Neu in VMware View 4.5: Local Mode, Support für Windows7, Mac und SCOM

    Architektur von VMware View 4.5Mit View 4.5 bringt VMware das schon länger erwartete Update seiner Software für Server Hosted Virtual Desktops (SHVD). Der Hersteller stand mit der neuen Version unter Druck, nachdem der lange angekündigte Client-Hypervisor de facto eingestellt wurde und das von RTO zugekaufte Virtual Profiles integriert werden sollte. Obendrein attestierten die Analysten von Gartner View 4, nicht reif für den Enterprise-Einsatz zu sein.

    Zumindest die letzte Hürde hat VMware mit View 4.5 genommen. Chris Wolf von der Gartner Group verlieh der neuesten VDI-Lösung das Prädikat "Enterprise ready", nachdem sie durch einige neue Funktionen die Anforderungen nun erfüllen kann. Der Hauptkonkurrent Citrix hatte seine Hausaufgaben ebenfalls erst vor kurzem gemacht und von den Gartner-Analysten das Enterprise-Gütesiegel erhalten.

    Erweiterte Möglichkeiten der Systemadministration

    Zu der wichtigsten Lücke, die VMware geschlossen hat, zählt die Möglichkeit, Administrationsaufgaben mittels rollenbasierter Zugriffskontrolle zu delegieren. Sie ist Teil des rundum erneuerten View Manager, einer auf Basis von Adobe Flex programmierten Verwaltungskonsole. Zusätzlich musste VMware bei der Protokollierung von administrativen Eingriffen nachlegen, um auch kleine Änderungen im System nachvollziehbar zu machen.

    In Bezug auf die Administration von View-Installationen kommt VMware nun einer weiteren Forderung der Analysten nach, indem es die Plattform für externe System-Management-Tools öffnet. View 4.5 enthält ein Management Pack für Microsofts System Center Operations Manager (SCOM). Es versetzt Sysops in die Lage, View von der Hardware bis zum virtuellen Desktop aus SCOM zu überwachen, sich über Ereignisse benachrichtigen zu lassen und bei Bedarf Services neu zu starten. Hinzu kommt auch eine Library für die Powershell, so dass sich View 4.5 mit Hilfe von Scripts administrieren lässt.

    Plattform-Unterstützung auf dem neuesten Stand

    Zu den weiteren Punkten im Kriterienkatalog, die VMware bis dato nicht abhaken konnte, zählte die Unterstützung für Windows 7. Es zählte aber ohnehin zum Pflichtprogramm für View 4.5, dass es in puncto Infrastrukur auf den neuesten Stand gebracht wird. Dazu zählte auch die Unterstützung für vSphere 4.1 und vCenter 4.1.

    In diese Kategorie fällt auch der neue View-Client für Mac OS X, so dass VMware bei der Zahl an unterstützten Client-Plattformen gegenüber Citrix ein bisschen Boden gutmachen kann. Allerdings beschränkt sich die erste Version des Mac-Clients auf RDP, die Portierung von PCoIP lässt noch auf sich warten.

    Unklares Schicksal für die Client Virtualization Platform

    Anlass zu Spekulationen und Diskussionen gab die bis dato ungeklärte Position von VMware zum Thema Client-Hypervisor. Das Unternehmen hatte noch vor Citrix eine derartige Software angekündigt, die Client Virtualization Platform (CVP) kam aber nie über den Stand einer Technologiestudie hinaus. VMware stellte das Projekt nie offiziell ein, argumentierte aber zunehmend gegen den Client-Hypervisor, nachdem Citrix seinen XenClient auf der diesjährigen Synergy-Konferenz vorstellte.

    Der Client-Hypervisor soll 2 wesentliche Aufgaben übernehmen: virtuelle Desktops offline-fähig machen und ein Nebeneinander von privatem und beruflichem Desktop für bestimmte Nutzungsszenarien ermöglichen. Damit die Hersteller VDI auch für neue Anwendergruppen wie mobile Mitarbeiterpositionieren können, kommt einer solchen Client-Komponente eine kritische Bedeutung zu.

    Local Mode statt Bare Metal Hypervisor

    Als Haupteinwand gegen den Client-Hypervisor diente VMware dessen destruktive Installation, weil er auf den blanken Rechner aufgespielt werden muss, sowie die eingeschränkte Hardware-Unterstützung. Erstere verbietet sich bei einigen Benutzergruppen, für die virtuelle Desktops besonders interessant sind, etwa externe Projektmitarbeiter. Citrix schob aus diesen Grund als Ergänzung zum XenClient eine Software namens XenVault nach, die einen verschlüsselten Speicher für Programme bietet, die über XenApp oder App-V ausgeliefert werden.

    VMware setzt unter der Bezeichnung Local Mode dagegen auf eine gehostete Virtualisierungs-Software, die ein vollständiges Betriebssystem als Basis voraussetzt. Technisch handelt es dabei um eine modifizierte VMware Workstation, die in der Lage ist, virtuelle Desktops vom Server herunterzuladen und offline vorgenommene Änderungen mit dem Backend zu synchronisieren. Damit verfügt View in der Version 4.5 zum ersten Mal über eine Komponente, die auch eine Offline-Nutzung erlaubt.

    Entschärfung des Storage-Problems

    Architektur von VMware View 4.5Eine der Hindernisse für die Einführung von zen­tra­len Desktops besteht in den Investitionskosten für SANs. Damit tauschen Unternehmen den billigsten Speicher, nämlich die lokale SATA-Platte, gegen den teuersten im Rechenzentrum - und das für Windows-Installationen, Programmdateien und Benutzereinstellungen.

    VMware geht in View 4.5 auf diese Problematik durch eine Erweiterung des View Composer ein, der verteiltes Speichern ("tiered Storage") unterstützt. Es erlaubt die Trennung des reinen Betriebssystem-Images von Snapshots oder allen temporären Dateien, wobei die jeweiligen Daten auf verschiedene Speichermedien verteilt werden können. So liegt es etwa nahe, das gemeinsam genutzte Windows-Abbild auf einem schnellen Speicher, beispielsweise Solid State Drives, zu lagern, um den gleichzeitigen Zugriff vieler Benutzer zügig bedienen zu können. Andererseits ließen sich temporäre Dateien wie die Swap-File des Gastbetriebssystems auf lokalen Platten des Servers ablegen, um für nicht teure SANs mit solchen geringwertigen Daten zu füllen.

    Management von Benutzerprofilen

    Nachdem es VMware nicht mehr geschafft hat, die im ersten Halbjahr von RTO gekaufte Software Virtual Profiles in View 4.5 zu integrieren, positioniert die Firma die neuen Storage-Features für das Management der individuellen Daten und Einstellungen von Benutzern ("Persona"). Der Composer spielt eine wesentliche Rolle, weil mit seiner Hilfe Benutzerdaten außerhalb des Windows-Abbilds in eigenen persistenten virtuellen Disks abgelegt werden können.

    Allerdings ist dieser Ansatz nur für so genannte stateful Desktops interessant, also jene, die einem Benutzer fest zugewiesen sind und mit dem er bei jeder Anmeldung verbunden ist. Die virtuellen Laufwerke können einer solchen VM zugewiesen, aber auch wieder davon abgehängt und einer anderen zugewiesen werden, was das Update des Master-Images erleichtert.

    Im Gegensatz dazu sind so nicht-persistente Desktops (auch "stateless Desktops") auf ein dynamisches Profil-Management angewiesen, wenn die Benutzerumgebung über die Session hinaus erhalten bleiben soll. Per Definition speichern solche aus einem Pool spontan zugeteilten Desktops keine benutzerspezifischen Daten, sondern diese müssen während der Sitzung von außen eingespielt werden. Dafür stehen die Windows-eigenen Mittel wie Ordnerumleitung oder Roaming Profiles zu Verfügung, die aber für zentralistische Desktop-Modelle nicht gut geeignet sind.

    Applikations-Virtualisierung mit ThinApp 4.6

    In den Referenzarchitekturen von VMware View spielt ThinApp eine wesentliche Rolle, weil es durch Ablösung der Anwendungen vom Betriebssystem einen zentralen Beitrag für die Modularisierung des Desktops leistet. Entsprechend erhält das Tool ebenfalls ein Update, vor allem um die Migration auf das nun von View 4.5 berücksichtigte Windows 7 zu erleichtern. Allerdings beschränkt sich die 64-Bit-Unterstützung weiterhin darauf, dass die Ablaufumgebung mit Windows 7 x64 kompatibel ist, aber 64-Bit-Programme lassen sich nicht virtualisieren.

    Zu den wichtigsten Neuerungen von ThinApp 4.6 (PDF) gehört die Virtualisierung des Internet Explorer 6 sowie ein Feature namens ThinDirect, mit denen der Administrator bestimmte URLs auf den virtualisierten Browser umleiten kann, während die anderen Web-Seiten in einem moderneren Web-Client angezeigt werden.

    Die Abstimmung mit View 4.5 manifestiert sich auch darin, dass sich Anwendungspakete aus dem neuen View Manager einzelnen oder Gruppen von Desktops zuordnen lassen. ThinApp wird mit der View Premier Edition ausgeliefert, die Lizenzen dafür müssen jedoch separat erworben werden.

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