RDP-Client konfigurieren: Anzeige, Audio, USB, Laufwerke


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    Konfiguration des RDP-ClientsWenn man sich über Remotedesktop mit einem PC verbindet, dann erwartet man von den entfernten Anwendungen einen ähnlichen Benutzerkomfort wie von lokalen Programmen. Dazu gehört auch, dass man vom entfernten Rechner auf lokale Laufwerke, USB-Peripherie, Drucker oder Audio-Geräte zugreifen kann. RDP hat über die Jahre in dieser Hinsicht erhebliche Fortschritte gemacht, und die Version 8.0 bringt weitere Verbesserungen.

    Die Terminaldienste unter Windows führen Programme auf einem entfernten Rechner aus und der Client ist nur für die Bildschirmausgabe und die User-Eingaben zuständig. Die Ressourcen des Hosts sind für die darauf laufenden Applikationen lokal, und da, wo der Benutzer sitzt, ist für sie remote. Entsprechend haben sie per se keinen Zugriff auf Laufwerke und Peripherie des Clients. RDP löst dieses Problem durch die Umleitung diverser Geräte auf den Host.

    Konfiguration in .rdp-Dateien speichern

    Öffnet man den RDP-Client, dann kann man sich auf Basis der Standardeinstellungen sofort mit dem Remote-PC verbinden. Als Hosts kommen neben einem vollwertigen Remote Desktop Session Host auch normale Server und Desktops (ausgenommen die Home-Editionen) unter Windows in Frage. Möchte man eine Sitzung nicht mit der vorgegebenen Konfiguration starten, dann kann man über die Schaltfläche Optionen eine Reihe von Einstellungen anpassen.

    Der RDP-Client merkt sich diese Änderungen bis zum nächsten Aufruf. Man kann aber auch spezifische Konfigurationen in einer Datei mit der Endung .rdp speichern, beispielsweise um sie auf andere Rechner zu übertragen. Diese liegt im Klartextformat vor und kann bei Bedarf mit einem Editor bearbeitet werden. Die verschiedenen Optionen für diese Konfigurationsdateien finden sich im TechNet.

    Intelligente Größenänderung konfigurieren

    In den meisten Fällen wird man eine Remotedesktop-Session jedoch über die Oberfläche des RDP-Clients anpassen. Die erste Registerkarte nach den allgemeinen Einstellungen betrifft die Konfiguration der Anzeige, nämlich die Auflösung, die Farbtiefe und die Anzeige der Verbindungsleiste.

    Eine mit RDP 7 eingeführte wichtige Neuerung, das so genannte Smart Sizing, lässt sich hier jedoch nicht festlegen. Es handelt sich dabei um die Fähigkeit des RDP-Clients, den Remotedesktop automatisch an die Größe des Fensters anzupassen.

    Die intelligente Größenänderung lässt sich unter Windows 8.x über die GUI aktivieren.Die Skalierung erfolgt allerdings nicht proportional, so dass man selbst auf ein vernünftiges Seitenverhältnis des Desktops achten muss. Außerdem können vorher die im Client festgelegten Dimensionen des Bildschirms nicht überschritten werden, so dass man dafür gleich großzügige Werte wählen soll, wenn man das Fenster nachher beliebig ändern möchte.

    Der RDP-Client in Windows 8 bietet nach dem Aufbau der Verbindung die Möglichkeit, dieses Feature über den Menüeintrag Intelligente Größenänderung zu aktivieren. Unter Windows 7 muss man dagegen zu diesem Zweck die .rdp-Datei für diese Verbindung bearbeiten und dort den Eintrag smart sizing:i:1 einfügen.

    Umleitung von Mikrofon und Audioausgabe

    Die meisten Einstellungen, die für die Integration der Remote-Session in den Client relevant sind, finden sich unter dem Reiter Lokale Ressourcen. Dort bestimmt man, wo Ein- und Ausgaben des Audiosystems erfolgen, wie sich bestimmte Tastenkombinationen auswirken und welche lokalen Geräte im entfernten Desktop verfügbar sein sollen.

    Entfernte Anwendungen können das lokale Mikrofon nutzen und Audio über den Client ausgeben.

    Die Standardeinstellungen sehen zwar vor, dass die Audiosignale des Remote-PCs auf dem Client auszugeben sind, aber die Umleitung des lokalen Mikrofons auf den entfernten Desktop ist deaktiviert.

    Für Letzteres ist der unglücklich übersetzte Abschnitt Remoteaudioaufzeichnung zuständig. Möchte man in der Remote-Session zum Beispiel Skype nutzen, dann muss man das am Client vorhandene Mikrofon dorthin durchreichen, und zwar über die Option Von diesem Computer aufzeichnen. Das Eingabegerät heißt dann dort einfach Remoteaudio.

    Lokale Drucker ansteuern

    Bei der Umleitung von lokalen Geräten in die Remote-Session finden sich Drucker und Zwischenablage direkt auf der Registerkarte, weitere lokale Ressourcen müssen in einem Folgedialog unter Weitere… konfiguriert werden. Damit man aus entfernten Anwendungen auf lokalen Printern drucken kann, müssen auf dem Host die entsprechenden Treiber installiert sein.

    Im angesprochenen Dialog unter Weitere… stehen zum einen Smartcards und Ports zur Auswahl. Erstere eignen sich somit auch zur Anmeldung am Remote-Host, wenn man den Reader dorthin durchreicht. Bei Ports sind sowohl serielle als auch parallele Anschlüsse gemeint.

    Umleitung von Laufwerken

    Zum anderen findet sich in diesem Dialog die vollständige Liste der lokalen Laufwerke. Bereits angeschlossene Festplatten und DVD-Laufwerke kann man über den Laufwerksbuchstaben explizit auswählen, so dass sie sofort nach dem Aufbau zu Verfügung stehen. Zu beachten ist, dass die darauf befindlichen Dateien gleichzeitig von lokalen und entfernten Anwendungen geöffnet werden können, ohne dass ein Zugriffskonflikt auftritt. Entsprechend droht in solchen Situationen ein Datenverlust.

    Für USB-Geräte gibt es eine Plug-and-Play-Unterstützung, so dass man bei Bedarf Wechseldatenträger oder Webcams, die man nach dem Start der Session anschließt, ebenfalls im Remotedesktop nutzen kann.

    Automatische Erkennung der Verbindungsqualität

    Ein neues Feature von RDP 8.0 besteht darin, dass der Client selbständig die Verbindungsqualität erkennt. Daher muss man auf der Registerkarte Erweitert nicht mehr explizit Modem, LAN oder dgl. auswählen. Voreingestellt ist nun Verbindungsqualität automatisch erkennen. Wenn man nach dem Aufbau der Session diese in den Vollbildmodus schaltet (Strg + Alt + Unterbr), dann findet sich in der Verbindungsleiste nun ein Icon, hinter dem sich ein Dialog für die Übertragungsqualität verbirgt.

    Remotedesktop-App für Windows 8

    Für Windows 8 gibt es neben dem integrierten Client für RDP 8.0 zusätzlich eine App für Remotedesktop. Sie ist nicht vorinstalliert, sondern muss über den Store bezogen werden. Allerdings fehlen ihr eine ganze Reihe der hier beschriebenen Einstellungsmöglichkeiten.

    Der Store App für Remotedesktop fehlen im Vergleich zum herkömmlichen RDP-Client einige wichtige Features.

    So ist es beispielsweise nicht möglich, lokale Laufwerke und USB-Geräte auf den Host umzuleiten. Die Wahl der Bildschirmgröße ist zwar auch nicht vorgesehen, aber nachdem eine App ohnehin im Vollbildmodus läuft, ist dieser Mangel leicht zu verkraften.

    Das Steuern von entfernten Windows-8-Desktops wird durch die Remotebefehle in RDP 8 vereinfacht.Naturgemäß bietet eine App für Windows 8 Support für die Touch-Bedienung, der allerdings recht wenig bringt, wenn man es remote mit dem klassischen Desktop zu tun hat (und darin besteht eine wesentliche Aufgabe des neuen Clients, indem er Windows RT den Zugriff auf herkömm­liche Windows-Anwendungen erlaubt).

    Umgekehrt bietet der normale Client für RDP 8.0 einige Eingabehilfen, wenn man von Desktop mit Maus und Tastatur remote auf die Startseite von Windows 8 zugreift. Die entsprechenden Befehle finden sich unter dem Menüpunkt Remotebefehle und erlauben das Wechseln zum Startbildschirm, das Öffnen von Charms oder das Andocken von Apps.

    6 Kommentare

    Bild von Andreas Grimm
    Andreas Grimm sagt:
    20. Januar 2014 - 16:15

    Sehr geehrter Herr Sommergut,

    ich möchte für einige Arbeitsplätze WinXP-PC als Client-Systeme verwenden auf diesen kann ich aber nicht RDP 8 intallieren.
    Wie kann ich trotzdem den Zugriff auf USB-Speicher realisieren.
    RDP7.0 habe ich installiert und auch ausgewählt, dass später angeschlossene USB-Geräte in der Remote-Sitzung verwendet werden sollen, leider tauchen USB-Sticks aber nicht in der Remote-Sitzung auf.
    Ich wäre Ihnen für einen Hinweis dankbar.

    Andreas Grimm

    Bild von Garfie
    Garfie sagt:
    3. Februar 2014 - 13:53

    Werden die USB-Geräte wirklich erst nach Aufbau der Session angeschlossen? (Beliebter Fehler)

    Bild von Andreas Keil
    Andreas Keil sagt:
    6. Februar 2014 - 21:04

    Sehr geehrter Herr Sommergut,

    ich möchte an einem Server Windows 2008 R2 in den RDC die Ions neu einlesen, da diese immer mal wieder zerschlagen werden. (Office und Datenbank-Programmicons werden nicht richtig dargestellt.

    Kann aber im Internet einfach keine befriedigende Lösung finden.
    Nur rumgerittenes auszuprobieren find ich hier eher gefährlich.

    Ev. haben Sie einen Tipp für mich?

    Vorab Danke und Gruß von der Bergstrasse,
    Andreas Keil

    Bild von AnwenderXYZ
    AnwenderXYZ sagt:
    26. Januar 2016 - 14:32

    Leider funktiniert bei MS wie immer nur die Hälfte. Ohne Terminaldienste fast gar nichts. Wer also denkt, er könne eben mal so die Audioaufzeichnung von seinem lokalen Rechner via RDP in eine VM durchschleifen der wird schnell die Grenzen von MS kennenlernen.
    Wer hingegen das Ganze dann als Terminaldienst laufen lassen möchte, der muss bezahlen und sich meist überteuerte Volumenlizenzen zulegen.

    MS hat einmal mehr bewiesen, was "Verschlechtbesserung" bedeutet.
    In Sachen Audio/Video geht man mal wieder eigene Schritte, statt sich dem bereits weit verbreiteten Standards anzupassen.

    Schade um diesen netten, nicht ganz neutralen Beitrag, welcher mit mehr praktischer Erfahrung wohl etwas anders ausgefallen wäre.

    Bild von Fatih
    Fatih sagt:
    16. März 2017 - 15:30

    Wirklich klasse, Danke! :)

    Bild von Florian
    Florian sagt:
    29. Juli 2019 - 14:17

    Bei mir funktioniert die Mikrofonübertragung nicht.. Gibt es eventuelle GPOs o.ä., die man noch setzen muss?

    MfG