VMware View 5.0: die wichtigsten Neuerungen im Überblick

    VMware ViewEin Jahr nach der Version 4.5, die eine Reihe von wesentlichen Neuerungen enthielt, stellt VMware nun View 5.0 vor. Zu den wichtigsten Änderungen zählen vor allem solche, die das Benutzererlebnis verbessern und virtuelle Desktops für zusätzliche Anwendungsszenarien tauglich machen. Hinzu kommt die schon lange erwartete Integration der von RTO erworbenen Software für das Management von Benutzerprofilen.

    VMware View unterstützt zwar schon länger mehrere Remote-Display-Protokolle anderer Hersteller, darunter RDP, RGS von HP oder ALP von Sun. Aber mit der Version 4 führte das Unternehmen in Zusammenarbeit mit Teradici ein View-eigenes Protokoll ein, und zwar eine reine Software-Implementierung von PC-over-IP (PCoIP). Erst dadurch gelangte VMware in die Position, in puncto Benutzererlebnis mit Citrix konkurrieren zu können, dessen ICA einen Entwicklungsvorsprung von mehreren Jahren aufweist.

    Wettlauf um die Gunst der Wissensarbeiter

    Die Remote-Display-Protokolle sind eine kritische Komponente für virtuelle Desktops, weil ihre Leistungsfähigkeit darüber entscheidet, ob sich anspruchsvollere Anwendungen (Multimedia) in einer solchen Konfiguration nutzen lassen und ob sich ein akzeptables Benutzererlebnis auch über WANs erzielen lässt. Von diesen Faktoren hängt besonders ab, ob virtuelle Desktops auch für Benutzergruppen jenseits der so genannten Task Worker geeignet sind, auf die sich traditionell die Terminaldienste beschränken mussten. Den Herstellern ist dabei besonders an den Wissensarbeitern gelegen, deren Anwendungsspektrum sie abdecken möchten.

    Entsprechend hohe Priorität hat diese Technik bei den Anbietern von Software zur Desktop-Virtualisierung, die sich weiterhin einen Wettlauf um die beste Performance liefern. Citrix legte in dieser Hinsicht mit XenDesktop 5.5 und XenApp 6.5 erst kürzlich nach, indem es den Funktionsumfang von HDX deutlich erweiterte.

    Verlustfreie Kompression über WANs abschaltbar

    VMware seinerseits muss seine relativ neue Technik in wesentlichen Punkten Schritt für Schritt nachrüsten, und zwar nicht nur auf Protokollebene, sondern auch die dazugehörige Infrastruktur. So führte es erst in View 4.6 die Unterstützung für sicheren Remote Access via PCoIP ein.

    Diesen Kurs setzt VMware in View 5 fort, das einige neue Funktionen zur besseren Nutzung über WANs erhielt. Dazu zählt, dass sich die Option Build-to-lossless nun deaktivieren lässt. Als fest voreingestellte Option sorgte sie bisher dafür, dass nur eine verlustfreie Kompression von grafischen Daten möglich war, so dass etwa hoch auflösende Bilder auch in wenig leistungsfähigen Netzen einen hohen Bandbreitenverbrauch verursachten. Nun lässt sich die Qualität von Grafiken über verschiedene Gruppenrichtlinien steuern, so dass beispielsweise wichtige Informationen (etwa CAD-Zeichnungen) höhere Anforderungen erfüllen müssen, während andere Daten auf Performance getrimmt werden können. Wichtig in diesem Zusammenhang ist das ebenfalls neue Caching von grafischen Daten auf dem Client, ein Feature, das Citrix mit ICA schon lange beherrscht. Es ist derzeit noch auf Windows-Endgeräte beschränkt.

    Unterstützung für 3D, Aero und VoIP

    Zu den weiteren Neuerungen, die das Benutzererlebnis verbessern und damit virtuelle Desktops für Anwender mit höheren Ansprüchen tauglich machen sollen, zählen die Funktionen unter dem Sammelbegriff Media Services. Dahinter verbirgt sich Unterstützung für VoIP, 3D-Grafiken und erweiterte Druckfunktionen.

    Beim angekündigten Support für VoIP und Unified Communications handelt es sich um keine VMware-eigene Erweiterung von View, sondern betrifft die Integration von Lösungen mehrerer Partner, darunter von Cisco, Avaya oder Mitel. Die 3D-Funktionen richten sich nicht an Workstations für Designer oder Ingenieure, sondern eignen sich zur Darstellung von 3D-Effekten in Aero oder in Office. Voraussetzung für dieses Feature sind die vGPU-Funktionen in vSphere 5, die DirectX9 und OpenGL 2.1 unterstützen.

    Copy & Paste zwischen Client und virtuellem Desktop

    Der Nachholbedarf von View zeigt sich auch im erst jetzt verfügbaren Copy & Paste zwischen dem lokalen Client und dem zentralen Desktop. Damit lässt sich in der ersten Ausführung eine Datenmenge von maximal 1 MB über die Zwischenablage austauschen. Für eine weitere Verbesserung für den Gebrauchswert von virtuellen Desktops bringt die Erweiterung von Location Based Printing auf Nicht-Windows-Client. Es erlaubt die automatische Auswahl eines passenden Druckers auf Basis verschiedener Regeln, etwa abhängig von der IP-Adresse oder des Hostnamens.

    Persona Management als Alternative zu Roaming Profiles

    Neben den zahlreichen Änderungen, die dem Benutzererlebnis zugute kommen, ist die Einführung eines eigenen Profil-Managements die wichtigste Neuerung in View 5. Die Technologie dafür stammt von RTO und wurde Anfang 2010 von VMware gekauft. Angesichts der Bedeutung solcher Funktionen wurden verschiedene Marktbeobachter bereits ungeduldig, weil Virtual Profiles, so der ursprüngliche Name der Software, weder Eingang in View 4.5 noch in 4.6 fand. Ihr wesentlicher Zweck besteht in der Abstraktion von User-Daten und Einstellungen vom Betriebssystem, so dass sich Desktop-Images einfacher von mehreren Benutzern gleichzeitig verwenden lassen.

    Grundsätzlich sollten Windows-eigene Techniken wie Roaming Profiles, Ordnerumleitung und Offline-Dateien diese Aufgabe übernehmen. Aufgrund zahlreicher Mängel in der Implementierung der Server-gestützten Profile produzieren sie vor allem bei virtuellen Desktops eine Reihe unerwünschter Nebeneffekte (lange Logon-Zeiten, Schreibkonflikte, Inkompatibilität zwischen Windows-Versionen, etc.). Beim Persona Management, wie VMware sein neues Feature nennt, handelt es daher im Wesentlichen um einen vollständigen Ersatz für Roaming Profiles, der die genannten Schwächen eliminiert. Es ist nur in der Premier Edition enthalten.

    Mit dem Persona Management liefert VMware mithin nur die Basisfunktionen der User-Virtualiserung, während sich spezialisierte Produkte in diesem Segment in den eineinhalb Jahren seit dem RTO-Deal erheblich weiterentwickelt haben. Daher ist für weitergehende Ansprüche auch weiterhin Software von Drittanbietern erforderlich. Citrix reagierte auf diesen Trend durch den Zukauf von Ringcube, das nicht nur benutzerspezifische Daten und Einstellungen, sondern auch persönliche Anwendungen verwalten kann.

    Zahlreiche Detailverbesserungen

    Neben den genannten wesentlichen Neuerungen enthält ein größeres Update eines solch komplexen Produkts naturgemäß eine Vielzahl von kleineren Verbesserungen. Dazu zählt etwa die Unterstützung für die neueste VMware-Plattform vSphere 5 oder die PCoIP Extension Services, mit denen sich über 20 Session-Statistiken über WMI abrufen lassen. Neu sind auch die PCoIP Continuity Services, die Unterbrechungen entdecken und den User automatisch innerhalb von 30 Sekunden mit seiner Sitzung wiederverbinden können. Eine Übersicht über die Änderungen in View 5 bietet dieses PDF-Dokument, das auch die Unterschiede zwischen der Enterprise- und Premier-Edition auflistet.

    Keine Kommentare