Nach dem VMware-RTO-Deal: User-Virtualisierung wird Mainstream

    VMware RTO Virtual ProfilesDer Kauf von RTO-Tools zur Verwaltung von Benutzerprofilen durch VMware zeigt, dass der zukünftige (virtuelle) Desktop nicht mehr User-spezifische Daten und Einstellungen fest im System verankern wird. Sowohl der Kauf von SepagoProfile durch Citrix als auch von Virtual Profiles durch VMware bringt jedoch nur Fortschritte für die Umgebung des jeweiligen Herstellers. Weniger bekannte Unternehmen gehen darüber hinaus und arbeiten an der Ablösung der ganzen Benutzerumgebung von einer bestimmten Windows-Installation.

    Ablösung der Benutzerdaten vom Desktop

    Citrix und VMware als Anbieter von Systemen für virtuelle Desktops propagieren ein Konzept des "komponentisierten" (oder "geschichteten") Desktops, bei dem die Client-Installation nicht nur von der PC-Hardware abgelöst wird, indem sie in virtuelle Maschinen (VMs) auf dem Server abwandern. Das effektive Management einer solchen Umgebung hängt wesentlich davon ab, dass nicht jeder User sein eigenes Systemabbild erhält, das wie ein traditioneller Desktop-Rechner Betriebssystem, Anwendungen, Benutzerdaten und individuelle Einstellungen zu einem Klumpen verbindet.

    Eine Technik, die bei der Aufspaltung der Desktop-Komponenten hilft, ist die Applikations-Virtualisierung. Das Interesse daran hat in letzter Zeit erheblich zugenommen. Tools wie App-V oder ThinApp bringen Anwendungen zum Benutzer, ohne dass sie auf dem System installiert werden müssen oder den Zustand des Betriebssystems verändern.

    Server-gespeicherte Profile mit Design-Mängeln

    Wenn es um die Abstraktion der Benutzerumgebung geht, scheint die dafür nötige Technik schon längst etabliert. Windows bietet seit der Version 2000 die Server-gespeicherten Profile (Roaming Profiles), die mit dem Benutzer auf jeden PC mitwandern können.

    Die Implementierung der Roaming Profiles hat besonders für VDI-Umgebungen einige Defizite. Die größten bestehen darin, dass die gesamten Benutzerdaten beim Anmeldevorgang vom Server auf den Client kopiert werden und sich das Login dadurch in die Länge ziehen kann. Der zweite Mangel besteht darin, dass der Windows-eigene Mechanismus keinen Mechanismus zur Auflösung von Versionskonflikten besitzt.

    Gerade bei virtuellen Desktops kommt es vor, dass ein Benutzer an zwei davon angemeldet ist. In diesem Fall werden die Änderungen, die der User an der erste Maschine vorgenommen hat, von jenen auf der zweiten überschrieben, wenn sie nach dem Abmelden auf den Server übertragen werden ("wer zuletzt schreibt, gewinnt"). Das Design der Server-gestützten Profile sträubt sich zudem gegen eine gängige Konfiguration in Citrix-Umgebungen, wo Anwendungen über XenApp in virtuelle Desktops eingeblendet werden, weil die Session auf dem Terminal-Server ebenfalls eine Kopie des Profils lädt.

    Behelfslösungen für Roaming Profiles

    Ein gängiger Versuch, dieses Problem zu lindern besteht in der Ordner-Umleitung, so dass etwa Benutzerdateien nicht lokal in "Eigenen Dateien", sondern auf einem Netzlaufwerk gespeichert werden. Auf diese Weise existiert immer nur eine Instanz einer Datei. Ungelöst bleiben indes die drohenden Versionskonflikte bei benutzerspezifischen Einstellungen, die als Schlüssel in der Registierdatenbank hinterlegt werden.

    VMware nahm Virtual Profiles von RTO Software letztes Jahr in Lizenz, um sie in VMware View zu integrieren. Das Tool beseitigt die in Windows vorhandenen Defizite des Profil-Managements, indem es Benutzerdaten und -einstellungen nach Bedarf nach im Hintergrund nachlädt und so die Verzögerungen bei der Anmeldung vermeidet. Außerdem verfügt es über einen intelligenten Synchronisierungsmechanismus, der Änderungen sofort an das Backend zurückschreibt und Versionskonflikte auflöst. Hinzu kommt ein Caching der Profile für den Offline-Betrieb.

    RTO Virtual Profiles für View und ThinApp

    VMware möchte Virtual Profiles bis Mitte des Jahres in View integrieren. CTO Scott Davis erwähnt in diesem Zusammenhang auch ThinApp, ohne Details zu nennen. Offensichtlich geht es aber darum, dass auch benutzerspezifische Einstellungen für Applikationen, die mittels ThinApp ausgeliefert werden, erhalten blieben. Die zur Anwendungsvirtualisierung erstellten Pakete sind für den Benutzer nicht beschreibbar. Virtual Profiles könnte Änderungen, die der Benutzer innerhalb der Sandbox vornimmt, in seine Datenbank replizieren und zukünftig in die virtualisierte Anwendung einspielen.

    Es ist davon auszugehen, dass VMware sein neues User-Profile-Management auf seiner gesamten Plattform einsetzt, also nicht nur in virtuellen Desktops unter View, sondern auch in ACE, Workstation und für den schon länger angekündigten Client-Hypervisor. Daten und Einstellungen der Benutzer könnten so in jeden von WMware virtualisierten Desktop übernommen werden. Allerdings möchte das Unternehmen Virtual Profiles und die anderen erworbenen RTO-Produkte nicht weiter als eigenständige Software (PDF) vertreiben, so dass Kunden sie nicht mehr für klassische PCs nutzen können. Das wäre jedoch interessant, weil kaum eine Firma alle Desktops über VDI bereitstellen wird, sondern gemischte Umgebungen der Norm sein dürfte.

    Weitergehende Lösungen von Spezialisten

    Während Citrix und VMware das Problem des User-Profile-Managements in ihren Umgebungen lösen wollen, verfolgen einige andere Firmen weiterreichende Perspektiven. Diese beschränken sich nicht auf die Profile, sondern sie ganze Benutzerpersönlichkeit ("Persona Management"). Dazu zählen auch Daten, die außerhalb des Profiles gespeichert wurden, und selbst installierte Anwendungen. Zu den Herstellern, die sich ein vollständiges User Worlspace Management auf die Fahnen geschrieben haben, zählen AppSense, Liquidware Labs, RES Software, Scense, Tranxition und Tricerat.

    Über ein umfassendes Management der Windows-Benutzerumgebung hinaus lässt sich natürlich fragen, warum sich bestimmte persönliche Einstellungen nicht auf andere Betriebssysteme oder Cloud-Anwendungen anwenden lassen. Dafür fehlen jedoch noch die nötigen Standards. Aber insgesamt rückt der User und seine Arbeitsumgebung stärker ins Zentrum, je weniger sie an einen bestimmten PC gebunden ist. So steht für die Weiterentwicklung von System Center Configuration Manager mehr das Provisioning von Usern auf der Tagesordnung als das traditionelle Bereitstellen von Geräten.

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