SQL Server 2019: Neuerungen, Editionen, Lizenzierung, Preise

    SQL Server mit Erweiterungen für Big DataMicrosoft gab kürzlich SQL Server 2019 als GA frei. Während diese Ver­sion zahl­reiche neue Features bringt, vor allem für das Verar­beiten von Big Data, bleibt es bei den von 2016 und 2017 be­kannten Editionen. Änderungen gab es da­gegen bei den Nutzungs­rechten über die Soft­ware Assurance.

    Die auf­fälligste Neuerung von SQL Server 2019 besteht zweifellos in der Integration von zwei Open-Source-Projekten für das Verarbeiten und Analysieren von großen Datenmengen, nämlich Hadoop Distributed File System und Apache Spark. Microsoft bezeichnet SQL Server deshalb als Unified Data Platform, die nicht zuletzt dank der neuen Erweiterungen über eine rein relationale Datenbank hinausgeht.

    Hinzu kommen mehrere Neuerungen in verschiedenen Bereichen, darunter bei Query Processing, Sicherheit (Zertifikats­verwaltung integriert in den SQL Server Configuration Manager, Daten­ver­schlüsselung in Secure Enclaves, erweitertes Auditing) und Hochver­fügbarkeit. Einen detaillierten Überblick gibt dieser Blog-Beitrag auf Microsoft TechCommunity.

    Feature-Gleichstand für Standard Edition

    Mit SQL Server 2019 kommt Microsoft zudem seiner Ankündigung anlässlich von SQL Server 2016 SP1 nach, eine einheitliche, von der Edition unabhängige Anwendungs­plattform anzubieten. Die Entscheidung für eine bestimmte Edition können Unternehmen künftig somit ausschließlich aufgrund der erforderlichen Skalierbarkeit treffen und nicht, weil eine bestimmte Software eine bestimmte Edition voraussetzt.

    Daher erhält die Standard Edition von SQL Server 2019 eine Reihe neuer Features. Dazu zählen einerseits jene, die generell mit der Version 2019 hinzu­gekommen sind, sowie solche, die zuvor der Enterprise Edition vorbehalten waren. Dazu gehört etwa die Unterstützung für PolyBase Compute Nodes.

    Integration von Java

    Zu den interessanten Verbesserungen für Entwickler gehört zudem die Integration der Java Runtime. Diese Erweiterung erlaubt die Ausführung von kompiliertem Java-Code auf dem SQL Server, also direkt an den Daten, so dass diese für die Verarbeitung nicht migriert werden müssen. Übrigens ist auch Hadoop in Java geschrieben, so dass sich Microsoft auch damit diese Plattform in den SQL Server holt.

    Die seit einiger Zeit existierende Ausführung für Linux erschien in der Version 2019 zusammen mit ihrem Windows-Gegenstück. Darüber hinaus veröffentlichte Microsoft das CU 18 für SQL Server 2017, mit dem die Linux-Variante nachträglich wichtige Funktionen wie Replikation und Change Data Capture erhält.

    Zwei Haupteditionen

    SQL Server 2019 führt die Aufteilung in fünf Editionen fort, die Microsoft mit SQL Server 2012 eingeführt hatte. Sieht man von den kostenlosen Varianten Express und Developer ab, bleiben Standard, Enterprise und Web. Letztere gibt es nur über ein Services Provider License Agreement (SPLA) und ist somit für normale Anwender nur indirekt zugänglich.

    Lizenzen für die Enterprise Edition können ausschließlich pro CPU-Kern erworben werden. Bei dieser Art der Lizenzierung benötigen Kunden keine CAL, so dass sie sich auch für Anwendungen eignet, auf die über das Web für eine unbestimmte Zahl von Benutzern zugreift. Dabei gilt die Regel, dass Lizenzen jeweils in Paketen zu 2 Cores verfügbar sind. Pro Sockel müssen mindestens 4 Kerne lizenziert werden.

    Bei der Standard Edition kann man sich ebenfalls für das Core-Modell oder alternativ für Server + CAL entscheiden. Diese Variante ist aber auf maximal 24 CPU-Kerne und 128 GB RAM beschränkt.

    Wie die folgende Tabelle (Quelle: Microsoft) zeigt, sind die Preise im Vergleich zu den Lizenzkosten der Version 2017 geringfügig gesunken.

    EditionPreisLizenzmodell
    Enterprise 13.748 USD 2-Core-Pack
    Standard (Pro Core) 3.586 2-Core-Pack
    Standard (Server) 899 Server
    Standard (CAL) 209 CAL
    Developer Kostenlos Pro User
    Web Abhängig vom Hoster Nicht zutreffend
    Express Kostenlos Nicht zutreffend

    Lizenzierung für VMs und Container

    Während Kunden bei einer Installation auf einem physischen Server Lizenzen für alle Cores erwerben müssen, werden in virtuellen Maschinen oder Containern nur Lizenzen für die tatsächliche Anzahl der genutzten virtuellen Kerne (Threads) fällig, aber auch da immer mindestens vier.

    Entscheidet man sich für die Standard Edition via Server + CAL, dann benötigt man eine Server-Lizenz für jede VM bzw. jeden Container. Hingegen erlaubt die Kombination aus Enterprise Edition und Software Assurance (SA) die Ausführung von SQL Server 2019 in beliebig vielen VMs oder Containern auf einem Server, wenn man Lizenzen für alle physischen Cores des Rechners kauft.

    Vorteile durch eine Software Assurance für SQL Server

    Führt man SQL Server in Containern aus, dann unterstützt die Version 2019 nun ihre Orchestrierung mittels Kubernetes.

    Eigene Lizenzen für Big Data Nodes

    Die neuen Big-Data-Komponenten sind Microsoft zufolge zwar eng mit der herkömmlichen Engine integriert, aber sie erfordern parallel zur Master Instance von SQL Server eine separate Installation auf so genannten Big Data Nodes.

    Lizenzen müssen für diese separat erworben werden, wobei dafür nur ein Abo-Modell existiert. Der Preis für ein 2-Core-Pack beläuft sich dabei auf 400 USD pro Jahr und es ist für die Standard Edition nur dann verfügbar, wenn diese pro Kern lizenziert wurde.

    Mit einer SA dürfen bei der Enterprise Edition 8x so viele Cores für Big Data Nodes verwendet werden als für den primären Server

    Kunden, die eine SA für SQL Server abschließen, erhalten bei der Standard Edition das Recht, Big Data Nodes auf gleich vielen CPU-Kernen zu betreiben wie sie für die Master Instance gekauft haben. Bei der Enterprise Edition sind es 8 Mal so viele Kerne für die Big Data Nodes, wie für SQL Server lizenziert wurden.

    Zusätzliche DR-Instanz über SA

    In der Vergangenheit erhielten Anwender über eine Software Assurance das Recht, eine passive SQL-Server-Instanz auf einem separaten Rechner zu betreiben, um sich gegen Ausfälle der primären Installation zu schützen.

    Microsoft erweitert dieses Recht nun um die Möglichkeit, eine weitere passive Instanz für das Disaster Recovery vorzuhalten. Diese kann entweder On Premises oder, und auch das ist neu, in einer VM auf Azure laufen. Die Replikation zu der DR-Instanz darf nur asynchron erfolgen, während für HA auch eine synchrone Replikation zulässig ist.

    Künftig dürfen Kunden mit einer SA für SQL Server neben einer HA- auch eine DR-Instanz betreiben.

    Die Standby-Instanzen dürfen maximal die Zahl an Cores aufweisen, die für den primären SQL Server lizenziert wurden. Die erlaubten Aktivitäten auf den HA- und DR-Maschinen beschränken sich auf die Konsistenz­prüfung der Datenbanken, Log- und komplette Backups sowie das Überwachen des Ressourcen­verbrauchs.

    Die neue Regelung gilt sowohl für die Standard als auch Enterprise Edition und rückwirkend für alle derzeit unterstützten Versionen von SQL Server.

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