Neu in Windows 10 Hyper-V: Production Snapshots, Virtual Hardware 6.2, PowerShell Direct

    Windows Hyper-V LogoRund ein Jahr vor dem Erscheinen von Windows Server 2016 nimmt Windows 10 viele Neuer­ungen in Hyper-V bereits vorweg. Zwar bleiben einige Highend-Features wie Live Migration oder Replica weitehin dem Server vorbe­halten, aber Ver­bes­serungen wie Hot-add von RAM, Production Snapshots oder PowerShell Direct sind an Bord.

    Beschäftigt man sich zum ersten Mal mit Windows 10 Hyper-V, dann sieht man auf den ersten Blick keine auffälligen Unterschiede gegenüber dem Vorgänger unter Windows 8.x. Das liegt zum einen daran, dass viele Dinge, darunter die Oberfläche von Hyper-V Manager, gleich geblieben sind, und zum anderen, dass die wesentlichen Änderungen unter der Haube stattgefunden haben.

    Unveränderte Systemvoraussetzungen und Installation

    So gelten die gleichen System­voraussetzungen wie bisher (vor allen eine SLAT-fähige CPU) und die Optionen zur Installation des Hypervisors sind identisch mit denen unter den Vorgängerversionen (siehe dazu: Windows 8 Hyper-V: System­voraussetzungen prüfen und installieren).

    Die Installation von Hyper-V als Feature von Windows 10 erfolgt nach dem gleichen Muster wie bisher.

    Der Eindruck, dass alles beim Alten geblieben ist, verstärkt sich, wenn man den Hyper-V Manager öffnet. Die Befehle und Menüeinträge sehen genauso aus wie bisher. Allerdings gibt es in der neuen Version des Tools eine wesentliche Änderung: Es kommuniziert nun über WinRM mit dem Hypervisor, so dass es die Authentifizierung über CredSSP, Kerberos oder NTLM erlaubt.

    Hyper-V Manager kann nun für jeden Host separate Anmeldedaten speichern.

    Abwärtskompatibler Hyper-V Manager

    Ein weiterer Vorteil des Protokollwechsels besteht darin, dass es künftig einfacher sein wird, Hyper-V remote zu verwalten. Während man sich in der Vergangenheit leicht einen der berüchtigten RPC-Fehler einfangen konnte und mit separaten Tools von Microsofts Website behelfen musste, sollte die Konfiguration von WinRM weniger Probleme bereiten. Es läuft über HTTP und lässt sich bei Bedarf auch über Gruppenrichtlinien aktivieren.

    Auch wenn man sich mit Hyper-V unter Windows 8.1 verbindet, muss auf dem Remote-PC WinRM aktiviert sein.

    Obwohl Hyper-V Manager unter Windows 10 ein anderes Protokoll nutzt, hat Microsoft dieses Mal darauf geachtet, die Kompatibilität mit älteren Versionen des Hypervisors zu wahren. So kann das Management-Werkzeug auch Hosts und VMs unter Windows 8.x und Server 2012 (R2) verwalten. Allerdings muss man auch dort erst sicherstellen, dass WinRM aktiviert ist, andernfalls schlägt die Verbindung fehl.

    PowerShell Direct

    Neben den gewohnten Management-Optionen bringt Windows 10 mit PowerShell Direct ein Feature, das die Remote-Verwaltung von Gästen zulässt, indem es eine Verbindung über den Host aufbaut. Daher muss eine VM in diesem Fall nicht einmal über eine externe Netzwerkanbindung verfügen (siehe dazu: Remote-Management: PowerShell Direct oder PS-Session über SSH).

    Hot-add von RAM und NICs

    Eine Neuerung, die eine flexiblere Nutzung von Hardware-Ressourcen erlaubt, ist das Hinzufügen von virtuellem Arbeitsspeicher und von Netzwerkadaptern im laufenden Betrieb einer VM. Dieses Hot-add von RAM und NICs bietet die gleichen Möglichkeiten wie unter Windows Server 2016 (siehe dazu: Neu in Windows Server 2016 Hyper-V: Hot-add von NICs, vRAM, VHDX für Repli­kation).

    Production Snapshots

    Eine weitere Verbesserung, die am Client jedoch weniger eine Rolle spielen dürfte, sind Production Snapshots. Microsoft wählte diese Bezeichnung, um zu verdeutlichen, dass diese Prüfpunkte, wie sie in der übersetzten Version heißen, nun auch für den Einsatz in produktiven Umgebungen geeignet sind. Bis dato galt explizit das Gegenteil, Microsoft hat ausdrücklich davon abgeraten.

    Der wesentliche Unterschied zu herkömmlichen Snapshots besteht darin, dass sie nun mit Hilfe von VSS-Unterstützung im Gast erstellt werden. Dies erleichtert das Zurücksetzen einer VM auf einen früheren Zustand, während das bisherige Speichern und Wiederherstellen von RAM-Abbildern für eine Reihe von Anwendungen nicht verträglich war.

    Auch wenn Microsoft für Snapshots ein neues Verfahren nutzt, so ändert sich das Management der Prüfpunkte nicht.

    Aus der Management-Perspektive ändern sich weder das Anlegen, noch das Löschen oder Wiederherstellen von Prüfpunkten. Auch die etwas verwirrende Terminologie im Hyper-V Manager bleibt erhalten (siehe dazu: Snapshots in Hyper-V anlegen, zusammenführen (löschen) und wiederherstellen).

    Binäres Format für Konfigurationsdateien

    Eine weitere Änderung, die man auf den ersten Blick nicht wahrnehmen dürfte, ist ein neues binäres Format für die Konfigurationsdaten von VMs, während das bisherige auf XML beruhte. Ähnliches gilt für die Auslieferung von Patches für die Integrationsdienste, die nun über Windows Update erfolgt (wenn der Gast unter Windows 7 bzw. Server 2008 R2 oder höher läuft).

    Upgrade der virtuellen Hardware

    Auch wenn der Hyper-V Manager VMs unter älteren Ausführungen von Hyper-V verwalten kann, so gilt es zu bedenken, dass ein Austausch von virtuellen Maschinen zwischen Windows 10 und 8.x nur dann klappt, wenn diese nicht die neueste Version 6.2 der virtuellen Hardware verwenden. Diese ist aber ihrerseits die Voraussetzung für Neuerungen wie Hot-add von RAM oder Production Snapshots.

    Während in der Vergangenheit das Upgrade des Hypervisors auch automatisch die Aktualisierung der virtuellen Hardware bewirkte, verzichtet Microsoft in Windows 10 darauf, um die Portabilität der VMs nicht zu beeinträchtigen - einen Weg zurück zu einer älteren Version der vHardware gibt es nämlich nicht.

    Das Upgrade der virtuellen Hardware muss man also selbst veranlassen, wenn man sicher ist, dass eine VM nicht mehr unter einer älteren Version von Hyper-V laufen soll. Dies erfolgt entweder über das Kontextmenü einer VM im Hyper-V Manager oder mit Hilfe des Cmdlets Update-VmConfigurationVersion <vmname> in PowerShell.

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