallation (Wipe and Load)

    So ist eine Neuinstallation in diesen Fällen erforderlich:

    • Beim Umstieg von der 32- Bit- auf die 64-Bit-Version von Windows (und umgekehrt), aufgrund der möglichen Schwierigkeiten mit Treibern und Anwendungen;
    • Wenn die Laufwerke neu partitioniert werden sollen;
    • Falls auf den PCs noch Windows XP oder Vista läuft;
    • UEFI statt BIOS: Wenn ein älteres Windows auf einem UEFI-PC im BIOS-Kompatibilitätsmodus installiert wurde und mit dem Upgade die UEFI-Firmware nativ genutzt werden soll, dann muss dafür das Disk-Layout geändert werden (u.a. GPT statt MBR, siehe dazu: FAQ zu UEFI, BIOS, GUID Partition Table (GPT) und Master Boot Record). Gründe dafür wären der Einsatz von Secure Boot oder Device Guard, die UEFI voraussetzen.
    • Beim Wechsel der Sprachversion: Ein In-Place-Upgrade von einer deutschen auf eine englische Version des Betriebssystems ist beispielsweise nicht möglich
    • Beim Wechsel der Edition: Mittels In-Place-Upgrade kann man nur auf die gleiche oder höhere Edition migrieren, also etwa von Windows 7 Pro auf Windows 10 Pro oder Enterprise.
    • Dual- oder Multiboot-Systeme werden nicht unterstützt, ebenso wenig VHD Boot und Windows To Go.
    • Während ein In-Place-Upgrade auf PCs möglich ist, deren Laufwerke mit Bitlocker verschlüsselt worden sind, verträgt es sich mit alter­nativen Lösungen nicht, wenn der Anbieter seine Software nicht ausdrücklich dafür angepasst hat.

    Neben diesen Einschränkungen, die ein In-Place-Upgrade nicht zulassen, sprechen auch andere Umstände dafür, eine Neuinstallation zu erwägen. Diese treffen etwa zu, wenn man einen großen Teil der installierten Anwendungen nicht übernehmen möchte.

    Schließlich empfiehlt es sich, vor einem In-Place-Upgrade noch unter dem alten Betriebssystem den Internet Explorer 11 zu installieren, um die Kompati­bilität von vorhandenen Web-Anwendungen zu testen. Unter Windows 10 steht eine ältere Ausführung dieses Browsers nämlich nicht zur Verfügung.

    3 Kommentare

    Gerald Matz sagt:
    12. November 2015 - 22:52

    Ich frage mich die ganze Zeit, wenn ich ein Windows 10 In-Place durchgeführt habe und die Festplatte des PCs geht 2 Jahre später kaputt und muss ersetzt werden, Win 10 muss also komplett neu installiert werden. Wo ist denn der Win10 Product Key. Selbst wenn man den Irrsinn machen würde und erst mal ein altes Windows 7 installiert ein Inplace Upgrade ist dann ja nicht mehr kostenlos möglich(Upgradephase 1 Jahr). Wie installiert man dann also in einem solchen Fall am schnellsten und ohne Kosten Windows 10, bzw. wo ist der Productkey. Danke für jede Antwort im voraus.

    Nico sagt:
    12. November 2015 - 23:35

    Mit dem Update 1511 akzeptiert Windows 10 auch ältere Lizenzschlüssel:

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Windows-10-Version-1511-ist-da-29...

    Paul Brusewitz sagt:
    15. November 2015 - 17:45

    Hallo,

    Es gibt keinen Produktkey zum Eingeben während der Installation. Es gibt nur eine Checksumme, die auf den Servern von Micosoft abgespeichert ist. Bei einer Neu-Installation auf demselben System ist Windows 10 einfach aktiviert auch ohne Eingabe eines Lizenz-Keys. Ansonsten siehe Kommentar von Nico.

    MfG