Store Apps versus Win32-Programme: Installation, Sicherheit, Anwendung

    Startbildschirm von Windows 8Microsoft führte mit Windows 8 nicht nur die neue Kacheloberfläche ein, sondern damit verbunden auch eine neue Generation von Anwendungen. Diese Store Apps beruhen nicht nur auf einem anderen Programmiermodell, sondern unter­scheiden sich auch aus der Sicht des System­verwalters in wesentlichen Punkten von den gewohnten Desktop-Programmen.

    Das in vielerlei Hinsicht überholte Konzept von nativen Windows-Applikationen sollte nach dem Willen von Microsoft schon vor Jahren durch die Einführung von .NET überwunden werden. Zu deren Altlasten zählen die enge Verflechtung von Programmen mit dem Betriebssystem oder die DLL-Versionskonflikte. Nicht zu unterschätzen sind auch die Sicherheitsprobleme, die nativer Code verursachen kann, wenn er im Kontext eines privilegierten Kontos läuft.

    Reparaturversuch durch Applikationsvirtualisierung

    Trotz der Anpassung von Visual Studio für die .NET-Entwicklung konnte diese Technik die herkömmlichen Programme nicht verdrängen. Stattdessen gab es Versuche, einige der altbekannten Schwächen durch die Virtualisierung von Anwendungen zu kompensieren, so dass etwa die herkömmliche Installation entfällt und das System durch die Software nicht verändert wird.

    Mit der Ausrichtung von Windows 8.x auf mobile Geräte stellten sich erneut Anforderungen, die von den Win32-Applikationen nur schlecht erfüllt werden können. Dazu zählen neben der Touch-Bedienung vor allem eine einfache Installation durch den User und der Schutz vor bösartigen Apps.

    User installieren Apps zumeist selbst

    Während auf den meisten Firmen-PCs heute nur mehr eine überschaubare Zahl an Anwendungen installiert ist, liegt die Hürde für den Kauf der relativ schlanken und preiswerten Apps niedriger. Im Gegensatz zu den Desktop-Anwendungen, die von der IT zentral verteilt und verwaltet werden, besorgen sich die User ihren neuen Apps zumeist in Eigenregie.

    Aufgrund dieser Gegebenheiten haben Store Apps die folgenden Merkmale:

    • Sie benötigen keinen Installer wie etwa MSI-Packages. Windows enthält alle Komponenten, um Appx-Pakete direkt zu entpacken, wenn sie vom Store heruntergeladen werden. Alternativ können Unternehmen ihre eigenen Apps über das so genannte Sideloading einrichten. Die Tools dafür sind DISM und PowerShell (Add-AppxPackage).
    • Apps werden für jeden Benutzer separat installiert und deinstalliert, so dass er dafür keine administrativen Rechte benötigt. Eine Ausnahme sind nur jene Apps, die vor dem Deployment von Windows in das Systemabbild aufgenommen werden.
    • Der Status der Apps wird innerhalb des Benutzerprofils verwaltet, die Registry benötigen sie dafür nicht.
    • Ähnlich wie .NET- oder Java-Anwendungen laufen Store Apps in einer Sandbox (App Container), die ihnen den Zugriff auf die meisten Systemressourcen verwehrt. Werden davon welche benötigt, dann kann der Entwickler dies in der Manifestdatei deklarieren und der Benutzer muss beim ersten Start der Software dafür seine Zustimmung geben.
    • Während Desktop-Anwendungen normalerweise im Kontext des Benutzers laufen und somit dessen Privilegien erhalten, sind Store Apps grundsätzlich auf geringe Berechtigungen beschränkt.

    Ein wesentlicher Unterschied von Store Apps besteht im Vergleich zu Desktop-Anwendungen natürlich noch in ihrer Ausrichtung auf mobile Geräte, die sich in der Unterstützung für die Touch-Bedienung zeigt. Außerdem lassen sich Apps durch das einheitliche Programmiermodell recht einfach auf Windows Phone portieren, so dass sie insgesamt für kleinere Displays ausgelegt sind. Dies äußert sich darin, dass sie im Vollbildmodus angezeigt werden. Für Desktop-PCs soll sich das jedoch in Windows 9 ändern, wo Store Apps auch im Fenster laufen können.

    Die nachträglich eingeführte Titelleiste ändert nichts daran, dass Store Apps bis dato nur im Vollbild laufen.

    Die Fokussierung auf kleinere und mobile Endgeräte ist auch der Grund dafür, dass es sich bei den Apps überwiegend um leichtgewichtige Software handelt, die häufig auf einen Service aus der Cloud angewiesen ist. Daher werden sie leistungsfähige Desktop-Anwendungen wie Office auf absehbare Zeit nicht ersetzen können.

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