OpenStack, vCloud, EC2, DMTF: Der Kampf um Cloud-APIs

    Cloud-ComputingSchon bisher hatten einige kleinere Unternehmen Software entwickelt, mit der sich private Clouds unabhängig vom verwendeten Hypervisor verwalten ließen. Mit der Ankündigung von OpenStack durch Rackspace und die NASA wird es nun ernst im Ringen um Management-APIs für Cloud-Services. Die meisten großen Player bringen sich in Position, um die Standards der nächsten IT-Ära zu bestimmen. Eine relativ passive Rolle nehmen bisher Amazon, IBM und Microsoft ein.

    Im Rahmen ihrer OpenStack-Initiative gaben Rackspace und die NASA wesentliche Teile ihrer IaaS-Software als Open Source frei. Rackspace ist weltweit einer der größten Hoster, der mit Cloud-Services zunehmend auch höherwertige Leistungen anbieten möchte. Sein Beitrag zu OpenStack besteht in Object Storage, einem Gegenstück zu Amazon S3. Die NASA steuert die Compute-Plattform aus ihren Nebula-Projekt bei.

    Citrix möchte XenServer einbringen

    Der Initiative schlossen sich eine Reihe von IT-Herstellern und Telcos an, darunter auch Citrix. Der Microsoft-Partner möchte vor allem dafür sorgen, dass OpenStack zukünftig auch XenServer unterstützt und verhindern, dass die Open-Source-Cloud von KVM und damit von Red Hat dominiert wird. Gleichzeitig wittert Citrix hier eine Möglichkeit, die vCloud-Ambitionen von VMware zu torpedieren. Das Blog-Posting von CTO Simon Crosby vermittelt den Eindruck, als wäre dies die wichtigste Motivation für die Teilnahme an OpenStack.

    An der OpenStack-Initiative sind zwei Dinge bemerkenswert:

    1. Federführend sind nicht Software-Hersteller, sondern eine staatliche Organisation und ein Cloud-Provider. Sie stellen die Infrastruktur bereit für die Hosting-Industrie, die nach höherwertigen Dienstleistung streben muss, ohne dafür Lizenzgebühren an Softwarefirmen abführen zu müssen. Da einer der ihren einen maßgeblichen Beitrag zum Projekt leistet, können sie relativ sicher sein, dass OpenStack auch für ihre Anforderungen passt.
    2. Die Initiative setzt einige andere Open-Source-Projekte unter Druck, besonders Eucalyptus. Dessen CEO Marten Mickos setzt wie schon mit seinem vorigen Unternehmen MySQL auf eine Dual-Licencing-Strategie, die eine Nutzung von Eucalyptus unter einer proprietären Lizenz oder der GPL erlaubt. Genau das war für die NASA wahrscheinlich ausschlaggebend, eine eigene Cloud-Software zu entwickeln. Sie durfte geistiges Eigentum, das sie mit öffentlichen Geldern erworben hat, nicht an eine private Firma übertragen. Die Entscheidung der NASA könnte in der Open-Source-Gemeinde zu weiteren Debatten über das umstrittene Open Core führen.

    OpenStack nutzt APIs der Amazon Web Services

    NASA Nebula und Eucalyptus haben gemeinsam, dass sie beide das API der Amazon Web-Services implementieren, den De-facto-Standard für IaaS. Das bedeutet aber keineswegs, dass OpenStack im Interesse von Amazon ist. Vielmehr wird dem Marktführer dadurch neue Konkurrenz erwachsen, weil Telcos und Web-Hoster in die Lage versetzt werden, ähnliche Dienste anzubieten, ohne den Entwicklungsaufwand von Amazon auf sich zu nehmen.

    Gleichzeitig dürfte es auch Amazon nutzen, wenn sich auf Basis seiner eigenen APIs ein großer IaaS-Markt entsteht, in dem sich die Anbieter durch Leistungen differenzieren können, die über den kleinsten gemeinsamen Nenner hinausgehen. Bei der Standardisierung von Cloud-Management-APIs hält sich Amazon jedenfalls auffällig zurück. Weder partizipiert das Unternehmen an OpenStack noch reichte es seine Technik bei einem Standardisierungsgremium ein.

    Google bringt Amazon-kompatible Services

    Im Zuge einer Lagerbildung bei IaaS könnte Amazon und das sich darum entstandene Ökosystem einen starken Konkurrente bekommen. Google, das nach seinen PaaS- und Saas-Aktivitäten (AppEngine, Apps) nun auch verstärkt im IaaS-Umfeld tätig werden möchte, implementierte für sein Google Storage ebenfalls die Schnittstellen von Amazon S3. Denkbar wäre allerdings auch, dass die beiden Cloud-Schwergewichte den IaaS-Markt weitgehend unter sich aufteilen.

    Als weiterer Mitspieler bei der Aufteilung des IaaS-Marktes will sich VMware mit seiner vCloud-Initiative positionieren. Die Firma möchte ihre starke Position in der Enterprise-IT nutzen, um ihre Infrastruktur-Software auch an Anbieter öffentlicher Cloud-Dienste zu verkaufen. Sie wären in der Lage, zu Spitzenzeiten dynamisch Arbeitslasten aus den Rechenzentren der Firmen zu übernehmen. VMware hat das API schon vor einiger Zeit veröffentlicht und zur Standardisierung bei der Distributed Management Taskforce (DMTF) zu Standardisierung eingereicht.

    Oracle reicht seine Technik bei der DMTF ein

    VMware ist mitnichten der einzige Hersteller, der seine Version eines APIs für Cloud-Services von diesem Gremium als Standard absegnen lassen möchte. Erst kürzlich veröffentlichte Oracle, das lange keine Cloud-Ambitionen zeigte, ein eigenes Management-API und reichte eine Teilmenge davon ebenfalls bei der DMTF ein.

    Mit der Beschränkung auf ein Subset seiner Spezifikation hofft Oracle, dass eine Einigung mit anderen Herstellern einfacher möglich sein könnte. Die APIs decken die wesentlichen Orchestrierungsfunktionen bei IaaS ab, so dass darauf aufsetzende Tools Kataloge von VM-Templates anzeigen sowie virtuelle Maschinen auf Basis eines Images starten, ihnen ein Volume zuordnen und sie mit dem Netzwerk verbinden können.

    Microsoft und IBM zeigen wenig Ambitionen

    Angesichts der hektischen Aktivitäten diverser Anbieter, die ihre Technik zum Standard erheben möchten und dabei verschiedene Allianzen bilden, sind zwei Schwergewichte der IT-Branche auffällig zurückhaltend. Das ist zum einen Microsoft, das in den letzten Jahren Milliarden in neue Rechenzentren investiert hat. Es positionierte Azure von Anfang an als PaaS, möchte aber nun ebenfalls Dienste nach dem Vorbild von Amazon anbieten. Mit seiner Windows-Cloud begibt sich Microsoft indes in eine defensive Position, deren vornehmliches Ziel darin besteht, das vorhandene Plattformgeschäft zu bewahren.

    Auch IBM, das schon bei der x86-Virtualisierung keinen nach außen erkennbaren Kurs fährt, hält sich aus dem Wettlauf um die Standardisierung grundlegender Cloud-APIs heraus. Ein Grund mag sein, dass sich die Firma mit den im Vergleich zum Enterprise-Geschäft niedrigen Margen bei IaaS nicht anfreunden will.

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