Neu bei Amazon Web Services: CloudWatch, DNS, GPU-Instance, vmdk-Import

    Amazon Web ServicesDer Pionier und Marktführer bei Cloud-Services baut seine Position in rasantem Tempo weiter aus. Amazon ist längst darüber hinaus, einfache IaaS-Dienste wie Rechenleistung und Storage anzubieten. Vielmehr erweitert das Unternehmen sein Angebot in Richtung PaaS. Alleine in den letzten Wochen stellte Amazon mehrere neue Services vor, die es dem Anspruch einer integrierten Anwendungsplattform näher bringt. Dazu zählen Features wie Monitoring, automatisches Skalieren, Unterstützung für Hochleistungsgrafik, der Import von VMware-Images sowie zusätzliche Support-Optionen.

    Monitoring mit CloudWatch

    Einen wesentlichen Schritt zu einer intelligenten Infrastruktur stellte die wenig beachtete Ankündigung von CloudWatch Anfang Dezember dar. Es handelt sich dabei um ein Monitoring-Tool, das sowohl EC2-Instanzen als auch Elastic Load Balancer überwachen kann. Es liefert unter anderem Informationen zu CPU-Auslastung, Datenübertragung, Speicherplatzverwendung und Festplattenaktivität aller Amazon EC2-Instanzen. Zudem können mit CloudWatch Elastic die Zahl der Requests an die Load Balancers beobachtet werden.

    Mit Cloudwatch Alarms lassen sich Grenzwerte definieren, bei deren Überschreitung unterschiedliche Aktionen ausgelöst werden.CloudWatch verfügt über ein Feature namens Alarms, das bei Überschreiten definierbarer Grenzwerte Aktionen auslöst. Das können Benachrichtigungen per E-Mail sein, aber auch eine Nachricht über Amazons Message-Queuing-Service SQS, die direkt von einer Applikation verarbeitet werden kann. Jeder Kennzahl lassen sich mehrere Alarme zuordnen, die ihrerseits mehrere Aktionen auslösen können.

    Die Basisversion von CloudWatch ist im Preis für EC2-Instanzen enthalten. Sie liefert Informationen in Intervallen von 5 Minuten. Ein Update-Frequenz im Minutentakt kostet 0,015 Dollar pro Stunde und EC2-Instanz.

    Dynamische Ressourcen-Zuteilung mit Auto Scaling

    Eng an CloudWatch und dessen Alarms-Funktion gekoppelt ist die Möglichkeit, bei Erreichen bestimmter Grenzwerte automatisch weitere EC2-Instanzen hinzuschalten. Amazon erlaubt die Definition von Policies für AutoScalingGroups, also verknüpften EC2-Instanzen. Diese können bei bestimmten Schwellwerten die verfügbare Leistung entweder prozentual oder absolut erhöhen bzw. reduzieren.

    Auto Scaling ist jedoch nicht nur an Ereignisse gebunden, die von CloudWatch ausgelöst werden. Wenn vorher schon bekannt ist, dass zu einem bestimmten Datum oder eine bestimmten Uhrzeit Leistungsspitzen auftreten werden, dann kann das Zuschalten weiterer Instanzen auch zeitgesteuert erfolgen. Derzeit lässt sich dieses Feature entweder über REST-APIs oder Kommandozeilen-Tools steuern. Auch Auto Scaling ist im Preis von EC2 bzw. von CloudWatch inbegriffen.

    Route 53: der AWS Domain Name Service

    Nur 2 Tage nach CloudWatch kündigte Amazon einen eigenen DNS unter der Bezeichnung Route 53 an. Die Firma preist ihn als einen hoch verfügbaren und besonders leistungsfähigen Service an. Er profitiert davon, dass die DNS-Infrastruktur weltweit in allen Amazon-Rechenzentren gehostet wird, und daher Anfragen vom nächstgelegenen Standort aus bedient werden können. Route 53 ist eine ideale Ergänzung zum CloudFront (derzeit noch Beta), einem Content Dilivery Network nach dem Muster von Akamai. Auch dieses hält weltweit Kopien von Inhalten vor und liefert Inhalte von jenem Rechenzentrum aus, das die Anfrage am schnellsten beantworten kann.

    Route 53 eignet sich natürlich dazu, DNS-Einträge für AWS-Ressourcen zu verwalten, also für EC2-Instanzen, S3-Buckets oder Load Balancer. Der Service ist aber keineswegs darauf beschränkt, sondern kann auch Adressen für Server außerhalb von Amazon auflösen.

    Der DNS-Dienst ist ebenfalls über REST-APIs programmierbar. Amazon spricht davon, dass Änderungen oder neue Einträge innerhalb einer Minute weltweit auf alle Rechenzentren repliziert werden. Das Management der Einträge über AWS Management Console ist derzeit nicht möglich, es soll ebenso wie ein Toolkit zu einem späteren Zeitpunkt kommen.

    Route 53 kostet 1 Dollar pro Monat und Hosted Zone (entspricht einer DNS Zone File), 0,50 Dollar für eine Million Anfragen, bei Überschreiten von einer Milliarde Requests kostet eine Million Anfragen 0,25 Dollar.

    Cluster GPU Instance

    Dabei handelt es sich um einen weiteren Typ von EC2-Instanz, der virtuellen Maschinen den direkten Zugriff auf Hochleistungs-Grafikprozessoren gewährt. Die GPU Instance verfügt über folgende Ausstattung:

    • 2 NVIDIA Tesla M2050 "Fermi" GPUs (jede enthält 448 Kerne und 3 GB RAM und erbringt eine Leistung von 515 Gigaflops).
    • 2 Quad-Core Intel X5570 Prozessoren
    • 22 GB RAM.
    • 1690 GB lokalen Speicher
    • 10 Gbps Ethernet, über das sich HPC-clusters einrichten lassen.

    Amazon positioniert diese Rechenmoster für grafisch aufwändige Simulationen oder die Kalkulation komplexer wissenschaftlicher Modelle. Anlässlich der Ankündigung des neuen Instanztyps wurden Spekulationen laut, dass Amazon damit die technische Basis für Desktop as a Service schaffe. Wenn die Firma mit Microsoft eine lizenzrechtliche Regelung fände, könnte sie virtuelle Desktops in großem Stil ausliefern.

    Auch Cluster GPU Instances werden nach dem üblichen Pay-as-you-go-Prinzip abgerechnet, das heißt sie können spontan gebucht und nach verbrauchter Leistung bezahlt werden. Eine GPU-Instanz kostet 2,10 Dollar pro Stunde.

    Import von vmdk-Images

    Das ebenfalls im Dezember vorgestellt VM Import erlaubt es Unternehmen, virtuelle Maschinen im vmdk-Format von VMware für die Ausführung bei Amazon zu konvertieren. Unterstützt werden sowohl virtuelle Disks, die ein startfähiges Betriebssystem enthalten als auch reine Datenlaufwerke.

    Derzeit unterstützt die Import-Funktion nur 32- und 64-Bit-Versionen von Windows Server 2008 SP2 (in den Editionen Standard, Enterprise und Datacenter). Windows Server 2003 und Windows Server 2008 R2 sollen demnächst folgen, ebenso wie verschiedene Linux-Distributionen. Geplant ist zudem die Unterstützung für andere Formate neben vmdk.

    Der Import ist zudem alles andere als ein automatischer Vorgang. Er erfolgt über den Aufruf mehrerer Kommandozeilen-Tools und setzt voraus, dass Antivirus- und Intrusion-Detection-Software aus dem Image entfernt wurde (sie lassen sich nach dem Start in einer EC2-Instanz wieder aktivieren) und dass man die VMware Tools deinstalliert hat.

    Die Importfunktion für VMware-Images ist kostenlos.

    Oracle Applications in EC2

    Ebenfalls noch vor Weihnachten stellte Amazon die Unterstützung für betriebswirtschaftliche Oracle-Anwendungen vor. Dazu zählen mehrere Module und Versionen von PeopleSoft, der E-Business Suite JD Edwards Enterprise One. Sie liegen als einsatzbereite AMIs vor, die Anwendungen laufen auf Basis von Oracle Linux. Im Gegensatz zur sonstigen Amazon-Infrastruktur dient dafür nicht ein angepasstes Xen als Hypervisor, sondern Oracle VM.

    AWS Premium Support

    Mit dem zügigen Ausbau seiner Infrastruktur verfolgt Amazon das Ziel, eine Plattform für komplexe und anspruchsvolle Anwendungen zu bieten. Darauf richtete das Unternehmen nun auch seinen Support aus, der auch geschäftskritischen Applikationen genügen soll.

    Dies gilt besonders für den neuen Platinum Support, den beliebig viele Mitarbeiter des Kunden kontaktieren dürfen und der Reaktionszeiten von einer Viertel Stunde garantiert. Anfragen dieser privilegierten Nutzer kommen nicht in die Ticket-Warteschlage, sondern werden direkt zu den Spezialisten durchgereicht. Ein solcher Vertrag kostet mindestens 15000 Dollar pro Jahr oder 10% der Nutzungsgebühren.

    Am anderen Ende der Skala führte Amazon der Bronze Support ein, den ein namentlich festgelegter Mitarbeiter der Anwenderfirma in Anspruch nehmen darf. Die Reaktionszeit liegt bei 12 Stunden, der Vertrag kostet 49 Dollar im Monat.

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